Montag, 20. Mai 2019

Hundeerziehung – mit Freude & Verstand

Ausgabe 2013/10

Nicht nur wir Menschen, sondern auch unsere Hunde lernen fürs Leben – am besten in einer qualifizierten Hundeschule.


Foto: Can Stock Photo Inc. - lightpoet

Hundeschulen gibt es viele: Googelt man „Hundeschule Wien“, findet man nicht weniger als 209.000 Einträge. Zumindest in größeren Städten hat man als Hundefreund oft die Qual der Wahl: Wie finde ich unter den zahlreichen Angeboten die passende Hundeschule für mich und meinen Begleiter?

Unverbindliche Schnupperstunde. „Wir raten dazu, sich am Anfang die Zeit zu nehmen und sich nach Möglichkeit mehrere Hundeschulen anzusehen“, meint Leo Dekrout, Leiter der Hundeschule „Hundefragen“ in Wien-Donaustadt. „Wir bieten beispielsweise eine kostenlose Schnupperstunde an, in der geklärt werden kann, ob die angebotenen Kurse für Hund und Herrl oder Frauerl überhaupt geeignet sind und ob unsere Philosophie ihren Erwartungen entspricht.“ Bei der telefonischen Kontaktaufnahme werden schon die wichtigsten Punkte, etwaige Probleme und Vorstellungen besprochen, damit der erste Besuch im Trainingsareal eine positive Erfahrung für alle Beteiligten werden kann. Fühlt man sich wohl und gut aufgehoben, ist schon einmal ein wichtiges Kriterium erfüllt: „Ein guter Hundetrainer zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass er sowohl auf die individuellen Bedürfnisse des Hundes als auch auf die seines zweibeinigen Begleiters eingehen kann“, betont Dekrout. Ein Vergleich mit „Menschenschulen“ ist durchaus angebracht. In einer Atmosphäre, in der Fehler, ein eigenes Lerntempo und auch kritische Fragen erlaubt sind, bringt das Lernen für alle Seiten sichtlich mehr Spaß: „Uns ist es wichtig, dass die Hundebesitzer ihren Liebling verstehen lernen und beide so zu einem guten Team werden, das sich auch außerhalb der Hundeschule gut zurechtfindet.“

Wie gut ist meine Hundeschule?

Österreich hat in Bezug auf Hundeschulen noch Aufholbedarf. Sehr oft wird noch mit Druck und Stress gearbeitet. Hier eine Checkliste, die dabei hilft, eine gute Hundeschule zu finden:

  • Der Unterricht erfolgt mit positiver Verstärkung (z. B. Leckerlis), es herrscht generell eine freundliche Atmosphäre.
  • Würgeketten, Zughalsbänder, Leinenruck oder Kommandogebrüll sind nicht geduldet.
  • Es wird in kleinen Gruppen gelernt – maximal fünf Hunde pro Trainer.
  • Alle Übungen werden schrittweise erklärt und angeleitet, Fragen werden beantwortet.
  • Die Trainer respektieren, dass Hunde und Menschen Individuen sind, erkennen Überforderung einzelner Hunde oder Menschen und reagieren darauf.
  • Es wird großer Wert auf Kommunikation mittels Körpersprache gelegt.
  • Ein versierter Hundetrainer gibt Wissen zu Entwicklungsstufen, Lernverhalten und Kommunikationsweisen des Tieres weiter.

Was steht auf dem Stundenplan? Damit individuell auf Hund und Mensch eingegangen werden kann, sollte der Gruppenunterricht keine Massenabfertigung sein. „Wir beschränken uns auf sechs Hunde pro Gruppe, wobei immer zwei Trainer anwesend sind“, meint Florin Hirnschall, die in der Hundeschule „Hundefragen“ auch Spezialkurse zu den Themen „Nasenarbeit“ und „Jagdtrieb“ anbietet. Auf jeden Fall sollte mit der „Hundeerziehung“ so früh wie möglich begonnen werden, rät die Expertin: „Regeln sind eine wichtige Orientierung für den Hund und helfen ihm, sich in seiner Umgebung wohlzufühlen.“ Hirnschall empfiehlt, sobald wie möglich nach der Aufnahme eines vierbeinigen Mitbewohners mit einem Kurs zu beginnen. Eine gute Hundeschule bietet meist neben Welpen-, Junghunde- und Basiskursen auch Einzelstunden bei speziellen Problemen sowie Trainings für Alltagssituationen außerhalb der Hundeschule an. „Manche Hundehalter tun sich einfach schwer, das Gelernte im Alltag umzusetzen, andere fühlen sich in der Gruppe gestresst.“ Für sie sind Einzelcoachings zumindest am Anfang der bessere Einstieg. „Ein Hund braucht eine entspannte Umgebung und gute Stimmung, um motiviert lernen zu können. So erlangt er Vertrauen zu seinem Menschen und die notwendige Sicherheit im Zusammenleben und im Training.“

Bestätigung statt Strafe. Auch für Problemfälle sollte der Hundetrainer des Vertrauens ein offenes Ohr haben. Leo Dekrout: „Es gibt Hundebesitzer, die trauen sich nur noch um fünf Uhr früh zum Gassigehen auf die Straße, weil ihr Vierbeiner jeden anderen Hund anbellt. Gerade hier kann man mit individuellem Training für Hund und Herrchen gute Erfolge erzielen.“ Was jedoch die Profis von „Hundefragen“ und viele andere Hundetrainer kategorisch ablehnen, sind vermeintliche Hilfsmittel wie Stachelhalsbänder, Leinenruck oder gar Schläge. Ganz im Gegenteil: „Verbale oder körperliche Züchtigung oder Drohungen sind in der modernen Hundeerziehung obsolet. Hunde lernen sehr viel schneller, wenn erwünschtes Verhalten positiv bestärkt wird.“ Dabei kommen gezielt Leckerlis, Stimme und Zuwendung zum Einsatz. „Man sollte auf sein Bauchgefühl hören und sich keinesfalls zu einem groben Umgang mit seinem Hund überreden lassen, selbst wenn der Trainer dies als absolut notwendig erachtet“, so Dekrout. „Auch als Hundehalter kann man erwarten, mit Respekt behandelt zu werden. Anschnauzen oder gar Beschimpfungen sollte man nicht tolerieren.“

Hund als Stimmungsbarometer. Letztendlich zeigt der eigene Vierbeiner am besten an, ob der Unterricht in der Hundeschule stimmig ist. Geht er begeistert hin und freut sich sichtlich über die regelmäßige Einheit mit Gleichgesinnten? Oder reagiert er eher gestresst? Und was tun, wenn man in seinem Heimatort keine Auswahl an mehreren Hundetrainingsmöglichkeiten hat wie in einer größeren Stadt? „Ich kann aus eigener Erfahrung empfehlen, sich die Zeit zu nehmen und zum Beispiel am Wochenende Seminare mit dem Hund zu besuchen, auch wenn sie weiter weg stattfinden“, meint Florin Hirnschall. Oder man sucht sich gleichgesinnte Hundefreunde, um einen Kurs im Ort zu organisieren. „Wenn es dann so weit ist: Freuen Sie sich über kleine Fortschritte, seien Sie stolz auf sich und Ihren Hund, und zeigen Sie ihm das auch!“

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