Mittwoch, 22. Mai 2019

Katzen ganz privat

Ausgabe 06/2011
Die Gestaltung des „stillen Örtchens“ zählt für den Stubentiger und seine menschlichen Mitbewohner zu den wichtigsten Wohlfühlfaktoren.

Foto: istockphoto.com - michellegibson
Samtpfoten sind die mit Abstand beliebtesten Haustiere. Kein Wunder: Katzen sind verhältnismäßig unkompliziert und von Natur aus sehr reinlich. „Sie sind meist mit einem einfachen Kistchen als Toilette zufrieden“, weiß Tierärztin Sabine Schroll, Expertin für Verhaltensmedizin bei Kleintieren in Krems. „Aber: Die meisten Anfragen betreffen Probleme mit unsauberen Katzen.“ Denn Harnmarkieren oder Kotabsatz abseits der vorgesehenen Plätze können Katzenbesitzer zur Verzweiflung treiben. Oft muss die Einrichtung daran glauben oder Wände werden angepinkelt – bis der Gestank unerträglich ist. Ein Albtraum für alle Beteiligten, der aber meist verhindert werden könnte.


Stubenrein, ja bitte!

„Im Freien können sich Katzen ihren Pinkelplatz ganz nach Geschmack aussuchen – in der Wiese oder im Gebüsch“, erklärt Veterinärin Schroll. Dazu kommt, dass Outdoor-Katzen selten Kot und Harn an derselben Stelle absetzen. Daher beanspruchen Wohnungskatzen gerne mehrere Toiletten. „Für den Mehrkatzenhaushalt gilt: am besten ein Katzenklo mehr als die Gesamtzahl der Miezen anschaffen.“ Junge Kätzchen fühlen sich bei längeren Wegen zum Katzenklo oft überfordert. Schrolls Lösung: „Entweder begrenzt man ihren Lebensraum anfangs, erhöht die Zahl der Toiletten oder erinnert sie regelmäßig, indem man sie sanft ins Katzenklo setzt.“ Falls Katzen mehrere Stockwerke zur Verfügung haben, sollte in jedem ein stilles Örtchen stehen. Erfreulicherweise gibt es relativ hübsche Modelle: Alle aus pflegeleichtem Kunststoff in Modefarben und mit schicken Extras. Ob mit oder ohne Haube ist übrigens mehr als nur Geschmackssache. Expertin Schroll betont: „Katzen sind keine Höhlenpinkler! Mit Haube wird zwar keine Einstreu in der Umgebung verteilt, aber ein ausreichend großes, sauberes und oben offenes Klo ist die beste Lösung.“


Die wichtigsten Eckdaten

Die Mindestabmessungen betragen 30 x 40 Zentimeter. Schroll: „Große und ältere Katzen benötigen mehr Fläche. Mörtelkästen oder andere Plastikwannen sind zwar nicht schön, ihre Wände aber hoch genug, dass im Stehen pinkelnde Katzen nicht hinausspritzen können.“ Ein ganz wichtiger Punkt ist die Standfestigkeit, wie die Tierärztin betont: „Die Toilette sollte nicht kippen. Einschlägige Erlebnisse können zur Vermeidung dieses unberechenbaren Ortes führen.“ Auch der Standplatz sollte mit Bedacht gewählt werden: „Schockeffekte wie schlagende Wohnungstüren oder schleudernde Waschmaschinen sind nicht nach dem Geschmack einer Katze, die sich gerade erleichtern will.“ Verständlicherweise sollten Futter- und Ruheplätze entsprechend weit voneinander entfernt, die Pinkelplätze aber auch nicht zu abgelegen sein.


Die Sache mit der Einstreu

Klump-, Hygiene- oder Silikatstreu, Streu aus Holzresten oder Granulate – es gibt eine Fülle an Sorten. „Samtpfoten bevorzugen weiches, lockeres Material“, so die Tierärztin. Prinzipiell sollte die Streu nicht pieksen, nicht an den Pfoten kleben bleiben und auch nicht z.B. nach Kiefernwald riechen. „Zum Austesten kann man mehrere Arten in verschiedene Behälter füllen“, rät Schroll. Am beliebtesten ist eher kleinkörnige Einstreu, die Klumpen bildet. Diese muss nicht täglich zur Gänze gewechselt werden, sollte aber keinesfalls über das WC oder die Biotonne, sondern immer mit dem Restmüll entsorgt werden.



Problem Unsauberkeit
Keine Katze macht nur aus Spaß oder Protest daneben. Unsauberkeit hat immer gute Gründe: Bevor man schimpft, sollte man beim Tierarzt Beschwerden wie Blasenentzündung und Harnkristalle ausschließen bzw. Veränderungen im Haushalt oder Tagesrhythmus analysieren. Tierärztin Schroll: „Falls Sie allein nicht weiterkommen, bitten Sie einen Katzenexperten um Hilfe. Oft reicht ein geschulter Blick oder die Schilderung der Situation, um das Problem zu identifizieren.“ Bestrafung ist der schlechteste Weg, das unerwünschte Verhalten loszuwerden: „Das führt oft nur dazu, dass Katzen vor ihrem Besitzer Angst bekommen und sich die Situation dadurch noch weiter verschlimmert.“


Buchtipp:
Sabine Schroll: Wenn Katzen Kummer machen; Cadmos Verlag, € 12,90

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