Montag, 20. Mai 2019

„Zweite“ Hilfe für Bello

Ausgabe 04/2010
Gerüstet für den Notfall – Teil 2: Heiße Nase, verschlucktes Spielzeug oder Wespenstich: Eine Tierärztin gibt Tipps für brenzlige Situationen.

Foto: Jan de Wild - istockphoto.com
Wenn Ihr Hund ein passionierter „Staubsauger“ ist oder liebend gern über Frühlingswiesen tobt, ist Ihnen der eine oder andere Zwischenfall der unliebsamen Art vielleicht auch schon passiert: Bello jault plötzlich auf, weil sich eine Wespe gegen seine lebhaften Annäherungsversuche gewehrt hat, daheim verschwindet plötzlich eine Socke statt in der Waschmaschine im Hundeschlund. Tierärztin Dr. Gabriele Razek weiß, wie Herrchen und Frauchen richtig reagieren.

1 Aufruhr im Verdauungssystem
Es passiert schneller, als man glaubt: Bello hat eine Kastanie/ Spielzeugmaus/Strumpfhose verschluckt. „Durch Sauerkraut werden Fremdkörper oft herausgebrochen oder gehen auf natürlichem Wege ab“, weiß Razek. Brechreiz kann auch mit lauwarmem Wasser, in dem ein Esslöffel Salz aufgelöst wurde, hervorgerufen werden: „Diese Methode allerdings nur anwenden, wenn Sie gesehen haben, dass der Hund einen nicht scharfkantigen Fremdkörper geschluckt hat“ Sitzt der Fremdkörper unentdeckt im Magen, kann er die Magenschleimhaut reizen und zu einer Gastritis mit wiederholtem, eventuell sogar blutigem Erbrechen, Appetitlosigkeit, Mattigkeit und Bauchschmerzen führen. Runde „Blindgänger“ rufen nicht selten einen Darmverschluss hervor, fadenförmige Fremdkörper wie Schnüre verursachen womöglich eine Auffädelung des Darms. „Beide Situationen sind lebensbedrohlich und müssen so schnell wie möglich operativ beseitigt werden“, warnt die Tierärztin. Für einen „Notfall“ zwischen Magen und Enddarm, der vom Experten abgeklärt werden muss, sprechen Anzeichen wie Erbrechen, Mattigkeit, kein oder Kotabsatz mit Kotdrang, Futterverweigerung, harter Bauch oder Gebetshaltung des Hundes – Vorderbeine nach unten, durchgestreckter Rücken, Popo in der Höhe.

2 Magenverstimmung mit Folgen
Eine Magendrehung ist der reine Horror für jeden Hundebesitzer. Als gefährdet gelten besonders große Rassen mit tiefem Brustkorb wie Irische Wolfshunde. Dabei dehnt sich der gefüllte Magen aus, dreht sich um die eigene Achse und drückt auf benachbarte Organe und den Blutkreislauf. „Hat man einen schwergewichtigen Vertreter mit Gefahrenpotenzial, gilt in erster Linie, dieses Risiko zu minimieren“, rät die Veterinärin. Ihr Tipp: „Füttern Sie Ihren Liebling zweimal täglich, weichen Sie Trockenfutter ein, und gönnen Sie ihm eine Ruhepause nach jeder Mahlzeit.“ Folgende Warnsignale einer Magendrehung sollten die Alarmglocken klingeln lassen: „Unruhe im Zeitraum von einer halben bis ganzen Stunde nach dem Fressen, Speichelfluss und Brechreiz, ein geblähter Bauch, der sich später wie eine Trommel anfühlt.“ Spätestens jetzt einen Veterinär anrufen und einen Notfall ankündigen! Mit zunehmender Dauer verfällt das Tier in einen Schockzustand, der tödlich enden kann.

3 Normal oder Fieber?
Wenn sich die Nase des vierbeinigen Lieblings heiß anfühlt, bedeutet das noch nicht unbedingt, dass er Fieber hat und krank ist. Überhöhte Körpertemperatur wird am besten vorsichtig rektal mit einem digitalen Fieberthermometer festgestellt, das vorher mit z.B. etwas Vaseline schlüpfrig gemacht wurde. Die normale, innere Körpertemperatur liegt beim Hund zwischen 38 und 39° C, bei der Katze zwischen 38 und 39,3° C. Größere Hunde sind eher „kühler“, Welpen und kleine Hunde eher „wärmer“. Die im Vergleich zum Menschen relativ hohe Körpertemperatur ist übrigens auch der Grund dafür, wieso Katzen- oder Hundeflöhe lieber in Vierbeiner beißen und nur im Notfall Menschen. „Nach längerer, körperlicher Anstrengung, Aufregung und bei höheren Außentemperaturen fällt das Messergebnis erfahrungsgemäß höher aus und sollte bei der Interpretation berücksichtigt werden“, informiert die Tierärztin. Durch Hecheln regelt der Hund die erhöhte Körpertemperatur: „Dieser Vorgang sollte daher immer ermöglicht werden, weshalb auch Beißkörbe entsprechend dimensioniert sein müssen.“ Wenn sich erhöhte Körpertemperatur allerdings mit Symptomen wie Fressunlust, Sträuben des Fells, Mattigkeit, beschleunigter Atmung und schnellem Puls und/oder einer merklichen Verschlechterung des Allgemeinbefindens paart, ist es Zeit, einen Tierarzt zu Rate zu ziehen. Zittert ein Hund wie bei Schüttelfrost, steckt selten Unterkühlung oder Fieber, sondern eher Angst dahinter.



Was soll ich tun?

Mein Hund ist von einer Wespe oder Biene gestochen worden!
Erste Hilfe: Versuchen Sie, den Stachel mit einer Pinzette herauszuziehen, danach Eiswürfel oder; essigsaure Tonerde auflegen; auch Rescue-Salbe lindert den Juckreiz und die Schwellung.
Was sollt e man nicht tun? Dem Hund ohne vorhergehende Diagnose ein Antihistaminikum (Allergietabletten) oder ein anderes Medikament verabreichen.
Zum Tierarzt? Sollten sich danach eine große Schwellung oder viele Quaddeln bilden bzw. wurde das Tier ins Maul gestochen, sollte schleunigst ein Tierarzt konsultiert werden.

Mein Hund hat vermutlich eine giftige Substanz verschluckt!
Erste Hilfe: Wichtig ist zu wissen, welche Substanz und wie viel der Hund möglicherweise aufgenommen hat; in jedem Fall sofort telefonisch den Rat eines Tierarztes einholen, ev. Vergiftungszentrale kontaktieren (Tel: 01/406 43 43).
Was sollte man nicht tun? Dem Hund Wasser, Milch, sonstige Flüssigkeiten oder Abführmittel geben, ihn zum Erbrechen bringen. Zum Tierarzt? So schnell wie möglich!

Mein Hund hat sich wahrscheinlich eine Granne zwischen den Zehen eingezogen!
Erste Hilfe: Haare an den Pfoten entfernen und Zugsalbenverbände anlegen. So wird die Granne in ein bis zwei Tagen aus dem Gewebe gezogen und ist dann leicht zu entfernen. Bei offenem Abszess die Pfote mehrmals täglich mit Käspappeltee baden.
Was sollte man nicht tun? Versuchen, die Granne eigenständig mit Nadel oder Skalpellklinge herauszuholen.
Zum Tierarzt? Wenn die Granne nach zwei Tagen nicht entfernt werden konnte.

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