Freitag, 22. November 2019

Sand im Getriebe?

Ausgabe 05/2010
Autsch! Statt wuff & miau. Werden Hunde und Katzen plötzlich träge oder aggressiv, können unerkannte Gelenksprobleme dahinterstecken.

Foto: Mark Coffey - istockphoto.com
In der „1. Schmerzambulanz für Hunde und Katzen“ der Tierklinik Wien-Aspern unter der Leitung von Dr. med.vet. Markus Kasper herrscht Hochbetrieb. Ein Großteil der geplagten Vierbeiner mit Wehwehchen sind Rassehunde mit „unrund laufenden“ Gelenken, aber auch Katzen erhoffen sich hier wieder mehr Lebensqualität ohne Schmerzen – z.B. nach Fensterstürzen oder Unfällen.

Wenn’s hier zwickt & dort zwackt Die aktuelle Patientenschar von Schmerzspezialist Kasper ist bunt gemischt: Golden-Retriever-Hündin Enya ist knapp ein Jahr alt. Bis vor kurzem tollte sie noch quietschvergnügt mit ihrem Kumpel Jack auf der Hundewiese. Neuerdings jedoch jault sie in der Früh beim Aufstehen und freut sich nicht mehr auf die Ausflüge in den Park. Daher wird der Jungspund heute zum ersten Mal auf eine mögliche angeborene Erkrankung der Hüftgelenke (Hüftgelenksdysplasie/HD) untersucht. Chow-Chow-Rüde Sunny ist mit seinen elf Jahren bereits ein Senior – ihn plagen altersbedingte Zipperleins. Die Liste seiner Probleme beginnt bei einem früheren Kreuzbandriss am linken Kniegelenk, dazu kommen chronische Gelenksentzündungen (Arthrosen) im linken Ellbogengelenk und in der Hüfte sowie Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule.

Für die Untersuchung seiner Schützlinge nimmt sich Tierarzt Dr. Kasper sehr viel Zeit. Nach Enya wird auch Sunny eingehend inspiziert: „Nach dem detaillierten Vorbericht von Seiten des Hundebesitzers führen wir eine Analyse des Gangbildes durch, das heißt, wir sehen uns das Tier im Schritt und Trab genau an. Dann folgt eine umfassende manuelle Untersuchung, bei der unter anderem mögliche schmerzhafte Punkte von Muskeln, Sehnen und Gelenken ausgetestet werden.“ Konnte die Problemzone auf diese Weise auf eine Region eingeschränkt werden, kommt die bildgebende Diagnostik mit Röntgen, Ultraschall oder auch Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz, um die Verdachtsdiagnose zu festigen.

Laut Röntgenbild hat Enya Glück gehabt: Die Hüftgelenke weisen schöne Konturen auf, wie sie bei einem Hund ihres Alters sein sollen. Kasper diagnostiziert eine Zerrung im Oberschenkelmuskel und verordnet gemäßigte Bewegung, bis sich die Blessur wieder beruhigt hat. Oldie Sunny hingegen benötigt wieder die bewährte Schmerztherapie, um seinen Lebensabend mitsamt den täglichen Spaziergängen weiterhin genießen zu können. „Hier nützen wir mehrere Möglichkeiten, um den chronischen Schmerz der Gelenke zu reduzieren“, erklärt er.

Komplementärmedizin im Vormarsch
Der Tierarzt zieht wirksame ganzheitsmedizinische Methoden wie Neuraltherapie, Akupunktur, Goldimplantate, Osteopathie und Magnetfeldtherapie (siehe Kasten) einer langfristigen Behandlung mit Schmerzmedikamenten vor, weil sich diese negativ auf das Gelenksmilieu auswirken können und das Problem eventuell verschlimmern. Kasper: „Mit der Einführung und Weiterentwicklung der Goldimplantate als dauerhafte Schmerztherapie haben wir einen riesigen Schritt vorwärts getan – denn sie ermöglichen es, selbst bei hochgradig fortgeschrittenen Fällen eine befriedigende Situation mit guter Lebensqualität herzustellen.“

Ziel der Schmerztherapie bei orthopädischen Problemen ist laut Tierarzt eine „Harmonisierung der Bewegung“. So werden Schonhaltungen und vermehrte Belastungen der noch gesunden Gelenke so weit wie möglich reduziert, damit Sunny & Co weiterhin freudig Gassi gehen können. Der Trend geht hier – wie auch in der Humanmedizin – in Richtung Vorbeugung bzw. Früherkennung – „bevor eine Störung zur Krankheit und eine Krankheit zum Leiden wird“.

Siebenschläfer statt Springinkerl
Selbst die geschmeidigen und äußerst geschickten Katzen können sich bisweilen Läsionen am Bewegungsapparat zuziehen, die eine gezielte Schmerztherapie notwendig machen. Ansonsten leiden Samtpfoten weit weniger häufig als bellende Mitbewohner an chronischen Gelenksproblemen. Dennoch rät Fachmann Kasper, extreme „Schlafmützen“ unter den Katzen genauer zu beobachten: „Bei ungewohnt langen Ruhezeiten oder reduzierter Gelenkigkeit beim Putzen kann durchaus ein orthopädisches Problem dahinterstecken.“ Mit Hilfe spezieller Schmerzmittel werden auch ältere Katzen-Semester wieder agiler. Im Fall von chronischen Beschwerden helfen Neuraltherapie und Laserakupunktur den bewegungsmüden Stubentigern wieder auf die Sprünge.

Ganzheitlich gegen Schmerzen
Es gibt eine große Zahl ganzheitlicher Therapiemöglichkeiten – „Für eine optimale Therapie können diese auch kombiniert werden“, erklärt Tierarzt Dr. Markus Kasper von der Schmerzambulanz der Tierklinik Wien-Aspern.

  • Akupunktur: Mit dem Stich von Akupunkturnadeln werden lokale Schmerzen, aber auch umfassende Regionen wie der Rücken entspannt.
  • Ohrakupunktur: Ein spezieller Punktsucher findet gereizte Regionen an der Ohrmuschel, die mit schmerzhaften Körperteilen in Verbindung stehen – ähnlich den menschlichen Fußreflexzonen. Hier wird mit dem Softlaser zur Schmerzlinderung behandelt.
  • Neuraltherapie: Eine sehr effiziente Therapie mit einem lokalen Schmerzmittel, das die Durchblutung im Behandlungsgebiet nachhaltig verbessert.
  • Goldimplantation: Mit der Implantation von kleinen Golddrahtstückchen (2 bis 3 mm lang, 24-karätiges Gold) in Akupunkturpunkte oder an arthrotischen Gelenken wird bis zu lebenslange Beschwerdefreiheit erreicht. Ist auch nach HD-Frühdiagnostik (18. bis 20. Lebenswoche) anwendbar.
  • Lasertherapie: Absolut schmerzlose Methode – vor allem bei sehr empfindlichen Patienten; Einsatz auch für die Ohrakupunktur (Laserpunktur).
  • Magnetfeldtherapie: Wir setzen diese sanfte Methode v.a. bei Rückenschmerzen bei Hunden und Katzen ein.
  • Massage: Manuelle Behandlung zur Muskelentspannung und/oder Gelenksmobilisierung.
  • Osteopathie: Durch minimale Bewegungen wird die Region (Muskel, Gelenk, Nerv) schmerzreduziert und gelockert.
INFOS: www.tierklinik-aspern.at

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