Sonntag, 22. September 2019

Klein, aber oho!

Ausgabe 10/2012
Auch vermeintlich pflegeleichte Heimtiere wie Kaninchen und Meerschweinchen brauchen viel Zeit und Zuwendung. Für wen sind sie am besten geeignet?

Foto: Can Stock Photo Inc. LanaLanglois
Kaninchen und Meerschweinchen zählen zu den beliebtesten Haustieren. Im Gegensatz zu Hunden und auch so manchen Katzen fühlen sich die Fell-Minis als Einzelgänger aber gar nicht wohl: „Die meisten Heimtierbesitzer wissen, dass diese Heimtiere keine Einzelgänger sind und zumindest zu zweit angeschafft werden müssen“, erklärt die Wiener Tierärztin Sonja Franz. „Noch nicht ganz aus den Köpfen der Menschen verschwunden ist jedoch die Annahme, dass man Kaninchen und Meerschweinchen gemeinsam halten kann.“ Auch wenn sich die Ansprüche der Nager ähneln, so unterscheiden sich beide Tierarten laut Expertin deutlich in ihrer Körpersprache und ihren Gewohnheiten: „Sie harmonieren daher eher nicht miteinander.“

Kaninchen verstecken sich gerne. Für zwei Zwergkaninchen empfiehlt die Veterinärin einen Käfig mit weit auseinander stehenden Gitterstäben und einer Grundfläche von mindestens 120 x 60 Zentimetern. Da Kaninchen sich gerne auf die Hinterläufe stellen, um „Männchen“ zu machen, sollte die Höhe der Unterkunft mindestens 50 Zentimeter betragen. „Eine Bodenwanne aus Kunststoff erleichtert die regelmäßige Reinigung“, empfiehlt Franz. „Heuraufe, Trinkautomat und Futterspender wählt man am besten zum Befestigen an den Seitenwänden des Heimes. So nehmen sie nicht zu viel Platz weg.“ Da Zwergkaninchen von Natur aus Höhlenbewohner sind, müssen sie sich auch in einem Käfig geborgen fühlen. „Daher sollte dieser in einer geschützten, ruhigen Ecke stehen und nicht von allen Seiten einsehbar sein.“ Zum Mindestinventar zählen Schutzverstecke und Schlafhäuschen, in die sich das Tier jederzeit zurückziehen kann. „Sie dienen auch als Sonnenschutz, wenn die Tiere im Freien gehalten werden“, so die Tierärztin. „Kaninchen sind sehr hitzeempfindlich und brauchen daher immer einen Schattenplatz. Kälte vertragen sie hingegen sehr gut.“

Meerschweinchen mögens abwechslungsreich. Auch die posierlichen Meerschweinchen sind sehr soziale Tiere, die ihr ganzes Verhaltensspektrum nur in Gesellschaft anderer Artgenossen ausleben können – idealerweise in einer gemischtgeschlechtlichen Gruppe von zwei bis vier Weibchen und einem kastrierten Männchen. Ihr Heim sollte je nach Gruppengröße mindestens 120 x 80 x 45 Zentimeter messen. Ausstattung und Einrichtung ähneln dem Zwergkaninchenheim. „Je mehr Klettermöglichkeiten und Versteckhöhlen sie zur Verfügung haben, desto wohler fühlen sich seine Bewohner“, weiß der Heimtierprofi. „Ein Schlafhäuschen pro Tier ist unerlässlich.“ Rückzugsmöglichkeiten kann man leicht selbst aus Holz und Kartons basteln. „Man sollte darauf achten, die Tiere von dort nicht beliebig herauszuholen oder sie gar aus dem Schlaf zu reißen. Das sollte man vor allem den Kindern in der Familie erklären.“ Was viele nicht wissen: Die kleinen Nager kommunizieren zwar mit einer Vielfalt von Lauten miteinander, sind andererseits aber äußerst geräuschempfindlich. „Fernseher und Radio sollte man daher nicht unbedingt in der Nähe auf volle Lautstärke drehen“, rät Tierärztin Franz.

Nager würden Rohkost kaufen. In der Natur ist den Vegetariern Kaninchen und Meerschweinchen – zweitere stammen ursprünglich aus Südamerika und leben dort auch wild – ein reicher Tisch gedeckt. Sie  wählen zwischen Knospen, Blättern, Früchten, Pilzen, Gras, Rinde und vielen anderen Pflanzen. „Eine ähnliche Kost können wir unseren Heimtieren auch bieten“, meint Franz. „Heu sollte als luftiges und trockenes Raufutter ständig zur Verfügung stehen, sonst funktioniert der Verdauungstrakt auf Dauer nicht.“
 Dazu kommt vitamin- und nährstoffreiches Saftfutter in Form von Karotten, Salat, Kräutern und nicht giftigen Zweigen, damit die Zähne nicht zu lang werden. Besonders gesund sind frische Gewürzkräuter wie Petersilie, Dill, Salbei, Borretsch und Bohnenkraut. Meerschweinchen brauchen ausreichend Vitamin C, das man auch dem Trinkwasser beifügen kann. Eher nicht empfehlenswert für Nager sind Salatgurken, rote Rüben, Tomaten, Zucchini und mehr als ein täglicher Esslöffel Trockenfutter mit Getreide: „Das macht nicht nur dick, sondern schadet Zähnen und Verdauung.“ Klar, dass auch giftige Zimmerpflanzen kein Knabberspaß sein dürfen. Tipp der Tierärztin: „In Sachbüchern oder im Internet auf Expertenseiten findet man ausreichend Informationen rund um die richtige Heimtierhaltung und auch eine Liste von allen giftigen Zierpflanzen, auf die man als Tierliebhaber verzichten sollte. Über Krankheitsvorsorge und etwaige notwendige Impfungen bei Kaninchen berät Sie am besten der Tierarzt Ihres Vertrauens.“

KanninchenFoto: Can Stock Photo Inc. LanaLangloisCheckliste: Kommt für mich ein Kaninchen oder Meerschweinchen überhaupt in Frage?
  • Heimtiere können alt
werden. Im Schnitt werden Meerschweinchen sechs bis acht Jahre alt, Kaninchen sogar älter als zehn Jahre.
  • Heimtiere kosten Geld.
Zu berücksichtigen sind die artgerechte Erstausstattung (Käfig, Einrichtung, Fressnapf usw.) sowie laufende Futter-, Heu- und Einstreukosten. Achtung: Tierarztrechnungen können den Kaufpreis der Heimtiere um ein Vielfaches übersteigen.
Kaninchen, die draußen gehalten werden, benötigen auch Impfungen.
  • Auch Heimtiere benötigen Platz.
Für zwei Meerschweinchen darf ein Käfig die Größe von 1,20 x 0,80 m nicht unterschreiten. Kaninchen brauchen ebenso viel Raum.
  • Heimtiere brauchen Zeit.
Füttern, Käfig reinigen, Beobachtung – das alles braucht (täglich) Zeit.
  • Das Ausmisten des Käfigs muss oft und gründlich gemacht werden.
  • Zudem sollten die kleinen Mitbewohner einmal wöchentlich auf mögliche Verletzungen, Zahnprobleme, Krankheiten usw. untersucht werden.
  • Heimtiere lieben Abwechslung.
Meerschweinchen und Kaninchen alleine zu halten ist Tierquälerei. Auch in Paarhaltung haben sie nicht so viel Abwechslung wie in einer größeren Gruppe. Damit ihnen nicht langweilig wird, sollte man vor allem Meerschweinchen Abwechslung bieten (Labyrinth aus Brettern, Weidenbrücken, Kuschelhöhlen etc).
  • Heimtiere müssen sich austoben.
Um ihnen genügend Bewegungsmöglichkeit bieten zu können, brauchen sie minimal zwei Stunden am Tag Auslauf. Und zwar „heimtiersicher“: keine Pflanzen, keine Kabel, keine Gefahr des Einquetschens zwischen Möbeln usw.
  • Heimtiere sind keine Schmuse- und Kuscheltiere.

Es ist ein Irrglaube, dass Meerschweinchen und Kaninchen es gerne mögen, wenn sie auf den Schoß genommen und gestreichelt werden.
  • Weitere Infos per Mausklick: http://www.wien.gv.at/veterinaer/tierschutz/heimtiere/, www.meerschweinchen-ratgeber.de


Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information