Donnerstag, 23. Mai 2019

Wenn mein Liebling älter wird

Ausgabe 09/2013

Alt, aber noch immer oho: wie betagte Haustiere fit und vital bleiben.


Foto: Can Stock Photo Inc. - bimka

Haustiere in den besten Jahren gehören noch lange nicht zum alten Eisen. Wer über altersbedingte Erkrankungen Bescheid weiß und zusätzlich seinen Liebling regelmäßig vom Tierarzt checken lässt, kann sich oft über eine lange Beziehung freuen. Denn die meisten Hunde und Katzen leiden früher oder später an typischen Alters-Zipperlein oder auch an ernsthaften Erkrankungen. Allen ist gemein: Je früher sie erkannt werden, desto besser sind die Aussichten, diese in den Griff zu bekommen. „Beim Tierarztbesuch sollten nicht nur die fälligen Impfungen durchgeführt werden", so Tierärztin Mag. Sonja Franz aus Wien. „Je nach Bedarf kann der Tierarzt auch die Krallen schneiden, und Zähne reinigen und das Blut untersuchen. So hat man die Gesundheit des Vierbeiners immer genau im Blick und kann frühzeitig reagieren, sobald sich Veränderungen zeigen."

Viele Alterserscheinungen sind laut der Expertin nicht weiter dramatisch und betreffen irgendwann fast jeden Tiersenior. „Typische Beschwerden sind zum Beispiel vermehrte Ohrenverschmutzung oder mangelnde Tränenflüssigkeit und dadurch bedingt trockene, entzündliche Augen. Auch mit einer verminderten Beweglichkeit muss man im Alter rechnen."

 

Graue Schnauzen sind Gewohnheitstiere.

Wie schnell Hunde altern, hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie schnell wir sie altern lassen: „Ein Vierbeiner, der in seinen besten Jahren mit viel Freude Hundesport getrieben hat, sollte nicht einfach zum alten Eisen gezählt werden. Es lässt sich fast jede Hundesportart so gestalten, dass auch ein Senior die Aufgaben noch bewältigen kann." Gassirunden in wechselnde Umgebungen mit neuen Gerüchen sind genauso ein gutes Training für die grauen Zellen und den Bewegungsapparat wie spielerische Übungen zwischendurch. Ein halbjährlicher Gesundheitscheck beim Tierarzt inklusive Blutuntersuchung ergänzt das Seniorenprogramm.

 

Wo es häufig zwickt und zwackt.

Bestimmte Hunderassen sind von Verschleißerscheinungen der Gelenke häufiger betroffen als andere.´Deutsche Schäferhunde und Golden Retriever neigen vermehrt zur Hüftdysplasie, haben oft wegen ihres langen Rückens Beschwerden. Für diese Hunde gilt: Hundesport und Treppen sind tabu. „Schulmedizinische und komplementärmedizinische Schmerztherapien wie z. B. Akupunktur und Futterzusätze wie Grünlippmuschelextrakt können dem Hund aber einen Großteil seiner Lebensqualität zurückgeben", beruhigt Tierärztin Franz. Weit verbreitet bei betagteren Hunden und Katzen sind auch Probleme im Maul- und Rachenbereich. Mundgeruch oder Schwierigkeiten bei der Futteraufnahme sind Indizien für Zahnprobleme und sollten ernst genommen werden.

 

Erste Symptome abklären lassen.

Die Funktion von Herz, Leber und Nieren wird beim älteren Gefährten am besten regelmäßig mittels einer Blutuntersuchung überprüft. Franz: „Zeigt das Tier Symptome wie vermehrte Flüssigkeitsaufnahme, Nahrungsverweigerung, extreme Mattigkeit oder Apathie, häufiges Absetzen von Urin, Hautveränderungen und Haarausfall, Atemnot oder einen aufgeblähten Bauch, sollte der Senior dringend zum Tierarzt." Schnelle Ermüdung und Atemprobleme sind oft ein Hinweis auf eine Herzschwäche und sollten ebenfalls abgeklärt werden. „In diesem Fall kann dem Vierbeiner nach einer erfolgreichen Medikamenteneinstellung ein fast normales Leben ermöglicht werden." Die Haut von betagteren Heimtieren ist meist trockener sowie empfindlicher und neigt zudem im Alter zu Veränderungen. „Kleine Knubbel sind oft verstopfte Talgdrüsen oder gutartige Tumore", erklärt die Tierärztin. Dennoch sollte jedes (gutartige) Krebsgeschwulst überwacht werden, eventuell ist auch eine Entfernung empfehlenswert.

 

Stubentiger bleiben oft lange agil.

Bei den Samtpfoten ist es ähnlich wie bei uns Menschen. „Ein Stubentiger, der freudig im Wohnzimmer herumläuft und mühelos den Kratzbaum erklimmen kann, wird leicht ein paar Jahre jünger eingeschätzt", bestätigt die Tierärztin. Tatsächlich werden Katzen bei artgerechter Ernährung, abwechslungsreicher Haltung und guter tierärztlicher Betreuung wesentlich älter als früher. „Viele Katzen bleiben über Jahre fit und zeigen erst spät deutliche Alterserscheinungen." Umso mehr freut es den menschlichen Begleiter, wenn sein Vierbeiner mit zehn – hier beginnt bei Katzen das Seniorenalter – immer noch gerne spielt und oder begeistert einer Fliege nachjagt.

 

Vorsorgeuntersuchungen bei schnurrenden Senioren.

„Spätestens dann machen sich die regelmäßigen Vorsorge-Checks beim Tierarzt bezahlt, weil man so oft frühzeitig Wehwehchen erkennen und lindern kann", betont die Expertin. „So können zum Beispiel Nieren- und Herzerkrankungen bei Früherkennung sehr gut medikamentös und durch spezielle Diäten beeinflusst werden. Wichtig ist auch, Übergewicht zu vermeiden, weil die Katze dann nicht so leicht Gelenksprobleme oder Diabetes bekommt." Eine relativ häufige Erkrankung bei betagten Miezen ist eine Überfunktion der Schilddrüse. „Daran sollte man denken, wenn der Vierbeiner trotz guten Appetits abnimmt und vermehrt Durchfall und Erbrechen auftreten", klärt Franz auf. „Manche Katzen werden überempfindlich, aggressiv oder auffallend hyperaktiv." Bei der Krankheit stehen mehrere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die individuell angewendet werden.

 

Rituale vermindern Stress im Alter.

Bei betagteren Salonlöwen können auch Änderungen im Tagesablauf zum Problem werden, so die Veterinärin: „Störungen der Ruhephasen, Hektik und Lärm stören jetzt meist sehr und junge Artgenossen sind oft keine erwünschten Begleiter mehr. Dennoch sind gerade Katzensenioren besonders kuschelbedürftig und schmusen sehr gerne." Das Einhalten der Fütterungszeiten und regelmäßige Streichel- und Spieleinheiten geben auch älteren Haustieren das Gefühl, dass ihre Katzenwelt in Ordnung ist. „Am besten betrachtet man das fortgeschrittene Alter seines Lieblings nicht als Krankheit, sondern als neuen Lebensabschnitt, der veränderte Bedürfnisse mit sich bringt", rät Franz abschließend. „Und man genießt vielleicht auch bewusster die gemeinsame Zeit mit dem vierbeinigen Familienmitglied." Und vergessen wir nie: Auch wir Menschen werden älter …

 

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