Freitag, 13. Dezember 2019

Erste Hilfe für Bello - Teil 1

Ausgabe 03/2010
Gerüstet für den Notfall – Teil 1: Bisswunde, Unfall oder Kreislaufversagen: So erkennen Sie, ob Ihr Hund ernsthaft krank ist, und können Ihrem Liebling beistehen.

Foto: istockphoto.com
Auch wenn lebensgefährliche Situationen Gott sei Dank nicht zum Alltag des Hundehalters zählen: Herrchen und Frauchen sollten halbwegs fit in Erster Hilfe sein, um dem geliebten Vierbeiner im Ernstfall schnell wieder auf die Pfoten zu helfen. Als ersten Schritt in Richtung „Hundesanitäter“ sollte man sich mit den Utensilien der Hunde-Apotheke so gut wie möglich vertraut machen: „Üben Sie in ruhe und ohne Zeitdruck den Umgang mit der Zeckenzange ebenso wie das Anlegen von Verbänden“, rät Tierärztin Dr. Gabriele Razek aus Kaltenleutgeben. Denn etwas Routine in der Erstversorgung verleiht im Notfall die nötige ruhe und Gelassenheit. Wer sich professionell „weiterbilden“ möchte, kann auch einen Kurs in Erster Hilfe für Haustiere belegen, der u. a. von Hundesportvereinen und Tierärzten angeboten wird. Doch mit vier entscheidenden Maßnahmen können sich beherzte Tierfreunde gleich vertraut machen:

1 Beruhigen & Schlimmeres verhindern
Natürlich wissen Sie, dass ein Hund nur dann frei laufen sollte, wenn er die Grundlagen des Gehorsams beherrscht und sich nicht gerade am Rand einer stark befahrenen Hauptstraße befindet. Trotzdem: Ein Hund wäre kein Hund, wenn er immer genau das tun würde, was wir von ihm erwarten.

Auch eine Rauferei unter Artgenossen kann schnell passieren. Wer sich in diesem Fall richtig verhält, kann weitere Verletzungen vermeiden, betont Tierärztin Razek: „Nicht selten stehen Hunde nach einem Zwischenfall unter Schock oder haben starke Schmerzen und beißen unerwartet zu.“ Daher gilt: ruhig auf den Hund einreden, sanft berühren, keinesfalls aufmunternd klopfen! Razek: „Läuft der Hund verstört umher, sollten Sie ihn auf engem Raum in der Bewegung einschränken, am besten anleinen und Maulkorb anlegen. Falls dieser nicht zur Hand ist, den Fang mit einem breitem Band zubinden, um den Hund genauer untersuchen zu können.“ Kann sich das Tier nicht bewegen, lagern sie es in rechter Seitenlage auf einer Jacke oder Decke und decken es damit zu. „Falls zur Hand können Sie als Sofortmaßnahme Bachblüten-Notfalltropfen auf die Maulschleimhaut träufeln“, ergänzt die Veterinärin.

2 Die Atemwege frei machen
Falls der verunfallte Vierbeiner selbst atmet, jedoch extreme Mühe beim Luftholen zeigt, sollte grundsätzlich versucht werden, das Tier so rasch wie möglich unter Vermeidung jeglicher Aufregung in eine Klinik zu transportieren. Wie beim verletzten Menschen gilt auch hier: Nur wenn die Atemwege frei sind, kann Sauerstoff in die Lungen gelangen. Tipp der Expertin: „Versuchen Sie, die Maulöffnung zu inspizieren und Erbrochenes, Blut oder Fremdkörper aus dem Fang zu entfernen.“

Wenn keine Atmung feststellbar ist,  kann ein Vierbeiner auch beherzt von Mund zu Nase beatmet werden. Razek erklärt, wie man dabei vorgehen muss: „Dazu wird das Maul des Hundes geschlossen und schnell fünf bis sechsmal Luft in die Nase geblasen.“ Dabei sollten Sie auf den Brustkorb achten: Bewegt er sich, ist die Luft bis in die Lunge gekommen. Bleibt die selbstständige Atmung danach aus, appelliert die Tierärztin, es weiter zu versuchen: „Alle drei Sekunden weiterbeatmen, das sind rund 20 Atemstöße in der Minute“.

3 Macht der Kreislauf schlapp?
Die Überprüfung von wichtigen Parametern für den funktionierenden Blutkreislauf können und sollten Sie an ihrem treuen Begleiter immer wieder zwischendurch üben. Durch die Kontrolle des Pulses, der Herzfrequenz und der Durchblutung der Maulschleimhaut können Sie beurteilen, ob die Versorgung der Körperzellen mit Sauerstoff funktioniert. oder ob sich der Hund nach einem Unfall in einem körperlichen Schockzustand befindet, was z.B. durch innere Blutungen ausgelöst werden kann.

Tierärztin Razek sagt, wie‘s funktioniert: „Der Puls wird beim Hund mit zwei Fingern an der Innenseite des Hinterlaufes an der Arterie nahe der Leiste für mindestens 15 Sekunden gefühlt. Er sollte kräftig sein. Die sogenannte kapilläre Füllungszeit überprüft man am Zahnfleisch über dem Oberkiefereckzahn durch kurzen Druck. Man misst dabei die Zeit, bis die Farbe des Zahnfleisches von Weiß wieder auf Blassrosa zurückkehrt.“ Das sollte bei einem funktionierenden Blutkreislauf nicht länger als drei Sekunden dauern.

4 Im Fall des Falles: Herzmassage
Der Herzschlag ist hinter dem linken Ellenbogen zwischen dritter und sechster rippe zu spüren. Die normale Frequenz liegt zwischen 80 Schlägen pro Minute bei großen Hunden und 120 bei Zwergrassen und Welpen. Lässt sich beim tierischen Unfallopfer kein Herzschlag fühlen, kann Herzdruckmassage sein Leben retten. „in rechter Seitenlage wird auf oben genannter Stelle mit der Hand – bei Welpen und Zwergen reicht ein Finger – zehn schnelle Druckbewegungen ausgeführt. Setzt das Herz nicht ein, alle sechs Sekunden zehn Kompressionen hintereinander gefolgt von zwei Mund zu Nase Beatmungen durchführen.“ Lässt sich die Atmung innerhalb von zehn Minuten nicht in Gang setzen bzw. bleibt die Herzmassage ohne Erfolg, stehen die Chancen auf Wiederbelebung schlecht: Zahnfleisch und Zunge werden blau, die Pupillen erweitern sich und man kann durch Berührung der Augenoberfläche kein Blinzeln mehr auslösen. „Bei diesen Symptomen muss leider davon ausgegangen werden, dass der Hund trotz aller Bemühungen gestorben ist,“ erklärt die Tierärztin. Selbst wenn ein Notfall traurig endet: Wer bis zu letzten Sekunde um das Leben eines treuen Gefährten kämpft, weiß, dass er dabei alles Menschenmögliche versucht hat.


Für den Notfall gerüstet
Diese Utensilien gehören in die Hausapotheke für Kleintiere – erhältlich beim Tierarzt und in Apotheken:

  • Pinzette (z.B. Augenpinzette) mit schmaler abgerundeter Spitze zum Entfernen von Dreck, Fremdkörpern oder Dornen aus Wunden und Haut.
  • Zeckenzange (Zoofachgeschäft oder Tierarzt).
  • Schere leicht gebogen, abgerundete Spitze zum Schneiden von Gaze und Heftpflaster und gegebenenfalls Haaren um die Wundränder.
  • Plastikspritzen 5-ml-Spritzen zum Eingeben von Medikamenten und zum Desinfizieren.
  • Kleine Stabtaschenlampe (Elektrofachhandel) zum Betrachten von Ohren, Maul und Wunden.
  • Cold/Hot-Packung.
  • Fieberthermometer.
  • Mullbinden 2–3 Stück (Breite 2,5 cm/4 cm/8 cm).
  • Gazetupfer möglichst steril.
  • Verbandswatte (Apotheke).
  • elastische und selbstklebende Binde (Breite 2,5 cm/5 cm).
  • Jodtinktur (Betaisodona): zum Reinigen und Desinfizieren von Wunden – wobei sich sauberes Wasser am besten zum Reinigen von Wunden eignet.
  • Telefonnummer des Notfalltierarztes und der Vergiftungszentrale.

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