Samstag, 16. Februar 2019

Kleiner Erziehungsknigge

Ausgabe 11/2009
Wer seinem Hund von Kindesbeinen an Gehorsam beibringt, beugt späteren Zwischenfällen vor. Auch Katzen lassen sich bis zu einem gewissen Grad erziehen.

Foto: Lux2008 - Fotolia.com
Sitz! Platz! Hier! – Die Erziehung von Hunden kann beginnen, sobald der Welpe in sein neues Heim kommt. Ein Vorteil, den man als frisch gebackener Hundebesitzer unbedingt nützen sollte: In den ersten Lebensmonaten lernt der Vierbeiner besonders leicht. Mit dem quirligen Jungspund wird zuerst auf spielerische Weise geübt – als Belohnung für die richtige Reaktion erhält der bellende Dreikäsehoch ein artgerechtes Leckerli. „Ein Kind lernt bitte zu sagen, wenn es etwas haben möchte. Das Gleiche gilt für ein Hundekind, bevor es sein geliebtes Spielzeug oder ein Leckerli bekommt!“, meint die Grazer Tierärztin und Verhaltensexpertin Mag. med.vet. Andrea Irina Joch. „Als Ersatz für das menschliche Bitte kann man dem Welpen ,Sitz!‘ beibringen.“

An der lockeren Leine
Der neue Hausgenosse sollte sich auch bald daran gewöhnen, ein Halsband zu tragen. Joch: „Der Spaziergang an der Leine kann im Haus beginnen – mehrmals am Tag und nur für kurze Zeit.“ Zieht der Hund, gibt man mit der Leine einen kurzen Ruck. Niemals sollte man zurückziehen, weil der Hund dann weiter nach vorne drängt. „Nur weitergehen, wenn die Leine locker ist. Sobald sie gespannt ist, stehenbleiben. So lernt der Hund, dass er nur bei lockerer Leine weiterkommt“, rät die Expertin. Auch wenn der Hund auf Zuruf nicht sofort kommt, darf er bei der Rückkehr dafür nicht bestraft, sondern ausschließlich gelobt werden. Ihre Reaktion als „Erziehungsberechtigter“ sollte von Gelassenheit und Geduld geprägt sein. Jochs Rat: „Leinen Sie den Racker auch nicht gleich wieder an, sondern schicken Sie ihn zurück zum Spielen.“

Kindergarten für Hunde
Für Joch gibt es vor allem zwei gute Gründe, mit dem Familienzuwachs eine Welpenschule zu besuchen: „Erstens sieht der Hund dort Welpen in allen Farben, Formen und Größen und lernt so, dass Hunde aller Rassen gute Spielkameraden sein können, auch wenn sie nicht so aussehen wie er selbst. Zweitens lernt der Welpe dem Kommando von Frauerl/Herrl auch dann zu folgen, wenn Ablenkung in Form von möglichen Spielkameraden vorhanden ist.“

Nach Absolvierung der Welpenschule empfiehlt sich der Besuch von weiteren „Fortbildungskursen“. Joch: „Die Hunde sind dann jugendlich und bis zu einem Alter von eineinhalb Jahren im „Flegelalter“. Eine gute Hundeschule kann dem Besitzer helfen, durch diese anstrengende Zeit hindurch bei der Erziehung konsequent zu bleiben.“ Voraussetzung dafür ist aber, dass die in der Schule gelernten Übungen mehrmals täglich auch zu Hause und unterwegs geübt werden. Sonst folgt der Hund nämlich nur auf dem Kursplatz.

Strenge Hausordnung
Zu Hause ist es von Bedeutung, dass der Hund ein Hund bleibt und die Rangordnung eingehalten wird, betont die Verhaltensexpertin: „Das bedeutet, dass er allen erwachsenen Familienmitgliedern folgen muss, dass er Futter und Spielzeug nur für ,Bitte!‘ bzw. ,Sitz!‘ bekommt, dass er auf seinem Platz schläft und nicht auf dem Sofa oder Bett.“

Leben Kinder in der Familie, muss es Bereiche geben, die für den Hund tabu sind wie z.B. das Kinderzimmer. Ebenso unerlässlich ist ein ruhiger Platz für den Vierbeiner, wo er sich vor den Kindern zurückziehen kann. Außerdem ganz wichtig: die Kinder nie mit dem Haustier alleine lassen. „Hunde dürfen Kindern weder Spielzeug noch Essen wegnehmen, Kinder wiederum dürfen nur unter Aufsicht von Erwachsenen mit dem Hund spielen und dem Hund keinesfalls weh tun“, rät Joch. Wenn das beachtet wird, steht einer wunderschönen Hund-Kind- Beziehung nichts mehr im Weg.

Miezes Benimmschule
Auch bei Katzen ist Erziehung unbedingt notwendig, unterstreicht Tierärztin Joch: „Wer will schon eine Katze, die Arme und Beine als Spielzeug missbraucht, einem aus dem Hinterhalt auflauert und dann mit Krallen und Zähnen attackiert oder dauernd auf der Herdplatte oder dem Esstisch herumspringt?“

Am besten beginnt man auch hier mit der Erziehung im Welpenalter. „Katzen benötigen viel Spielzeug, mit dem sie allein oder besser noch gemeinsam mit ihren Menschen ihre wilde Raubttiernatur ausleben können“, erklärt Joch. Sehr gut geeignet sind hier Spielzeuge in Form einer Angel, weil da die Hände und Beine der Besitzer außer Reichweite von Miezes scharfen Zähnen und Krallen sind. Sollte dennoch einmal ein Finger im Maul oder in den Krallen landen, wird das Spiel sofort beendet und die Katze eine Weile ignoriert.

Von Tischen und Herd sollte man Katzen konsequent vertreiben. Ein abschließender Tipp vom Verhaltensprofi Joch spart Zeit und schont die Nerven: „Machen Sie nicht den Fehler, bei jeder Forderung in Form eines Miaus sofort Futter zu geben oder die Tür zu öffnen. Es sei denn, man hat von nun an Lust, dass dann je nach Laune der Katze viele Male rund um die Uhr zu tun.“


Wie wird ein Hund stubenrein?

Ein Welpe, der vom Züchter kommt, ist in den seltensten Fällen stubenrein. Tierärztin Andrea Irina Joch: „Der junge Hund macht sein Geschäft abseits vom Schlafplatz. Das reicht ihm fürs Erste.“ Mit Geduld wird Gassigehen aber schnell gelernt.

Ist der Welpe in seinem neuen Zuhause angekommen, muss man mit ihm nach draußen, damit er sein „Geschäft“ erledigen kann. Und zwar bis zum vierten Lebensmonat untertags alle zwei Stunden – sofort nach dem Aufwachen und nach den Mahlzeiten. Jochs Rat: „Wählen Sie zu Beginn einen Platz, der bereits seinen eigenen Duft aufweist, z.B. eine mit seinen Absonderungen beschmutzte Zeitung.“ Am Anfang wird der Welpe belohnt, wenn er am gewünschten Ort außerhalb der eigenen vier Wände markiert, auch mit der Stimme und durch Streicheln. Kleine „Unfälle“ im Haus gehören zum Erwachsenwerden und dürfen nicht durch Schimpfen oder – noch schlimmer – Eintunken der Nase bestraft werden. Probieren Sie allerdings die Zeitungsmethode nicht im Haus, weil sich der Hund sonst das Markieren in seinem Zuhause angewöhnt. Auch sollte der Spaziergang nicht sofort abgebrochen werden, sobald Harn und Kot abgesetzt wurden.

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-02 130x173

Aktuelles Heft 02/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 8. März

 

Unsere Ausgabe 12/2018-01/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Sind Sie zu Ihrem Arzt immer ehrlich?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information