Freitag, 24. Mai 2019

Zum Fressen gern?

Ausgabe 10/2010
Wer ein Tier hat, will für seinen vierbeinigen Freund gut sorgen, also auch bei der Fütterung alles richtig machen.

Foto: Dusan Kostic - fotolia.com
Essensreste für die Mieze, rohes Fleisch für den Wolfsnachkommen oder doch lieber Fertigfutter für beide? Was moderne Mäusefänger und bellende Gefährten bisweilen so richtig zum Fressen gern haben, entspricht leider nicht immer ihren tierspezifischen Bedürfnissen. Die Verunsicherung ist oft groß. Schließlich machen fast alle Tierbesitzer ganz eigene Erfahrungen, in der Werbung wird eine Vielzahl unterschiedlicher Fertigprodukte angepriesen, und nicht zuletzt kursieren im Internet sowohl nützliche Informationen als auch ziemlich absurde Gerüchte über die angeblich besten oder zu vermeidende Fütterungsmethoden.
Tierärztin Dr. Julia Zedinger greift einige dieser Mythen auf und zeigt, was davon wahr ist und was schlichtweg unrichtig.


1 Hunde & Katzen sind reine Fleischfresser
Auch wenn es bestimmt einige vegetarisch lebende Ausnahmeerscheinungen gibt, stellt Fleisch einen unverzichtbaren Bestandteil in der Futterration von Hunden und insbesondere Katzen dar. „Ausschließliche Fleischfütterung wäre aber für beide Tierarten ungesund“, betont Ernährungsexpertin Zedinger. „Schließlich fressen die Jäger in freier Wildbahn ihre Beute auch mit Haut, Haaren, Innereien und Mageninhalt.“ Neben wichtigen Mineralstoffen und Vitaminen würden bei reiner Fleischernährung wichtige Ballaststoffe fehlen, die für eine gute Verdauungstätigkeit und ausgewogene Darmflora sorgen. Zedinger: „Als Folge dieser einseitigen Ernährung können Hautkrankheiten und Gelenkschäden, Knochenbrüche oder sogar Verkrümmungen der Wirbelsäule auftreten. Bei Hunden bewirkt zu viel Fleisch bisweilen übel riechende Ausdünstungen und Fehlgärungen im Darm.“
Hunde benötigen etwa 20 bis 30 Prozent Eiweiß und fünf bis 15 Prozent Fett im Futter, bei Katzen sollten die Anteile doppelt so hoch sein. Bei Fertigfutter aus der Dose und Trockenfutter ist die bedarfsgerechte Zusammenstellung gesetzlich vorgeschrieben.

2 Hunde & Katzen benötigen rohes Fleisch
Als Raubtiere lieben Hund und Katze natürlich frische Leber, Herz oder auch Filetstückchen (und Mäuse). Ungekochtes Fleisch birgt jedoch gewisse gesundheitliche Risiken wie Parasiten und Keime: So lassen sich Bandwurmfinnen nur durch Erhitzen oder Lagerung bei ca. minus 20 °C inaktivieren, manche Viren oder Bakterien wieder ausschließlich durch starkes Erhitzen. „Vor allem bei empfindlichen Tieren wie Welpen, kranken oder alten Hunden und Katzen sollte daher auf rohes Fleisch im Futter verzichtet werden“, rät die Veterinärin.

3 Am besten ist selbst Zubereitetes
Bellos und Minkas Mahlzeiten können natürlich auch selbst richtig bzw. artgerecht zubereitet werden, so Zedinger: „Das ist z.B. bei sehr verdauungsempfindlichen Hunden einen Versuch wert, um ständigen Durchfall oder Erbrechen in den Griff zu bekommen.“ Um das richtige Mischverhältnis von verdaulichem Protein in Fleisch und Ergänzungsfuttermitteln bzw. Mineralstoffen und Vitaminen hinzubekommen, muss man sich allerdings schon in die entsprechende Fachliteratur einlesen oder noch besser: professionell beraten lassen. Schließlich soll der tierische Gefährte von der Hausmannskost keine Fehlernährung, Übergewicht oder Mangelerscheinungen davontragen. Das gilt insbesondere für Katzen und Hunde im Wachstum. Abgesehen davon erfordert selber kochen natürlich entsprechend Zeit und kommt selten kostengünstiger als Fertignahrung.

4 Hunde nur einmal täglich füttern
„Gerade verfressene Hunde sind wesentlich zufriedener, wenn sie eine Haupt- und eine Nebenmahlzeit erhalten“, erklärt die Tierärztin. Junge und auch ältere Kaliber benötigen ohnehin häufigere Fütterungszeiten. Auch großwüchsige Hunde sollten mehrmals täglich fressen und danach entsprechende Ruhezeiten einhalten, um die gefürchtete Magendrehung zu verhindern. Zedinger: „Es spricht nichts dagegen, die tägliche Futterration von erwachsenen Hunden auf zwei Rationen zu verteilen. Dabei muss die Nebenmahlzeit nicht immer zur gleichen Zeit gereicht werden – so bleibt der Hund auch gelassen, wenn sein Napf mal nicht überpünktlich gefüllt ist.“

5 Regelmäßiges Fasten fördert die Gesundheit
In der Natur müssen Wolfsrudel mit regelmäßigen Fastenzeiten zurechtkommen, zumindest was ihre Fleischration betrifft. An fleischlosen Tagen suchen die Tiere daher andere Nahrungsquelle wie Wildobst und Gräser, nagen an Zweigen oder graben Wurzeln aus. „Ein optimal ernährter Haushund ohne Übergewicht muss bei ausgewogener Ernährung trotzdem nicht fasten“, ergänzt die Expertin. Den Napf einmal 24 Stunden leer zu lassen kann allerdings bei Magen-Darm- Problemen wie Durchfall und Erbrechen sinnvoll sein: „Der Tierarzt wird, je nach Befund, dazu raten, einen Tag zu fasten oder Schonkost zu füttern. Oft entscheidet der Patient auch selbst und rührt sein Futter erst gar nicht an.“ Katzen, insbesondere molligere Exemplare, sollten überhaupt nicht fasten. Für die Samtpfoten bedeutet Hungern nicht nur psychischen Stress, längere Nahrungskarenz wirkt sich oft negativ auf den Stoffwechsel aus. Zedinger: „Appetitlose Katzen sollten daher immer schleunigst zum Tierarzt.“


Futter, tiereFoto: Serj Siz`kov - fotolia.com
Was kann Fertigfutter?
Dosen- und Trockenfutter enthalten eine gesetzlich vorgeschriebene bedarfsgerechte Zusammensetzung der jeweiligen Inhaltsstoffe. Einige Hersteller bieten zudem Spezialprodukte für rassespezifische Bedürfnisse und bei gesundheitlichen Problemen an. Hier sind menschliche „Ernährer“ eigentlich nur noch gefordert, die Futtermenge für ihre Lieblinge passend zu dosieren. Zu den wichtigen Auswahlkriterien bei Alleinfutter zählen Zusammensetzung (z.B. Proteinanteil), Akzeptanz und Verträglichkeit (Kotbeschaffenheit, Haut- und Haarkleid), Handhabung (Lagerbarkeit, Müll) und natürlich letztendlich auch der Preis.

Die Vorteile auf einen Blick:
  • Trockenfutter: leichte Handhabung und Dosierung, gute Lagerungsfähigkeit/Haltbarkeit, zumeist preiswerter als Feuchtfutter
  •  Feuchtfutter: gute Akzeptanz, hohe hygienische Qualität, höhere Flüssigkeitszufuhr

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