Montag, 18. Dezember 2017

Haustiere auf Rezept

Ausgabe 2017.03
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Immer öfter bewähren sich Tiere als perfekte Therapeuten: Zahlreiche Studien belegen die positiven Effekte der vierbeinigen Freunde für unsere Gesundheit.


Foto: © Can Stock Photo - halfpoint

Es gibt viele Tage, da kann man sich kaum etwas Schöneres vorstellen, als gemeinsam mit dem Hund durch Wald und Wiesen zu streifen. Aber da sind auch Tage, an denen es regnet, kalt ist und der Schreibtisch überquillt. Tage, an denen man nur zu gerne zu Hause bleiben würde – wäre da nicht das bettelnde Hundeaugenpaar, das erwartungsvoll schaut und eindeutig sagt: „Ich möchte raus, mir ist nach Bewegung."

Hunde als „Personal Trainer“. Was manchmal als lästig empfunden wird, ist laut Studien für uns Zweibeiner ein wahrer Glücksfall. Nicht nur dass das Immunsystem gestärkt wird. Haustiere können tatsächlich helfen, Risikofaktoren wie Übergewicht, hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck und Stressreaktionen zu reduzieren und so auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Das bestätigt auch ein internationales Medizinerteam der American Heart Association (AHA), das die Effekte auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit bei Tierliebhabern untersucht hat. Dabei wurde ausgewertet, welche Faktoren der Haustierhaltung den größten Einfluss auf die Gesundheit haben. Das Fazit der Forscher: Insbesondere die regelmäßige körperliche Aktivität durch die täglichen Spaziergänge mit Hunden fördert die Gesundheit merklich. Das verwundert wenig: Risikofaktor Nummer eins vieler Krankheiten ist nun einmal Bewegungsmangel. Ein flotter Spaziergang in frischer Luft schenkt also nicht nur neue Energie, sondern kann auch das Leben verlängern.

Tiere helfen bei psychischen Störungen

Die tiergestützte Intervention kann in vielen Krisensituationen unterstützen.

Bei der tiergestützten Intervention (TGI) werden nicht nur Hunde oder Katzen „gestreichelt“. Auch Kleintiere, wie Mäuse, Kaninchen, Meerschweinchen, Schildkröten oder Vögel, und sogar große Nutztiere, wie z. B. Rinder, Schafe, Schweine, Esel oder Lamas, erweisen sich als sensible Kumpanen. „Durch optimale Haltung, respektvollen Umgang und fachgerechtes Training können auch diese Tiere vertrauensvoll auf den Menschen zugehen und ihre Aufgabe als TGI-Tier erfüllen“, erklärt Silke Scholl vom Österreichischen Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung (ÖKL). Sie betreut mit ihrem Team 44 zertifizierte landwirtschaftliche Betriebe. Diese Art der tiergestützten Intervention bewährt sich bei Kindern mit Lernschwierigkeiten und sozialen Problemen, verhaltensauffälligen Kindern bzw. Jugendlichen, Menschen mit psychischen Störungen und psychosomatischen Erkrankungen und auch bei Senioren, erzählt Scholl: „Die Tiere helfen dabei, wieder auf eigene Fähigkeiten zu vertrauen, ruhig zu werden und Kraft zu schöpfen. Spielerisch werden Körperfunktionen mobilisiert und auch Aggressionen auf positive Weise abgebaut.“

Der nächste Zertifikatslehrgang „Tiergestützte Intervention am Bauernhof“ beginnt am 19. April 2017.
www.bauernhof-therapietiere.at
www.oekl-tgi.at

Mehr über tiergestütztn Therapie sowie Ausbildungen von Mensch und Tier erfahren Sie hier:
Esperanza: Österreichs erstes Zentrum für tierunterstützte Pädagogik in der Kinder- und Jugendhilfe, www.esperanza.at
Verein Tiere als Therapie (TAT): Bietet u. a. auch einen Diplomlehrgang für tiergestützte Therapie mit eigenem Hund als Therapiebegleithund, www.tierealstherapie.org
Pferde als Therapeuten: www.pferd-emotion.at; www.sterntalerhof.at; www.therapeutische-begleiter.at, www.schottenhof.at

Haustiere erleichtern das Sozialleben. Eine weitere Untersuchung zeigt, dass die Zahl der Arztbesuche bei Menschen mit Haustieren um 18,5 Prozent niedriger liegt als bei Personen ohne tierische Mitbewohner. Durch den Kontakt mit Haustieren fallen nicht nur weniger Arztbesuche an, auch der Medikamentenverbrauch nimmt ab. Hier dürften auch die emotionale Bindung an das Tier und die soziale Unterstützung, die es Herrchen oder Frauchen gewährt, eine Rolle spielen. Das bestätigt auch Coach und Lebensberaterin Catherine Reichel aus ihrer Praxis: „Vierbeiner schenken durch ihre Zuneigung Glück und Geborgenheit – das wirkt deutlich entspannend und hellt die Stimmung auf. So gesehen ist ein Hund ein wahrer Motivator.“ Reichel, selbst stolze Besitzerin eines treuen Begleiters auf vier Pfoten, betreut daher auch Mensch-Hund-Teams für eine bessere Verständigung im Alltag. „Ich kenne einige Fälle, wo der Hund zum sozialen Bindeglied geworden ist. Weil ihre Tiere von Natur aus kommunikativ sind, reden Herrchen und Frauchen mehr mit anderen Gleichgesinnten. Das tut besonders alleinstehenden Menschen gut, die sonst sehr leicht vereinsamen.“ Tiere sorgen immer für Gesprächsstoff. Hundebesitzer treffen einander beim Spaziergang und schließen schnell Kontakt. Nicht selten entwickeln sich auch in einer Hundeschule Freundschaften fürs Leben – zwischen den Fellnasen und auch den Zweibeinern am anderen Ende der Leine.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Haustiere auf Rezept
Seite 2 Schnurrende Krisenhelfer

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