Montag, 26. Juni 2017

Jungbrunnen für den Hund

Ausgabe 02.2015

Werden unsere vierbeinigen Freunde älter, werden Hunde oft von starken Schmerzen gequält. Hier kann eine Physiotherapie wahre Wunder wirken. GESÜNDER LEBEN hat‘s getestet!


Foto: ©Kronen Zeitung - Reinhard Holl

Mensch und Hund sind gar nicht so verschieden, wenn es ums Älterwerden geht – irgendwann plagen uns alle ein paar Zipperlein. Bei unseren Vierbeinern kommt es ganz schleichend. Nach und nach hören sie auf, wild herumzutoben, der Ball wird plötzlich zu schnell für eine rasante Jagd, die Gassi-Runden werden kürzer und gemütlicher – und irgendwann plagt sich der Hund sogar schon beim Aufstehen. Der Bewegungsapparat ist einfach nicht mehr so geschmeidig wie in jungen Jahren. Was dem Hund Schmerzen bereitet, tut meist auch den Besitzern weh – denn wie kann man seinem treuen Begleiter wieder zu einem schmerzfreien Leben verhelfen, ohne gleich zu starken Entzündungshemmern greifen zu müssen?

Physiotherapie bringt’s! Bis vor kurzem gab es kaum Alternativen zu Spritzen und Tabletten. Doch seit wenigen Jahren gibt es immer mehr Experten, die sich auf Physiotherapie für Kleintiere spezialisiert haben. Wie zum Beispiel Karin Heidinger, in deren Praxis zahlreiche haarige Patienten humpeln – und fidel wieder herausspazieren. Der kleine Dackel-Terrier-Mischling Moritz kam mit 14 Jahren zum ersten Mal zu ihr: Schwere Arthrose in den Pfoten und an den Hüftgelenken plagten ihn da schon seit über einem Jahr, jede Bewegung war sichtbar mit Schmerz verbunden – und der daraus resultierende Bewegungsmangel hatte ihm eine ordentliche Fettschicht rund um die Rippen beschert. Das zusätzliche Gewicht erschwerte ihm das Leben im wahrsten Sinne des Wortes noch mehr. Ein Teufelskreis, aus dem es keinen Ausweg zu geben schien. Doch bei der Physiotherapeutin wurde er wieder „leicht“ wie in seiner Jugend – denn hier trainieren die Hunde auf einem Unterwasserlaufband. Wenn das Wasser der Schwerkraft trotzt, marschiert es sich gleich viel leichter. Die Kilos schmolzen, die Beweglichkeit kehrte zurück – und damit auch die Lebensfreude des kleinen Moritz. Zusätzlich zum „Sportprogramm“ wurden seine Verspannungen ausmassiert, die geschwächte Muskulatur mit Elektrotherapie stimuliert und die schmerzenden Knochen mit einem Infrarot-Lasergerät behandelt. Das Ergebnis war erstaunlich: Schon nach wenigen Behandlungen war Moritz um einiges agiler, die Kilos schmolzen dahin und pendelten sich bei einem für einen Senioren unbedenklichen Speckbäuchlein ein.

Nicht nur für ältere Hunde. „Physiotherapie ist nicht nur bei alten Hunden eine Hilfe, auch bei Hüftdysplasie, Kreuzbandrissen und Bandscheibenvorfällen kann sie eine gute Alternative sein, manchmal kann man dem Tier sogar eine Operation ersparen“, so Karin Heidinger. „Bei übergewichtigen Hunden ist das Unterwasserlaufband natürlich ebenfalls eine schonende Methode, um abzunehmen und die Fitness zu verbessern.“  Ihr Terminplan ist stets voll – die Nachfrage steigt stetig.  Zu ihren Patienten zählen mittlerweile nicht nur Hunde, sondern auch schon einige Katzen. „Mein erstaunlichster Fall war ein Berner Sennenhund, der nach einer Bandscheibenoperation an der Halswirbelsäule nicht einmal mehr seinen Kopf heben konnte. Zuerst habe ich ihn sehr viel massiert, auch an den Reflexzonen an den Ballen, dann mit Elektrotherapie behandelt – und schließlich konnte er aufs Laufband. Nach der Therapie hat man ihm fast nichts mehr angemerkt.“

Training unter Wasser. Auch an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien stellt man schon seit Jahren Hunde aufs Unterwasserlaufband, um ihnen wieder schonend auf die  „Beine zu helfen“.  „Die physikalischen Eigenschaften von Wasser können sehr effizient im Rahmen der Physiotherapie und Rehabilitation eingesetzt werden, sie ermöglichen aktive Muskelkontraktionen bei minimaler Belastung von Gelenken und Knochen“, erklärt Dr. Barbara Bockstahler vom Department für Kleintiere und Pferde, Kleintierchirurgie und der Ambulanz für Physikalische Medizin und Rehabilitation. „Die Vorteile der Unterwassertherapie sind u. a., dass nicht stehfähige Tiere im Wasser wieder stehen können, dass Hunde, deren Extremitäten aufgrund von Problemen in den distalen Gelenken nicht belastet werden dürfen, im Wasser gehen können und dass das Herz und die Skelettmuskulatur gekräftigt werden.“ Da das Skelett- und Muskelsystem des Vierbeiners, von geringen anatomischen Besonderheiten abgesehen, absolut identisch und mit dem des menschlichen Körpers zu vergleichen ist, sind auch die Behandlungsmethoden nicht anders als beim Menschen: Ob Laser, Ultraschall oder Elektrotherapie – alles basiert auf der humanen Physiotherapie. „Die meisten Geräte verbessern die Durchblutung, schwemmen Schlackenstoffe aus, wirken schmerzlindernd, öffnen die Zellen und bringen Sauerstoff und Nährstoffe in die Zellen“, erklärt Karin Heidinger.

Länger fit, länger gesund. Nicht nur für uns Menschen wird die medizinische Versorgung immer besser, auch für unsere Tiere. Und so steigt auch die Lebenserwartung unserer vierbeinigen Freunde –  und damit die längere Belastung für ihre Knochen. Daher sollte man rechtzeitig darauf achten, dass der Bewegungsapparat funktioniert, und nicht erst, wenn die Schmerzen der Tiere auch für uns deutlich sichtbar werden. Rechtzeitige Physiotherapie bei alten Hunden kann unnötige Schmerzen vermeiden. Moritz ist mittlerweile fast 16 – und noch immer jagt er fröhlich seinem Ball hinterher. Er erwischt ihn zwar nicht jedes Mal, aber er hat immer noch Spaß dabei.


Nähere Informationen unter www.kleintierphysio.at und www.vetmeduni.ac.at

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