Donnerstag, 19. September 2019

Zahnpflege für Vierbeiner

Ausgabe 2013/05

Regelmäßige Mundhygiene, Vorbeugung von Zahnstein und tierärztliche Vorsorgeuntersuchungen sind auch für Haustiere wichtig.


Foto: Can Stock Photo Inc. - Fotosmurf

Im Gegensatz zum Menschen können sich Hund, Katze, Kaninchen oder auch Frettchen nicht selbst um die Zahnpflege kümmern. Und so haben viele Tierarzt-Patienten Probleme mit Zahnstein, Zahnfleischentzündungen oder lockeren Zähnen. Auch Pferde profitieren von kontinuierlichen Checks der Maulhöhle.  

Zahnbürste für Hunde. Der optimale Zeitpunkt, um beim Hund mit der Zahnpflege zu beginnen, ist der Zahnwechsel: „Abhängig von der Rasse entwickelt sich bei Hunden das bleibende Gebiss zwischen dem 4. und 6.  Lebensmonat“, erklärt DDr. Camil Stoian, Tierzahnarzt in Vösendorf.  Spätestens jetzt sollte man seinen Liebling mit der kalten Schnauze mit der täglichen Maulhygiene bzw. mit dem täglichen Zähneputzen vertraut machen. „Das Zähneputzen ist eindeutig die wirksamste Methode zur Gesunderhaltung der Zähne. Unterstützend wirken spezielle Kaustangen und antibakterielle Mundhygienelösungen, die man dem Trinkwasser beimengen kann.“ Hauptaufgabe der Zahnpflege ist – genauso wie bei Herrchen und Frauchen – die rechtzeitige Entfernung des Zahnbelags von den Zahnoberflächen und aus den Zahnfleischtaschen, bevor er sich in hartnäckigen Zahnstein umwandelt. „Abgetragene“ Zahnbürsten des Hundehalters eignen sich denkbar schlecht, schon allein deshalb, weil man seinen vierbeinigen Gefährten so mit Kariesbakterien anstecken kann. Ansonsten bekommen Hunde eher sehr selten und Katzen überhaupt keine Karies.

Unser Experte

DDr. Camil Stoian ist ausgebildeter Zahnarzt und Tierarzt in Vösendorf bei Wien und einer der wenigen europäischen Tierzahnarzt-Spezialisten. Sein Aufgabengebiet ähnelt jenem von Zahnärzten für Menschen. Er behandelt sehr oft Problemfälle wie Kieferfrakturen, fertigt Zahnspangen bei Zahnfehlstellungen sowie Implantate und Stiftzähne an, macht Kariesfüllungen, Inlays und sogar Wurzelbehandlungen bei gebrochenen Zahnkronen. Ein weiterer Schwerpunkt des Zahnarztes für Tiere sind Zahnfehlstellungen und Abszesse bei Kaninchen und Meerschweinchen sowie Zahnbehandlungen bei Frettchen und Pferden. www.tierzahnarzt.at.

Nicht ideal: Plastik-Fingerlinge und Knochen. Ideal für Bellos Beißerchen sind spezielle, weiche Hunde-Zahnbürsten oder Zahnpflege-Fingerlinge mit bioaktiver Hemosfaser mit Silberionen, die im Fachhandel und beim Tierarzt erhältlich sind: „Da Hunde die Zahncreme beim Putzen schlucken, muss man dafür auch spezielle Produkte verwenden.“ Genaue Anleitungen zur Putztechnik bieten Tierärzte und Internet, so finden sich z. B. auch einige Videos zum Thema: „Man sollte behutsam die Außenflächen der Zähne putzen, die Reinigung der Innenseite ist nicht notwendig und kann auch gefährlich sein.“ Eher heikel ist laut dem Experten die Verwendung von Plastik-Fingerlingen: „Dabei kann es vorkommen, dass der Hund plötzlich zubeißt, weil die Berührung eines Zahnes oder des wunden Zahnfleisches Schmerzen verursacht.“ Nach einem Hundebiss sollte übrigens immer der Arzt aufgesucht werden, um eine gründliche Wundversorgung zu gewährleisten. Auch von Knochen als natürliche Zahnpflege ist der Tierarzt nicht überzeugt: „Da Knochen und auch Spielzeug aus Holz oder Plastik härter als die Zahnsubstanz sind, ist es möglich, dass ein Zahn abbricht.“
 
Zahnweh beim Stubentiger. Auch bei Samtpfoten ist ein gesundes Gebiss eine wichtige Voraussetzung für das Wohlbefinden. Mit ihren Zähnen zerkleinern Katzen ihre Nahrung, speziell mit den Schneidezähnen reinigen sie ihr Fell. Erkrankungen der Maulhöhle zählen genauso wie bei den bellenden Kollegen zu den häufigsten Störungen. DDr. Stoian: „An den Zähnen bilden sich Zahnbeläge, die durch den Speichel zu Zahnstein verkalken. Darin tummelt sich eine große Anzahl von Bakterien, die über wundes Zahnfleisch in die Blutbahn geraten und so im Körper verteilt werden, wo sie Organe wie Nieren oder auch das Herz schädigen können.“ Doch so weit sollte man es nicht kommen lassen: „Eine regelmäßige Kontrolle der Zähne beim Impftermin sorgt vor. Sollte eine Zahnbehandlung notwendig sein, wird diese schonend unter Narkose durchgeführt.“ Dabei beurteilt und behandelt der Tierarzt neben dem Zahnstein auch das entzündete Zahnfleisch und eventuell frei liegende Zahnhälse. „Wird dieser Zustand nicht behandelt, kommt es bei Katzen häufig zu schmerzhaften Zahnresorptionen mit Zerstörung der Zahnsubstanz. Obwohl das eTier Appetit hat, verweigert es dann oft die Futteraufnahme oder kaut einseitig.“

Vom Wolf zum Schoßhündchen. Wissenschaftler haben beobachtet, dass vor allem kleinwüchsige Hunderassen sehr häufig Entzündungen des Zahnfleisches aufweisen und einen Teil der Zähne im Laufe des Lebens verlieren. Eine mögliche Erklärung ist bei den Wölfen zu finden: Sie haben weit auseinanderstehende Raubtierzähne, zwischen denen Futterreste nicht so leicht hängen bleiben können. Die Schädelform großer Hunderassen entspricht noch weitgehend jener von Wölfen, beim schnellen Laufen üben Zunge und Lefzen zudem eine Art „Waschbewegung“ auf die Zähne aus. „Außerdem werden große Hunde meist nur ein- bis zweimal am Tag gefüttert, sodass zwischen den Mahlzeiten noch Zeit zur Selbstreinigung der Zähne durch Speichel bleibt.“ Ganz anders sieht die Situation bei Minihunden aus: „Sie haben oft relativ zu große Zähne für einen zu kleinen Kiefer. Daraus ergeben sich auch häufig Engstände und Fehlstellungen der Zähne.“ Der Tierarzt empfiehlt daher, im Speziellen kleine Hunde gleich nach dem Zahnwechsel vom Fachmann kontrollieren zu lassen. Extreme Fehlstellungen kann der Tierzahn-Experte übrigens auch mithilfe von „Zahnspangen“ korrigieren.

 

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information