Sonntag, 17. Februar 2019

Im Wechselbad der Weiblichkeit

Ausgabe 05/2010
Fakt oder Fiktion? Nur Last – oder auch Lust? Eine Frauenärztin hat für GESÜNDER LEBEN gängige Mythen rund ums weibliche Klimakterium neu bewertet.

Foto: Exquisine - fotolia.com
In Österreich sind derzeit 660.000 Frauen mitten drin: in ihrem ganz individuellen Klimawandel. Und damit ist nicht das Ringen um CO2-Reduktion, Gletscherschmelze und Erderwärmung gemeint, sondern die Wechseljahre. Laut Studien leidet jede dritte Frau so sehr an den Beschwerden, dass es ihre Lebensqualität deutlich einschränkt. Zum Arzt geht aber nur eine von zehn. Jede dritte Frau spürt die Anzeichen, und ein Drittel bleibt ganz beschwerdefrei. Die „heißeste Phase“ im Leben einer Frau, also schlagartige Hitzeattacken und Wallungen, dauert rund vier Jahre und geht nach der letzten Regelblutung los. Sieben Mythen ins richtige Licht gerückt – gegen die allgemeine Verunsicherung:

Nichts ist mehr wie vorher
Ja, Wechsel bedeutet körperliche Veränderung. „Das kann aber auch durchaus positiv sein“, betont die Gynäkologin und Brustkrebsexpertin Dr. Irene Thiel. Denn das Ende der Fertilität muss nicht heißen: „Ich kann keine Kinder mehr bekommen“, sondern „Hurra, ich muss nicht mehr verhüten“. Die positiven Seiten des weiblichen Klimawandels? „Wechselbeschwerden erlauben der Frau, ihren Körper bewusster zu spüren, und können zu einem neuen Lebensgefühl verhelfen“, sagt Thiel. Wie? „Mit Selbstvertrauen, Zuversicht und dem Mut, sich etwa von den gängigen Schönheitsidealen zu lösen.“

Die Lust am Sex nimmt ab
Ja, die hormonelle Umstellung im Körper führt oft zu einem Libidoverlust. Aber: „Da sich ein lustvolles Erleben der Sexualität gerade bei Frauen nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf geistig-seelischer Ebene abspielt, kann man auch gezielt gegensteuern. Fantasien können den hormonellen Mangel ausgleichen. Viele Frauen können Sex gerade jetzt richtig genießen. Was natürlich nur dann möglich ist, wenn der Partner lernt, auf die Wünsche der Frau einzugehen“, erklärt Thiel. Eine gynäkologische Problemzone: Trockene Schleimhaut kann zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen. „Östrogenhaltige Salben, die lokal verwendet werden, schaffen Abhilfe“, rät die Expertin.

Frau nimmt automatisch zu
Mit dem Hormonhaushalt ändert sich auch der Stoffwechsel. Was bedeutet das im Klartext? „Der Körper verbrennt grundsätzlich weniger Energie“, erklärt die Frauenärztin. Wer sich in den Wechseljahren nicht an die neuen Gegebenheiten anpasst, könnte tatsächlich unliebsame Überraschungen in puncto Gewichtszunahme erleben. Gegenstrategie: die Ernährung entsprechend umstellen und mehr Kalorien verbrauchen. Wenig Bewegung kann auch Symptome wie Wallungen und Schweißausbrüche begünstigen, ebenso wie viel Stress, zu wenig Schlaf, heißes, scharfes Essen, Alkohol und Kaffee.

Auf Sport besser verzichten
Auf keinen Fall! Es gibt nämlich Studien, die untermauern, dass Frauen, die in den Wechseljahren mindestens drei Stunden pro Woche Sport betreiben, deutlich weniger an klimakterischen Beschwerden laborieren als Bewegungsmuffel. Thiel nennt zusätzliche gute Gründe: „Sport erhöht den Fettverbrauch, erhält die Beweglichkeit in den Gelenken und verringert das Brustkrebsrisiko.“

Je weniger Östrogen, desto mehr Leid
Nicht ausschließlich. „Denn die Wechselbeschwerden hängen nur bedingt vom Östrogenspiegel ab. Psychische Belastungen, fehlende persönliche Akzeptanz durch die Familie oder den Partner sind ebenso ein Katalysator für Problemstellungen“, betont Thiel.

Jede braucht Hormonersatz
Ganz falsch. „Eine Hormonersatztherapie ist immer eine individuell abgestimmte Behandlung“, sagt die Frauenärztin. Groß angelegte Studien haben vor Jahren nachgewiesen, dass das Brustkrebsrisiko unter einer Hormonersatztherapie ansteigt. Thiel relativiert: „Das ist allerdings nur dann der Fall, wenn diese über fünf Jahre erfolgt. Dann erkranken tatsächlich von 1.000 Frauen zwei mehr an Brustkrebs. Bei Übergewicht aber sogar 28.“ Heute weiß man, dass nur Frauen mit klimaktärischen Beschwerden und niedrigem Blutöstrogenspiegel Hormonbehandlungen brauchen. Und warnt Thiel: „Bei Thrombosen, nach Herzinfarkten, Schlaganfall oder bei hormonabhängigen Tumoren sind Hormonersatztherapien überhaupt kontraindiziert.“

Entspannungstechniken lindern Symptome
Ja, aber nur wenn es sich um leichte Beschwerden handelt. Eine Studie aus Shanghai hat gezeigt, dass Frauen über 50, die Tai-Chi betreiben, nicht nur die negativen Begleiterscheinungen des Wechsels entspannter hinnehmen, sondern 40 Prozent dieser Personengruppe auch mehr Abwehrzellen in ihrem Blut haben als unsportliche Altersgenossinnen.


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