Donnerstag, 21. Februar 2019

Mein Tier, mein Freund, meine Gesundheit

Ausgabe 2018.10

Zahlreiche Studien belegen die positiven Effekte vierbeiniger Mitbewohner auf die Gesundheit von Erwachsenen und Kindern. Vor allem Hunde reduzieren das Risiko von Herzinfarkten, Infektionen und Depressionen.


Foto: iStock-GlobalP

Schon lange ist bekannt, dass Haustiere und insbesondere Hunde soziale Kontakte fördern. Die Vierbeiner helfen ihren Haltern aber nicht nur beim Flirten. So halten die tierischen Mitbewohner ihre Ernährer in Bewegung und schützen so ihr Herz. „Durch die ständige Bewegung bei jeder Wetterlage kurbeln Hundebesitzer ihr Immunsystem an. Sie sind erwiesenermaßen seltener krank als Menschen ohne Hund“, betont  Helga Widder, Geschäftsführerin des Vereins „Tiere als Therapie“ (TAT). Untersuchungen belegen: Wer bei einer chronischen Krankheit wie etwa Rheuma oder nach einer Operation einen Hund an seiner Seite hat, der ist entspannter, spürt weniger Schmerzen und benötigt weniger Medikamente. Hundehalter leiden zudem weniger am sogenannten „Winter-Blues“, einer jahreszeitlich bedingten depressiven Verstimmung. Und nicht zuletzt profitieren Kinder in ihrer gesundheitlichen und psychischen Entwicklung von tierischen Begleitern.

Professionelle Bürohunde

Sie begleiten und verschönern den manchmal auch sehr stressigen Büroalltag. In nationalen und internationalen Unternehmen wie Mars Austria und Wüstenrot Österreich sind die Fellnasen schon selbstverständliche Begleiter. Laut einer aktuellen Umfrage von Mars dürfen 27 % der befragten Hundehalter ihren Vierbeiner mit an den Arbeitsplatz nehmen. Eine erfreuliche Tendenz, wie Helga Widder vom Verein Tiere als Therapie (TAT) betont: „Die positiven Auswirkungen eines Bürobegleithundes sind wissenschaftlich durch zahlreiche Studien belegt. Zum Beispiel reduzieren sie Stress, verhindern somit Burn-out, senken den Blutdruck, erhöhen die Motivation und die Stimmung und sorgen für ein nettes Betriebsklima.“ Damit der Büroalltag stressfrei und unproblematisch für den Hund und die Mitarbeiter gemeistert werden kann, bietet der Verein 2018 erstmals die Ausbildung zum „TAT-Bürobegleithund“ an. In dieser Ausbildung lernen Hundeführer, den Hund mit positiven Methoden an den Büroalltag zu gewöhnen, die Körpersprache des Hundes zu lesen und stressige Situation zu reduzieren. Mit einfühlsamem und respektvollem Training wird der Hund behutsam an seine neue Aufgabe und an die neuen Herausforderungen herangeführt.
www.tierealstherapie.at

Weniger Stress, gut fürs Herz
Hundehalter sind deutlich weniger anfällig für Stress als tierlose Menschen. Das konnten Forscher der State University of New York in einer Studie mit Börsenmaklern zeigen. Die Mediziner hatten die Testpersonen belastenden Situationen ausgesetzt und dabei körperliche Reaktionen wie erhöhte Herzfrequenz, Blutdruck und Schweißproduktion gemessen. Danach war klar: Die Haustiere verringerten nachweislich den Blutdruckanstieg der Probanden. Die Begründung der Wissenschafter: Das Spielen mit einem Hund verändert schon nach 15 Minuten die Produktion von Botenstoffen im Gehirn. Der Körper schüttet vermehrt Glückhormone aus, die Konzentration des Stresshormons Cortisol nimmt ab. Das führt dazu, dass die Menschen sich entspannter und zuversichtlicher fühlen. Ein weiteres Ergebnis des Experiments: Wer statt eines Hundes einen anderen Menschen in der Nähe hatte, schnitt in Stresssituationen zwar etwas besser ab als Menschen, die ganz allein waren – aber nicht so gut wie diejenigen Probanden mit Hund. Da weniger Stress zudem das Herzinfarktrisiko reduziert, haben Tierhalter gleich noch einen weiteren gesundheitlichen Vorteil. Eine Studie der US-Universität von Maryland hat gezeigt, dass Menschen mit Haustier nach einer Herzattacke eine vier Mal größere Überlebenschance haben als andere.

Weniger Infektionen im Babyalter
Welcher Hundehalter kennt das nicht: Der beste Freund des Menschen kann schon mal streng riechen und ungustiös sabbern. Sind Hunde deswegen auch eine Gefahr für die Gesundheit? Eine Studie der Johns Hopkins University in Baltimore, USA, hat diesen Mythos genauer beleuchtet. Mit dem Ergebnis: ganz im Gegenteil! Vierbeinige Mitbewohner bringen nicht nur Erwachsenen, sondern auch Kindern gesundheitliche Vorteile. So sind Kinder in Haushalten mit Hunden ab dem Babyalter seltener von Asthma und Ekzemen betroffen. Helga Widder: „Eine finnische Untersuchung konnte zudem nachweisen, dass Babys, die in ihrem ersten Lebensjahr viel Kontakt zu Hunden hatten, deutlich seltener an Ohrinfektionen und Atemwegserkrankungen litten als Kleinkinder ohne Tierkontakt.“ Die beteiligte Kinderärztin Eija Bergroth vermutet, dass Schmutz und Bakterien, die Hunde mit ins Haus bringen, das Immunsystem der Kinder stärken.

Geringeres Allergierisiko durch Darmkeime
Ähnliches gilt für allergisch bedingte Erkrankungen. Kanadische Wissenschafter von der University of Alberta haben nach einer Erklärung für dieses Phänomen gesucht und sich die Darmflora von Säuglingen näher angesehen, da die Entwicklung der Darmflora im Säuglingsalter die zukünftige Gesundheit maßgeblich beeinflusst. Die Kanadier untersuchten Stuhlproben von 746 Säuglingen im Alter von drei Monaten. Das Ergebnis der Studie: Die Anwesenheit eines Haustiers mit Fell erhöht nachweislich die Vielfalt der Darmbakterien. Vor allem ist der Bakterienstamm Firmicutes im Darm von Säuglingen vielfältiger vertreten. Sind im Darm nur wenige Klassen und Familien des Firmicutes-Stammes vertreten, steigt das Risiko für Übergewicht. Bei den Kindern, deren Familien vor oder nach der Geburt Hund oder Katze im Haus hielten, waren deutlich mehr dieser Bakterien nachzuweisen.

Bessere Konzentration und mehr Verantwortungsgefühl
„Der Umgang mit einem Hund unterstützt Schulkinder dabei, gute Noten zu erzielen“, meint die Tier-Expertin. „Studien haben gezeigt, dass Kinder mit Hund in der Schule konzentrierter sind und bessere Ergebnisse erzielen als jene Mitschüler, die ohne Hund aufwachsen.“ Kalifornische Forscher konnten sogar nachweisen, dass Hunde Lernschwächen von Kindern ausgleichen. Die Wissenschafter ließen Kinder mit Leseschwäche an Hunden üben und konnten einen Anstieg der Lesefähigkeit um zwölf Prozent nachweisen. Auch ein Team des Wiener Verhaltensbiologen Kurt Kotrschal hat den Einfluss von Hunden auf das Verhalten von Kindern mit Schulhunden untersucht. Er stellte fest, dass laute Kinder, die häufig nach Aufmerksamkeit suchten, durch die Tiere ruhiger wurden. Stille Kinder öffneten sich durch die Anwesenheit der Hunde und unterhielten sich mehr mit ihren Klassenkameraden. „Die Anwesenheit des Hundes wirkte als sozialer Katalysator, indem sie extremes Verhalten  wie Hyperaktivität oder Zurückgezogenheit mancher Kinder milderte und die Aufmerksamkeit in Richtung Lehrerin verstärkte. Die Kinder waren weniger aggressiv, mehr am Unterricht beteiligt und gingen lieber zur Schule als in der Zeit vor dem Hund oder in einer parallelen Klasse ohne Hund.“

Hunde und Sozialverhalten
Eine Untersuchung an der französischen Universität Besançon stellte fest, dass Kinder, die mit Hunden aufwachsen, umgänglicher sind und zu weniger Aggressivität neigen. Junge Hundebesitzer gehen mit sich und ihrer Umwelt verantwortungsvoller um als Kinder, die ohne Hund aufwachsen. Dass Hunde sich nicht verbal, sondern durch Körpersprache ausdrücken, fördert zudem das Einfühlungsvermögen der Kinder. Jugendliche Hundehalter in der Großstadt haben mehr Freude am Leben und sind weniger gefährdet, kriminell oder drogenabhängig zu werden. Ein Team des Psychologischen Instituts der Universität Bonn befragte für diese Untersuchung insgesamt 400 Jugendliche aus allen Schichten im Stadtgebiet von Berlin, von denen die Hälfte einen Hund besaß. Laut der Studie geben Hunde auch Jugendlichen, die in gestörten oder unvollständigen Familien aufwachsen, Geborgenheit und Selbstsicherheit. Dadurch haben sie ein positiveres Lebensgefühl und mehr Freunde als Jugendliche ohne tierische Begleiter. Zudem zeigten die jugendlichen Hundehalter ein größeres Interesse an Freizeitaktivitäten wie Sport oder Musik und kamen besser mit ihren Pubertätsproblemen, etwa Stimmungsschwankungen oder Langeweile, zurecht als die Jugendlichen ohne Hund.

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