Freitag, 18. August 2017

Hilfe, mein Liebling ist zu dick!

Ausgabe 04.2015
Seite 1 von 2

tierImmer mehr Katzen und Hunde leiden an Übergewicht. Dies ist kein Schönheitsfehler, sondern kann zu ernsthaften Erkrankungen führen. Wir verraten Ihnen, wie Ihr Liebling wieder fit wird.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - OlgaLIS

Übergewicht ist nicht nur bei uns Menschen ein ständig wachsendes Problem, auch immer mehr Haustiere tragen zu viel Speck auf den Rippen. „Mindestens ein Drittel unserer Hunde und Katzen sind zu dick“, warnt Dr. Stefanie Handl, Fachtierärztin für Ernährung und Diätetik (www.futterambulanz.at). „Die Zahl der übergewichtigen Tiere ist jenen von übergewichtigen Menschen sehr ähnlich.“

Zu viel des Guten. Der Hauptgrund für Übergewicht ist – wieder wie bei uns Zweibeinern – ein deutliches Zuviel an Futteraufnahme. „Übergewicht entsteht, wenn der Organismus mehr Energie zu sich nimmt, als er verbraucht“, erklärt Handl. Bewegt sich das Tier zusätzlich noch zu wenig, ist es nur eine Frage der – kurzen! – Zeit, bis sich Übergewicht oder gar Adipositas, also Fettleibigkeit, einstellt. „Das Hauptproblem liegt aber meistens bei den Leckerlis, die über den Tag verteilt von mehreren Familienmitgliedern gefüttert werden“, kritisiert Handl. „Es ist nicht selten, dass die Besitzer gar keinen Überblick mehr über die Futtermenge ihres Haustieres haben.“ Auch eine Kastration führt sowohl bei Hunden als auch bei Katzen zu einem veränderten Stoffwechsel und einem reduzierten Energiebedarf. Gleicht man die Futtermenge diesem neuen Bedarf nicht an, kommt es zu einem Energieüberschuss. Auch im Alter verändern sich Energie- und Nährstoffbedarf der Tiere, weshalb die Expertin zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen rät, um Gewichtsveränderungen frühzeitig feststellen und ihnen entgegenwirken zu können. Bevor man das „Projekt abnehmen“ startet, ist es zudem wichtig, mögliche körperliche Erkrankungen auszuschließen. „So kann zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion zu Übergewicht führen.“

Streicheltest. Sowohl bei Hunden als auch bei Katzen gilt eine Erhöhung des (normalen) Körpergewichts um 10 Prozent als beginnendes Übergewicht, ab 20 Prozent spricht man von einer vorliegenden Adipositas. Wie aber kann ich selbst überprüfen, ob mein Liebling zu viel Fett mit sich herumträgt? „Wenn vor allem Katzen übergewichtig aussehen, dann sind sie es auch“, stellt Handl klar. Als etabliert gilt der „Streicheltest“: Spürt man beim Streicheln die Rippen, Beckenknochen und Wirbelsäule, ist das Gewicht ideal. „Normalgewichtige Tiere weisen zudem eine Taille, also einen leicht hochgezogenen bzw. „geraden“ Bauch, auf.“ Handl betont aber, dass man nicht darauf warten sollte, bis das Übergewicht bereits deutlich sichtbar ist: „Kontrollieren Sie in regelmäßigen Abständen das Gewicht Ihres Tieres!“

Ernsthafte Folgen. Auch wenn viele Besitzer Übergewicht bei ihren Haustieren immer noch als harmlosen Schönheitsfehler abtun, kann ein Zuviel an Gewicht ernst zu nehmende Folgen haben. „Sehr häufig sind Gelenkschäden“, erklärt Handl. „Nicht nur weil sie zusätzliche Kilos tragen müssen, sondern da Adipositas ein nachgewiesener Entzündungszustand ist, der bereits bestehende Entzündungen im Körper fördert.“ Das Risiko für Herzund Kreislauferkrankungen ist ebenso erhöht wie jenes von diversen Stoffwechselerkrankungen. Da sich zu dicke Tiere meist nicht mehr gründlich reinigen können, kommt es immer wieder zu Hauterkrankungen. Übergewicht ist bei Katzen zudem die häufigste Ursache für Diabetes mellitus. Die Expertin: „Übergewicht vermindert ganz klar die Lebensqualität der Tiere. Sie werden träge, aggressiv und ängstlich.“ Nicht zu vergessen: Auch das Narkoserisiko steigt bei dicken Tieren signifikant.

Leckerlis sind erlaubt. „Das Wichtigste ist, wieder ein Gespür dafür zu bekommen, wie viel Futter mein Tier tatsächlich braucht!“, so Handl. Als erster Schritt kann helfen, sich genau aufzuschreiben, wie viel Futter das Tier am Tag tatsächlich (!) bekommt. Zu empfehlen ist die Hilfe eins Experten (in den meisten Fällen der Tierarzt), der gemeinsam mit den Besitzern einen auf das Tier zugeschnittenen Diätplan erstellt. Handl rät, zu Diätfutter zu greifen: So ist es möglich, nach wie  vor die gewohnte Menge an Futter zu verabreichen, aber trotzdem den Kaloriengehalt zu verringern. Zudem erhält das Tier weiterhin seine lebensnotwendigen Nährstoffe. „Der Druck des Reduzierens ist somit nicht ganz so drastisch.“ Apropos: Entscheidend ist, dass das Tier langsam und kontinuierlich abnimmt, da eine abrupte Diät schwere Organschäden verursachen kann! Es ist nicht nötig, betont Handl, vollkommen auf Leckerlis zu verzichten: „Ich rate zu einer kleinen, genau festgelegten Tagesration, die nicht überschritten werden darf.“ Natürlich darf das Futter nicht frei zugänglich sein, zudem ist es gesünder, dem Tier mehrere kleine Portionen als wenige große zu verabreichen. „Vor allem Hunde haben kein Sättigungsgefühl und neigen dazu, sich zu überfressen.“ Greifen Sie doch mal zu gesunden Leckerlis, wie zum Beispiel Äpfeln, Karotten, magerem Schinken, Magerkäse, gekochten Nudeln, Reiswaffeln oder Hirsebällchen. Aber nicht nur das, betont Handl: „Spielen Sie mit Ihrem Tier, anstatt ihm ein Leckerli zu geben – das ist für die Katze und den Hund eine gleichwertige Belohnung!“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Hilfe, mein Liebling ist zu dick!
Seite 2 Kochen Sie selbst

Unser E-Paper

cover 2017-07-08 130x173

Heft 07-08/2017

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. September

Aktuelle Online Umfrage

Immer mehr Studien deuten auf einen Zusammenhang von Psyche und Darmgesundheit hin. Ihre Erfahrung?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information

SERVICE