Montag, 23. September 2019

Tiere, die uns heilen können

Ausgabe 02/2013
Therapietiere – egal, ob Hund, Katze, Pferd oder Schwein – bewirken bei traumatisierten Kindern, schwierigen Jugendlichen oder einsamen Senioren wahre Wunder.

Foto: ©Sterntalerhof
Hermine T. ist 68 Jahre alt. Die ehemalige Greißlerin ist seit 13 Jahren in Pension. In dieser Zeit hat sie zwölf Kilogramm an Gewicht zugelegt, gesundheitlich ging es im Ruhestand rapide bergab: Ständigem Bluthochdruck und erhöhten Cholesterinwerten folgte ein „kleiner“ Schlaganfall vor sechs Jahren. Zur notwendigen Dauermedikation mit vier verschiedenen Präparaten kamen lähmende Depressionen. Während Hermine T. stetig an Lebensmut verlor, wollten ihre Kinder noch nicht aufgeben. Sie schenkten ihrer Mutter vor knapp zwei Jahren die Golden-Retriever-Hündin Tara und mit dem sanften Vierbeiner auch eine neue Aufgabe und Lebensfreude: „Seitdem die Dame drei Stunden am Tag mit dem Hund spazieren geht, hat sie ohne Änderung ihrer Ernährungsgewohnheiten sieben Kilo abgenommen“, erzählt Prof. Dr. Claudia Stöllberger, betreuende Kardiologin von Frau T. und Mitglied der Organisation „Tiere als Therapie“ (TAT). Dank Hündin Tara wurde die Pensionistin wieder zu einem fröhlichen Menschen: „Nach nur zwei Monaten als aktive Hundehalterin konnte sie sogar das Antidepressivum absetzen, vier Wochen später auch die Cholesterinsenker“, freut sich die Medizinerin.

Tiergestützte Therapie
Mehr über Einsatzmöglichkeiten, Ausbildungen von Mensch und Tier und Kosten der einzelnen Therapieformen erfahren Sie hier:
  • Verein Tiere als Therapie (TAT):
www.tierealstherapie.org
  • Tiergestützte Pädagogik/Therapie und soziale Arbeit am Bauernhof:
www.bauernhof-therapietiere.at
  • Pferde als Therapeuten:
www.pferd-emotion.at
www.sterntalerhof.at
www.handicapkids.at
www.hippotherapie.at  
www.therapeutische-begleiter.at
www.aks.or.at


Einsatz im Kinderdorf. Derzeit betreuen die 250 TAT-Teams mit ihren Vierbeinern österreichweit rund 150 Institutionen wie Behinderten- und Seniorenheime, psychiatrische Krankenhäuser, Sonderschulen für geistig und körperlich behinderte Kinder, Einrichtungen für verhaltensauffällige Kinder und Kindergärten. Auch die Kinder der SOS-Kinderdörfer sollen in naher Zukunft  mit ausgebildeten Therapiehunden nachhaltig unterstützt werden. Im SOS-Kinderdorf Pinkafeld wurde 2012 bereits damit begonnen, schrittweise sollen andere Kinderdörfer eingebunden werden, berichtet TAT-Geschäftsführerin Helga Widder: „Den Kindern, die großteils aus schwierigen Lebenssituationen kommen, wird durch den gezielten Kontakt mit den Tieren geholfen, mit ihren Problemen fertig zu werden.“ Bei der tiergestützten Therapie werden jedoch nicht nur Hunde oder Katzen „gestreichelt“. Auch Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Schildkröten und sogar große Nutztiere erweisen sich als sensible Kumpanen. Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen können dem Menschen nicht nur Milch, Fleisch und Wolle liefern, sondern ihn im sozialen Lernen unterstützen und verlorenen Selbstwert zurückgeben. So findet z. B. auf einem Bauernhof in Braunsdorf im Weinviertel soziales Kompetenztraining mit der tierischen Unterstützung von Hängebauchschweinen statt. „Unser geprüftes Hängebauchschwein Beauty macht seine Sache perfekt“, erzählt Widder. Die Schweinedame und ihre grunzenden Kumpels zaubern regelmäßig ein Lächeln auf die Gesichter der Besucher, die oft von traumatisierenden Erlebnissen gezeichnet sind.

Therapietiere am Bauernhof. „Durch optimale Haltung, respektvollen Umgang und fachgerechtes Training können speziell Nutztiere vertrauensvoll auf den Menschen zugehen und ihre Aufgabe als Therapietier erfüllen“, weiß auch DI Silke Scholl vom Österreichischen Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung (ÖKL). Ihr Team organisiert den Ausbildungslehrgang „Fachbetreuer für tiergestützte Pädagogik/Therapie und Soziale Arbeit am Bauernhof“, der vor allem für engagierte Landwirte mit einer pädagogischen bzw. therapeutischen Ausbildung gedacht ist. „Die tiergestützte Therapie auf zertifizierten Bauernhöfen bewährt sich bei Kindern mit Lernschwierigkeiten und sozialen Problemen, verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen, Menschen mit psychischen Störungen und auch bei Senioren“, erklärt Scholl. „Die Tiere helfen dabei, wieder auf eigene Fähigkeiten zu vertrauen, ruhig zu werden und Kraft zu schöpfen. Spielerisch werden Körperfunktionen mobilisiert und auch Aggressionen auf positive Weise abgebaut.“ Wichtig ist, dass die Tiere niemals aggressiv reagieren. Wie die Kuh Billy Lilli, die gelernt hat, so lange still zu stehen, bis sie auch von einem körperlich schwer behinderten Buben fertig gebürstet ist.

katze, kindFoto: © Can Stock Photo Inc. - hawaya

Pferde mit hoher Erfolgsrate. Egal, ob Pony, Haflinger oder Spring-Ass außer Dienst: Speziell Pferde vereinen viele positive Eigenschaften, die Menschen mit besonderen Bedürfnissen zugute kommen. Über die Aussage „Gäule sind dumm“ können Hippo- bzw. Equotherapeuten nur den Kopf schütteln. Denn gerade im Umgang mit Kindern und behinderten Menschen beweisen die wiehernden Gefährten nicht nur Geduld, sondern auch eine große Portion Sensibilität. Daher steht allein in Wien und Umgebung ein breit gefächertes Angebot mit den pelzigen Therapeuten zur Verfügung. Eines davon ist der gemeinnützige Verein e.motion im Otto-Wagner-Spital, der mit seinen zwölf Therapeutinnen und 18 Pferden rund 400 Kinder und Jugendliche im Jahr betreut. Während der Sommerferien können die Kinder auch eine Woche auf dem kleinen adaptierten Bauernhof verbringen und erleben hier eine intensive Therapiezeit. Was die Equotherapie von anderen Therapieformen unterscheidet, ist die hohe Erfolgsrate, betont e.motion-Gründerin Mag. Roswitha Zink: „Die meisten Kinder können das Gelernte in ihrem Leben umsetzen. Das ist das Um und Auf jeder Therapie, aber selten gelingt das so gut wie hier.“

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