Sonntag, 19. Mai 2019

Wenn Rex für immer geht

Ausgabe 11/2010
Für jeden Tierbesitzer kommt einmal der Tag, an dem er von seinem geliebten Begleiter Abschied nehmen muss.

Foto: Greg Henry - istockphoto.com
Den treuen Lebensgefährten loszulassen kostet Kraft. Wer sich früh genug mit der wesentlich kürzeren Lebenserwartung unserer Haustiere und dem Prozess des Sterbens auseinandersetzt, kann besser damit umgehen und seinen Liebling in den letzten Tagen und Stunden unterstützen.

Verantwortung übernehmen
Der Tod eines Tieres, mit dem man viele schöne Jahre verbracht hat, ist keine angenehme Erfahrung. Nur wenigen Tierbesitzern ist es vergönnt, dass ihr Haustier einfach friedlich einschläft. In den meisten Fällen geht dem Ende ein mehr oder weniger langer Alterungsprozess voraus. „Oft ist dieser Lebensabschnitt eine Gratwanderung zwischen Erleichterung der Symptome, Verbesserung der abnehmenden Lebensqualität und quälender Lebensverlängerung – nicht nur für den Tierhalter, auch für den Tierarzt“ weiß die Wiener Tierärztin Mag. Sonja Franz. In dieser Phase müssen beide immer wieder so objektiv wie möglich überdenken, inwieweit ein Weiterleben ihres Tieres noch mit Lebensqualität verbunden ist.

Sterbehilfe beim Tierarzt
Wenn möglich, sollten Tierhalter auch den letzten Schritt gemeinsam mit ihrem Liebling gehen, rät die Expertin: „Lassen Sie sich vorher von Ihrem Tierarzt den Ablauf erklären, und vereinbaren Sie einen Termin, damit er sich auch Zeit nehmen kann. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben. Es wird Ihrem Tier und Ihnen selber helfen, ihm in den letzten Minuten beizustehen.“ Bei Haustieren wird zumeist erst eine Narkosespritze verabreicht. Wenn das Tier „schläft“, folgt eine zweite Injektion, die den raschen Tod herbeiführen soll. „In dieser Phase können Bewegungen oder Zuckungen des Körpers und tiefe Atemzüge auftreten. Das sind Reflexe in völliger Bewusstlosigkeit und keinesfalls Ausdruck für Schmerzen oder Qualen“, erklärt die Veterinärin. Im Optimalfall passiert das „Einschläfern“ während eines Hausbesuches.

Zeit des Trauerns
Kaum ein anderes Thema wird in unserer Gesellschaft so tabuisiert wie der Tod. „Für die Trauer über den Tod eines Tieres wird bisweilen wenig Verständnis aufgebracht“, meint Tierärztin Franz. Oft ist der Tierarzt der einzige Ansprechpartner. „Denken Sie daran, dass Tierärzte häufig selbst Tierbesitzer sind und daher Ihren Schmerz über den Verlust eines Tieres kennen.“ Rituale helfen, dem Tier endgültig Lebewohl zu sagen. Auch Bücher über „Sterbebegleitung“ bei Tieren können beim Abschiednehmen tröstlich sein (siehe - Der Abschied).

Grab oder Gedenkstätte?
Spätestens jetzt stellt sich die Frage: Was passiert mit dem Tierkörper? „Wird ein totes Tier in der Praxis zurückgelassen, kommt es zur Tierkörperverwertung. Wenn es zu Hause stirbt, kann es zu einem Gemeindecontainer gebracht werden, oder die Tierkörperverwertung holt es direkt ab. Das ist z.B. in Wien möglich“, erklärt Sonja Franz. In Vorarlberg, Kärnten, Salzburg, Niederösterreich, Tirol, im Burgenland und in der Steiermark ist das Begraben des Haustieres auf dem eigenen Grundstück mit behördlicher Genehmigung erlaubt. In Wien und Oberösterreich ist dies nicht gestattet. Die Abfuhrpflicht an die Tierkörperverwertung entfällt, wenn das Tier einem Tierbestatter übergeben wird. Hier kann der treue Begleiter entweder eingeäschert und in einer Urne mitgenommen oder auf einem Tierfriedhof beerdigt werden (siehe Kasten - Die letzte Ruhe). Ein Grabstein, eine „Gedenkstätte“ mit Blumen und Fotos des geliebten Tieres erleichtern den Trauerprozess und erinnern an die schönen Zeiten.


fotolia.com / Annette Kurka

Der Abschied
Tierkommunikatoren sind überzeugt, dass eine individuell lange Sterbephase für Tiere genauso wichtig ist wie für Menschen, um den letzten Weg in Würde gehen zu können. „Wir Menschen sind oft sehr schnell dabei, Tiere zu erlösen, aber manchmal ist das nicht das Richtige für das Tier“, meint Tierenergetikerin Elisabeth Handschmann. Sie bietet Sterbebegleitung an, um Tier und Mensch den Abschied zu erleichtern. Internet: www.tiertrainerin.at

Buch-Tipps
  • Der Ratgeber der Tier-Heilpraktikerinnen Sabine Arndt und Petra Kriegel „Wenn Tiere ihren Körper verlassen“ (Aquamarin Verlag).
  • Ebenfalls empfehlenswert: „Wenn sich Wege trennen: verstorbenesTier – trauernder Mensch“ (Books on Demand) von Fiona Unterasinger.
  • Das Bilderbuch „Adieu, Herr Muffin“ (Moritz Verlag) hilft dieses sensible Thema mit Kindern zu besprechen.


Die letzte Ruhe
Auf Tierfriedhöfen können Tierliebhaber ihrem treuen Wegbegleiter nahe sein. Tipp von Tierärztin Sonja Franz: „Erkundigen Sie sich rechtzeitig nach Preisen und Leistungen, da beide stark variieren können.“

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