Dienstag, 17. September 2019

Gesund bis ins hohe Alter

Ausgabe 09/2009
Der Spruch „Wer rastet, der rostet“ gilt auch für unsere Haustiere. Bei guter Pflege bleiben Hunde- und Katzensenioren länger fit.

Fotos: Mike Neale - Fotolia.com
Als ältester Hund der Welt schaffte es ein australischer Cattle Dog namens „Blue“ in das Guinness Buch der Rekorde: Er beschützte sein Herrchen 29 Jahre lang. Die älteste Katze auf Erden lebte in England und wechselte angeblich erst mit beachtlichen 34 Lenzen in den Katzenhimmel. Doch auch wenn Ihr Vierbeiner vielleicht kein Methusalem wird, kann er unter optimalen Bedingungen ein hohes Alter erreichen und seine „Pension“ rundum genießen. Als Faustregel gilt, dass kleine Hunde ab dem zehnten Lebensjahr, mittlere und große Rassen ab dem achten Lebensjahr, sehr große Hunde ab dem sechsten Lebensjahr und Katzen ab dem zehnten Lebensjahr als Senioren einzustufen sind.

Steigende Lebenserwartung
Die erfreuliche Nachricht: Zwischen 1982 bis 1996 stieg die statistische Lebenserwartung von Hunden von 9,5 auf immerhin 11,6 Jahre. Seither dürften noch ein paar Monate dazugekommen sein. „Damit nimmt aber auch die Anzahl an möglichen Zipperleins zu“, erklärt Dr. Michael Stremnitzer. „Deshalb ist auch die jährliche Vorsorgeuntersuchung mit einer gleichzeitigen Auffrischung der Impfungen so wichtig.“ Der Wiener Tierarzt weiß, dass graue Haare rund um Augen und Schnauze nur die offensichtlichste Alterserscheinung bei bellenden Gefährten sind. Unter anderem lassen Sehkraft, Gehör, Geruchs- und Geschmackssinn merklich nach. „Dazu kommen Kälteempfindlichkeit und eine verringerte Fähigkeit zum Temperaturausgleich bei Hitze“, so Stremnitzer.

Der Darm reagiert empfindlicher auf Futterumstellungen, wodurch gleich bleibende Mahlzeiten und Fütterungsrituale wichtiger werden. Verstopfung tritt durch die nachlassende Aktivität relativ häufig auf. Stremnitzer: „Auch hier kann eine leicht verdauliche Seniorennahrung gröberen Beschwerden vorbeugen.“ Um Übergewicht zu verhindern, sollte die Futtermenge bei älteren Hunden um zirka zehn bis 20 Prozent verringert werden, dafür können mehr Ballaststoffe wie z.B. Weizenkleie ergänzt werden.

Zähne, Herz & Gelenke
Zahnstein ist mehr als ein Schönheitsfehler. Trockenfutter und spezielle Kauknochen in Verbindung mit täglicher „Maulhygiene“ mithilfe von Hundezahnbürsten sorgen dafür, dass Hundesenioren auch weiterhin kräftig zubeißen können. Kurzatmigkeit und Husten können Anzeichen einer Herzschwäche sein, die mittels EKG, Labor-, Röntgen- oder auch Ultraschalluntersuchungen diagnostiziert wird. In diesem Fall greift der Veterinärmediziner zu ähnlichen Medikamenten wie beim herzkranken Menschen.

Und genauso wie beim Menschen kommen mit den Jahren auch Gelenksprobleme. Stremnitzer: „Vor allem Rassehunde leiden häufig an Gelenksabnützungen. Anfangs kann mäßige Bewegung die Beschwerden lindern.“ Futter mit knorpelaufbauenden Substanzen und entzündungshemmende Tabletten sorgen dann bis ins hohe Alter für Lebensqualität.

Ein betagter Hund ändert zudem sein Verhalten, er wird gelassener und bisweilen auch weniger gelehrig, das Ruhebedürfnis nimmt zu. Mögliche Hyperaggressivität kann der Tierarzt mit Medikamenten behandeln.

Pflegebedürftige Samtpfoten
Auch wenn eine Katze angeblich mehrere Leben hat: Ältere Semester benötigen neben vermehrter Zuwendung eine spezielle Altersvorsorge. Spezialist Stremnitzer erklärt, worauf bei Samtpfoten besonders zu achten ist: „Bei Senioren wird das Haarkleid schütterer, das Fell kann stumpf erscheinen.“ Durch die abnehmende Gelenkigkeit leidet bisweilen die katzentypische Fellpflege, vor allem auf dem Rücken: „Regelmäßige Schönheitsrituale mit Bürste oder Kamm bedeuten für Ihre Katze nicht nur eine Erleichterung, sondern auch eine vermehrte Zuwendung.“ Neben diesen natürlichen Alterserscheinungen steigt aber auch das Risiko von Hauttumoren. Stremnitzer: „Achten Sie daher bei der Pflege von Haut und Fell auf verdächtige Umfangsvermehrungen wie Knoten und Verhärtungen.“

Altersschwache Zähne
Wie ihre bellenden Kollegen neigen betagte Miezen vermehrt zu Zahnbelag. „Da sich Katzen von ihren Besitzern nicht gerne inspizieren lassen, weisen Anzeichen wie starker Geruch aus dem Maul, Zurückzucken beim Trinken von kaltem Wasser, Probleme beim Fressen bis hin zur Futterverweigerung, einseitiges Kauen oder bevorzugtes Fressen von Feuchtnahrung auf schmerzhafte Zahnprobleme hin“, erklärt der Tierarzt. Zahnstein muss unter schonender Narkose mittels Ultraschall entfernt werden: „Sonst besteht – wie auch beim Menschen – die Gefahr, dass Bakterien über die entzündlichen Stellen in den Blutkreislauf gelangen und innere Organe wie das Herz oder die Nieren angreifen.“ Die beste Vorbeugung: spezielles schmackhaftes Trockenfutter, das durch vermehrtes Kauen die Zahnsteinbildung minimiert. Ein häufiges Problem ist bei Katzen die mit den Jahren abnehmende Nierenfunktion. Stremnitzer: „Anzeichen dafür sind unter anderem vermehrtes Trinken und Harnlassen, Appetitmangel sowie Durchfall oder Erbrechen.“ Regelmäßige Gesundheitschecks mit Laboruntersuchungen können körperliche Altersprobleme rechtzeitig aufspüren und damit eine gezielte Behandlung ermöglichen.

Ausgedehnte Ruhezeiten
Eine Katze verbringt den überwiegenden Teil des Tages mit Schlafen und Dösen. Je älter die Katze wird, desto länger werden diese Ruhephasen, die aktiven Spielzeiten nehmen ab. Im Alter ergreifen Katzen zumeist seltener die Initiative zum gemeinsamen Spiel. Der Tipp von Tierarzt Stremnitzer: „Fordern Sie Ihre Katze daher öfter zum Spielen auf, so bleibt sie länger fit und aktiv.“ Gut möglich, dass sich beim schnurrenden Pensionisten Gelenkabnützungen eingeschlichen haben. Kletterhilfen wie eine Leiter oder ein Hocker erleichtern das Erklimmen von schwerer erreichbaren Lieblingsplätzen.

Graf, Tieralter, MenschalterFoto: GB - fotolia.com

Internet-Tipp:
Eine ausführlichere Tabelle „Wie alt ist mein Haustier im Vergleich zum Menschen?“ finden Sie auf www.tierklinik.de (unter Medizin/Geriatrie).


Wussten Sie, dass ...
  • ... Hunde mit Übergewicht eine geringere Lebenserwartung haben als schlanke Hunde?
  • ... kleine Hunde im Allgemeinen älter werden als große Hunde?
  • ... Mischlinge im Vergleich zu Rassehunden gleicher Größe eine höhere Lebenserwartung haben?
  • ... die Lebenserwartung bei Rüden und Hündinnen einer Rasse gleich hoch ist?
  • ... kastrierte Hunde durchschnittlich ein Jahr älter werden als unkastrierte Tiere gleicher Rasse?
  • ... Hunde, die in ländlicher Umgebung gehalten werden, eine höhere Lebenserwartung haben als Hunde, die in der Stadt leben?

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information