Montag, 23. September 2019

Familienplanung für Samtpfoten

Ausgabe 12/2009-01/2010
Die Kastration ist ein Routineeingriff – sie erleichtert nicht nur das Zusammenleben mit Ihrer Katze oder Ihrem Kater, sondern bringt auch erhebliche gesundheitliche Vorteile.

Foto: Steve Mann - fotolia.com
Das Thema Kastration ist nach wie vor stark emotional geprägt, und viele Tierbesitzer befürchten negative Auswirkungen“, erklärt Mag. Irene Krammer, Tierärztin im Tierambulatorium Mannswörth bei Wien. „Tatsache ist aber, dass die Operation der Gesundheit des Tieres zugute kommt und daher im Interesse Ihres Lieblings überlegt werden sollte.“

Die Nöte der Pubertät
Besitzer von jungen Katzen werden relativ früh mit überzeugenden Argumenten für eine Kastration konfrontiert, denn Samtpfoten werden etwa mit sechs bis acht Monaten geschlechtsreif. Krammer: „Pubertierende Kater sorgen in der Wohnung für erhebliche Geruchsbelästigung, da sie sich mit einem intensiv duftenden Harn und verstärktem Markieren bemerkbar machen und auch vor teuren Teppichen und Möbeln nicht Halt machen. Aber auch manche weiblichen Tiere markieren mit großem Eifer ihr Revier.“ Kätzinnen zeigen zudem ihren Zustand mit auffälligem Verhalten an: „Sie rennen während der Rolligkeit schreiend mit steil aufgestelltem Schwanz herum, strecken ihr Hinterteil in die Höhe und rollen sich am Boden umher.“ In beiden Fällen heißt es: Möglichst bald zum Tierarzt!

Kastration oder Sterilisation?
Bei der Kastration werden die Hormondrüsen (Hoden bzw. Eierstöcke) unter Vollnarkose entfernt – also die Eierstöcke bei den weiblichen und die Hoden bei den männlichen Tieren. Die weitere Produktion von Geschlechtshormonen und das Sexualverhalten werden somit komplett ausgeschaltet.

Häufig wird allerdings der Begriff der „Sterilisation“ fälschlicherweise für die Kastration der Katze verwendet. Bei der Sterilisation werden jedoch die Eileiter bzw. die Samenleiter nur abgebunden, wodurch eine Fortpflanzung zwar unmöglich gemacht wird, aber bei Katzen die unangenehmen Erscheinungen der Rolligkeit und bei Katern das hormongesteuerte Territorialverhalten erhalten bleibt. Krammer: „Daraus ergibt sich, dass in der Tiermedizin sowohl männliche als auch weibliche Tiere kastriert werden.“

Kastrierte Katzen leben länger
Für eine Kastration sprechen viele Vorteile, die auch eingefleischte Katzenfreunde überzeugen sollten:
  • Leben mit weniger Stress: Eine unkastrierte weibliche Katze wird immer wieder rollig – auch wenn sie nicht ins Freie kommt. Wird sie nicht gedeckt, kann es sogar zur sogenannten „Dauerrolligkeit“ kommen. Krammer: „In diesem Zustand verweigern die Kätzinnen vor lauter Stress oft ihr Futter und sind sehr unruhig und nervös, da sie dringend einen Partner suchen.“ Auch Ihr unkastrierter Kater ist viel unruhiger und anderen Katzen gegenüber deutlich aggressiver. Dabei steigt die Verletzungsgefahr bei Kämpfen, da die Verteidigung des eigenen Reviers zentrales Thema des Katzenalltags ist. Durch die Kastration verhindert man diesen Stress, und kastrierte Tiere gehen wesentlich sorgenfreier durchs Leben.
  • Mehr Häuslichkeit: Ihr vierbeiniger Freund wird viel häuslicher, denn kastrierte Tiere streunen weniger. Sie sind nicht mehr ständig auf der Suche nach einem geeigneten Fortpflanzungspartner und bleiben mehr in der Nähe ihres Zuhauses.
  • Plus für die Gesundheit: Durch die Entfernung der Hormondrüsen werden unangenehme oder sogar schwerwiegende Erkrankungen verhindert bzw. das Risiko, daran zu erkranken, vermindert (z.B. Brusttumore, Gebärmutterentzündungen, Hodentumore, ...). Untersuchungen haben ergeben, dass kastrierte Tiere im Vergleich zu unkastrierten doppelt so alt werden können!
  • Aktiver Tierschutz: Ein Katzenwurf besteht im Durchschnitt aus vier Kindern. Bedenken Sie, dass Sie als Tierbesitzer sich auch um diese Tiere kümmern müssen und auch diese wieder geschlechtsreif und fortpflanzungsfähig werden. Ohne Kastration vermehren sich die Katzen ständig weiter, und rechnerisch kann ein Katzenpaar innerhalb von fünf Jahren etwa 13.000 Nachkommen zeugen!

Der richtige Zeitpunkt
Katzen werden zwischen dem sechsten und zehnten Lebensmonat geschlechtsreif. Krammer: „Bei reinen Wohnungskatzen kann man diesen Zeitpunkt abwarten, da eine ungewollte Trächtigkeit nicht möglich ist. Trotzdem sollte man die Tiere dem unnötigen Hormonstress nicht zu lange aussetzen.“ Bei Tieren, die ins Freie dürfen, ist es besser, nicht so lange zu warten. Gerade bei weiblichen Katzen sollte man lieber früher als später operieren, da die Anzeichen der ersten Rolligkeit manchmal übersehen werden und die oft noch sehr jungen Tiere dann plötzlich trächtig von ihren Streifzügen nach Hause kommen.

Nach der Operation
Am Tag der Kastration brauchen die Tiere strenge Ruhe und Wärme. Das heißt, dass auch Freigänger zu Hause bleiben müssen. Tierärztin Krammer: „Richten Sie Ihrem operierten Liebling ein gemütliches Plätzchen her, wo er in aller Ruhe ausschlafen kann. Sie werden sehen, am nächsten Tag geht es Ihrem vierbeinigen Freund schon viel besser, und die Strapazen vom Vortag sind fast vergessen!“

Da eine Kastration die weitere Produktion von Sexualhormonen verhindert, beeinflusst der Eingriff auch den Stoffwechsel, erklärt Krammer: „Durch die hormonelle Umstellung bekommen Katzen meist mehr Appetit als vorher. Doch mit gezielter Fütterung – z.B. mit Light– Produkten – und viel Bewegung ist das Problem gut in den Griff zu bekommen. Spielen Sie mit Ihrer Wohnungskatze!“ Der abschließende Rat von Tierärztin Krammer: „Lassen Sie sich am besten gleich bei den ersten Impfterminen in der Ordination umfassend über Vor- und Nachteile einer Kastration Ihres Schützlings informieren.“

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