Dienstag, 19. Februar 2019

Luxus der Einfachheit

Ausgabe 05/2010
Ein modernes Credo lautet, das Leben zu vereinfachen und den Konsum zu reduzieren. Zurück in die Steinzeit will aber niemand. GESÜNDER LEBEN zeigt auf, wie Sie den Spagat schaffen können.

Foto: Irina Chirkova - istockphoto.com
Nachhaltigkeit, ja bitte. An Geiz grenzende Sparsamkeit oder Konsumverweigerung kann jedoch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Wo aber können wir unnötigen Ballast abwerfen, worauf verzichten, ohne subjektiv an Lebensqualität einzubüßen? Was kann man gewinnen durch freiwillige Selbsteinschränkung? Antwort: einen veränderten Blickwinkel und  den Luxus der Einfachheit – ein reines (Umwelt-)Gewissen inklusive. Was heißt aber eigentlich Lebensqualität – rein materialistisch gesehen? Modisch immer am letzten Drücker zu sein? Urlaub unter Palmen? Das vollautomatische Haus? Uneingeschränkte Mobilität? Alle sechs Monate das Mobiltelefon zu wechseln? Die Zyklen bei Neuanschaffungen, insbesondere bei Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik werden immer kürzer. Deren Besorgung und Wartung sowie komplizierte Bedienung bereiten uns zusätzlichen Stress und rauben uns unterm Strich wertvolle Lebenszeit. Wer verantwortungsvoll konsumiert und somit weniger auf High Tech als auf Handarbeit baut, mehr auf Natur statt auf Chemie setzt und Recycling statt Wegwerfen zu seinem Credo gemacht hat, bereichert sein Leben und ist auch fitter. Neugierig?

Stopp den Features, Pixel & Gigabytes
Vor kaum zehn Jahren nutzte nur ein Bruchteil der Menschheit einen Privat-PC, der Rest kam gut ohne aus. Nun kann die Datenübertragung nie schnell genug gehen, das Download-Volumen gar nicht groß genug sein. Dabei lässt sich auch mit dem altgedienten PC problemlos surfen und Mails versenden, nur eben etwas gemächlicher. Ausnahme: Auf einen augenschonenden neuen Monitor sollten Sie nicht verzichten. Und wie viel Megapixel braucht’s zum Glück? Eine Digitalkamera macht letztendlich doch nur so brillante und scharfe Aufnahmen wie der Fotograf, der sie bedient. Und auch noch voll taugliche Handys werden gegen solche mit noch mehr Funktionen ausgetauscht, die uns meist ohnehin überfordern bzw. die man kaum nutzt.
Fazit: Entsorgen kann man Brauchbares immer noch, wenn es ganz hin ist.

Qualität & Reparieren machen sich bezahlt
Frei nach dem Motto, wer billig kauft, kauft teuer: Oft Schnäppchen zu kaufen, die ein kurzes Ablaufdatum haben, rächt sich finanziell und vergrößert den Müllberg. Meist halten qualitative Markengeräte erheblich länger, und es lohnt sich auch, diese reparieren zu lassen. Oft fehlt nur eine Kleinigkeit, und man sichert so Arbeitsplätze. Ausnahme: Trennen Sie sich von vorsintflutlichen Altgeräten, etwa Waschmaschine und Kühlschrank und Tiefkühler, selbst wenn diese noch funktionieren. Denn sie fressen zu viel Strom und Wasser, was nicht nur der CO2-Bilanz, sondern auch dem Börserl schadet.
Fazit: Gemeine Energiefresser raus, alle anderen, etwa der Röhrenfernseher, dürfen noch bleiben.

Eintagsfliegen, die bald out sind
Nichts ist uninteressanter als die Zeitung von gestern, heißt es. Selbiges gilt auch für diverse Modetorheiten. Um diesem Dilemma zu entrinnen, schlägt man am besten bei Stücken zu, die zeitlos sind. Zum Beispiel bei Retro-Kleidung aus dem Secondhand- Geschäft. Oft lässt sich so einst hochpreisige Haute Couture zu moderaten Preisen ergattern. Wer überflüssigen Ballast im Kleiderschrank hortet, kann etwa eine Tauschbörse mit seinen Freundinnen veranstalten, diesen zu barer Münze machen oder ihn spenden. Übrigens freut sich auch Ihr Schuhmacher über Aufträge. Warum soll man ein gutes Paar Schuhe gleich wegwerfen, nur weil der Absatz leicht abgelaufen ist? Nichts spricht auch gegen Möbelklassiker vom Pfarrflohmarkt, dem Altwarenhändler oder aus dem Internet. Diese bestehen meist noch aus Echtholz (!), haben Stil und lassen sich ideal mit trendigen Wohnaccessoires kombinieren.
Fazit: Schonung von Ressourcen und angewandte Wiederverwertung.

Schonende & wirtschaftliche Haushaltsführung
Die eigenen vier Wände bergen enormes Einsparungspotenzial. Kürzlich ließ ein britisches Kabinettsmitglied damit aufhorchen, dass es nach kleinen Geschäften nicht immer die Spülung betätigt. So Unrecht hat der gute Mann nicht. Auf jeden Drücker gehen je nach Toilettentyp bis zu 30 Liter kostbares Trinkwasser den Bach runter. Auch das Badewasser zum Aufwaschen und Putzen weiterzuverwerten, mag gewöhnungsbedürftig sein. Apropos Putzen: Die Hausmittel unserer Urgroßmütter dienten nicht nur dem Spargedanken, sondern auch der Umwelt. Küche und Bad mit chemischen Keulen in „Operationssäle“ zu verwandeln kann laut Medizinern unsere Abwehrmechanismen schädigen und sogar Allergien begünstigen. Essig, Zitrone & Co leisten genauso wertvolle Dienste. Oder verzichten Sie doch ab und zu auf strombetriebene Helferlein wie etwa den Staubsauger. Glatte Böden bekommt man auch mit Besen oder Mopp staub- und flusenfrei – ganz leise. Auch andere Kleinigkeiten können händisch mit Hammer, Handbohrer und Säge bewerkstelligt werden. Immer mehr Hobbygärtner sparen Energie an der frischen Luft – aber nicht die eigene. Denn ihr Rasen wird mittels mechanischem Spindelmäher kabellos und ohne Benzindämpfe gemäht, die Wiese mit Sense ohne Motor. Das ist ungleich effektiver als jedes Fitnessstudio.
Fazit: Hausarbeit mit Muskelkraft verbraucht mehr Kalorien bei weniger Kosten.

Verantwortung mit Messer & Gabel
Nicht jeder ist zum Vegetarier geboren. Wussten Sie aber, dass für die Erzeugung einer tierischen Kalorie rund 15 pflanzliche aufgewendet werden müssen? Doch bei schmackhaftem Gemüse – idealerweise aus dem eigenen Bio-Anbau – fällt es gar nicht so schwer, den Fleischkonsum einzuschränken. Zugegeben, Städter sind in Sachen Selbstversorgung ziemlich benachteiligt. Aber schon auf einer Fensterbank oder dem Balkon lassen sich Küchenkräuter oder auch Paradeiser ziehen. Gemüsebauer können Sie sogar ohne eigenen Garten spielen, z.B. auf einer gepachteten Selbsternte-Parzelle. Ihren ökologischen Fußabdruck beeinflussen Sie positiv, indem sie gleich ums Eck, am Markt oder ab Hof einkaufen und statt Wegwerf-Sackerln den Einkaufskorb verwenden. Fast unnötig zu erwähnen ist, dabei Produkte zu bevorzugen, die nicht um den halben Globus gereist sind, und Früchte, die frisch vor unserer Haustür geerntet werden. Erledigen Sie kleinere Besorgungen, so weit möglich, zu Fuß oder per Rad, bei Großeinkäufen ist das Auto eher unvermeidlich. Hier gilt: Je mehr Sie auf einmal einkaufen, desto preisgünstiger und weniger gefahrene Kilometer.
Tipp: Machen Sie den Test, welche Auswirkungen Ihr Lebensstil auf die Umwelt hat (auf www.fussabdruck.at), bevor Sie sich dem Luxus des einfachen Lebens widmen. Und wiederholen Sie diesen später. Sie werden staunen!


Links, Tipps & Infos für bewussten Konsum
  • Buchtipp: Vom Luxus des Einfachen, Friederun Pleterski/Renate Habinger, Verlag Brandstätter

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