Mit Hund & Katz sicher unterwegs

Ausgabe 10/2011
Im Herbst stehen für viele Vierbeiner wieder Impfungen an – also ab ins Auto und zum Tierarzt. Oder die ganze Familie macht einen herbstlichen Kurzurlaub. GESÜNDER  LEBEN zeigt auf, was Sie beim „Tiertransport“ im Auto unbedingt beachten sollten.

Foto: istockphoto.com
Wir Menschen schnallen uns im Auto brav an. Aber was tun mit unseren vierbeinigen Freunden? Wer Katzen oder Hunde ungesichert im Auto mitnimmt, läuft Gefahr, allzu schnell im Straßengraben zu landen. So passiert einem Lenker eines Minivans auf der Westautobahn, der die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor, weil seine Katze während der Fahrt unvermutet auf seinen Rücken sprang.

katze, autoFoto: fotolia.comStrenge Gesetze. „Ein unsachgemäßer Transport von Tieren ist nicht nur strafbar, sondern bei einer Notbremsung bzw. einem Unfall für alle Insassen extrem gefährlich“, erklärt die Engabrunner Tierärztin Sabine Sandner-Marschallinger. „Laut Straßenverkehrsordnung ist jeder Autofahrer verpflichtet, sein Transportgut so zu verwahren, dass eine sichere Fahrt nicht beeinträchtigt ist und niemand gefährdet wird.“ Wie Tierchauffeure das am besten anstellen, wurde unter anderem bei einem Crash-test des Autofahrerclubs ÖAMTC anschaulich überprüft (www.oeamtc.at/crashtests/).

Gefährliche Beschleunigung. Was Mobilisten in tierischer Begleitung zumeist unterschätzen, ist die enorme Fliehkraft bei einer Vollbremsung: So entwickelt ein Hund mit einem Körpergewicht von 20 Kilogramm bei einer Geschwindigkeit 50 km/h ein Aufprallgewicht von mehr als einer halben Tonne. Beim ÖAMTC-Crashtest kamen ein 22 Kilogramm-Hundedummy und ein vier Kilogramm schwerer Katzendummy zum Einsatz. Beim ersten Versuch gänzlich ungesichert, wurden die beiden Versuchskaninchen unsanft durch den Fahrzeugraum katapultiert. Sandner-Marschallinger: „Dabei konnte man sehen, dass die Tiere ungebremst auf den Kopf bzw. den Rücken des Fahrers treffen und dann auf die Windschutzscheibe prallen.“ Eine dramatische Situation mit unvorhersehbaren Folgen für Zwei- und Vierbeiner.
Der Schoß des Fahrzeuglenkers, Beifahrersitz oder gar Hutablage müssen für alle Haustiere daher ohne Ausnahme tabu bleiben. Im Idealfall sollten es Hund und Katze trotz Sicherheitsvorkehrungen während der Fahrt bequem haben und dabei auch ihre Position wechseln können. Das ist z.B. mit Hilfe von speziellen Transportboxen oder einem Sicherheitsgurt möglich. „Doch auch gebräuchliche Tiersicherungssysteme halten nicht unbedingt das, was Hersteller versprechen“, weiß die Veterinärin.

Sicherheitsgurte: nicht immer ideal. Wobei insbesondere die lockere Sicherung des Hundes mit einem Sicherheitsgurt auf der Rückbank Risiken birgt. Zum einen kann der Karabiner zur Fixierung am Brustgeschirr durch die Fliehkraft brechen, zum anderen sind Hundegurte fürs Auto oft zu lang dimensioniert, so die Expertin: „Im Test schlug der Hundedummy dadurch ungebremst auf die Lehne des Vordersitzes auf, was im Realfall auch schwere Wirbelsäulenverletzungen für den Lenker zur Folge haben kann“. Sicherer ist die Fixierung des Hundes in einem stabilen Hundegeschirr mit breiten Gurten, Metallverschlüssen und zweifacher Anbindung. Hochwertige Sicherheitsgurte haben ein Gütesiegel und sind geprüft, erweisen sich daher aber auch nicht gerade als Schnäppchen. „Wichtig ist dabei aber auf jeden Fall, dass der Gurt möglichst kurz bleibt, damit der Hund auf keinen Fall gegen den Vordersitz prallen kann“, ergänzt Sandner-Marschallinger.




Sicherungsmethoden für größere Hunde im Überblick
Sicherungsmethode Vorteil Nachteil
Transportbox auf Ladefläche stabiles, sicheres System;
das Auto bleibt sauber
teure Anschaffung,
Platzverlust im Kofferraum
Trenngitter (-netz) HUnd kann Fahrer und Fahrgäste
nicht stören
genügende Sicherheit nur bei
sehr fest verankerten Produkten
Geprüfter Sicherheitsgurt beste Alternative für Limousine
oder Coupé
stoppt den Hund erst nach der
Beschleunigungsphase



Ideal: die Transportbox im Laderaum. Die sicherste Variante für unternehmungslustige Vierbeiner ist eine stabile Transportbox mit richtiger Platzierung und fixer Verankerung. Größere Hunde werden so am sinnvollsten im Laderaum untergebracht: „Optimal ist eine der Größe des Tieres angepasste Box, die quer zur Fahrtrichtung eingebaut wird. Ein stabiles Trenngitter zum Fahrgastraum, das vom Dach bis zum Ladeboden reicht, sorgt für zusätzliche Sicherheit.“ Durch dieses geschlossene System kann der Hund weder erdrückt noch nach vorne geschleudert werden. Ein Plus gegenüber dem alleinigen Trenngitter: Bei Öffnen der Türen oder defekten Fensterscheiben nach einem Unfall kann das Tier nicht auf die Fahrbahn springen.
Trennnetze und -gitter bieten laut Tierärztin übrigens nur dann ausreichend Schutz, wenn sie stabil fixiert sind und auf mehrere hundert Kilogramm Belastung ausgelegt sind: „Do-it-yourself-Produkte können diese Anforderung selten erfüllen.“

Samtpfoten als Beifahrer. Katzen sind von motorisierten Spritztouren selten begeistert. Tierarztbesuche machen Ausflüge auf vier Rädern aber bisweilen notwendig. Da frei herumkletternde Stubentiger wie eingangs erwähnt Gefahrenpotenzial bergen, sollte man sich auch hier eine sichere Transportmöglichkeit überlegen.
Wer seinen schnurrenden Liebling in einer Box am Rücksitz sicher glaubt, wird durch den Crashtest ebenfalls eines besseren belehrt: Der beschleunigte Katzendummy riss im Versuch die Gittertüre aus der Verankerung und traf nahezu ungebremst auf die Rückenlehne des Vordersitzes auf.
Als sicherer Ort für die Unterbringung der Transportbox bietet sich daher laut Tierärztin vor allem der enge Fußraum hinter dem Fahrer- oder Beifahrersitz an. Die geringe Bewegungsfreiheit sorgt dafür, dass einwirkende Kräfte frühzeitig abgebaut werden: „Zusätzlich wird durch die seitliche Positionierung der Box die Verletzungsgefahr für die Katze oder den kleinen Hund minimiert.“

Früh übt sich. Wer seinen tierischen Mitbewohner von klein auf an das Transportbehältnis gewöhnt, kann ihm viel Stress auf dem Weg zum Tierarzt oder in den Urlaub ersparen.
„Die Box sollte daher vom ersten Tag als ruhiger Schlafplatz und Rückzugsort genützt werden, an dem sich Hund oder Katze geborgen fühlen“, empfiehlt Expertin Sandner-Marschallinger. Eine weiche, waschbare Unterlage, ein getragenes Kleidungsstück des Besitzers sowie Spielzeug und Leckerlis machen den Platz so richtig gemütlich – und Ausflüge auf vier Rädern in Hinkunft von vornherein entspannter.

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