Mittwoch, 18. September 2019

Ein Tier für mein Kind?

Ausgabe 09/2012
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Kinder jeden Alters profitieren von vierbeinigen Mitbewohnern. Dennoch gilt: Wer tierischen Zuwachs plant, sollte die Anschaffung im Vorfeld gut überlegen. Wir haben die besten Tipps.

Foto: Can Stock Photo Inc. Vishnena - canstockphoto
Ich will ein Pony oder einen Hund oder wenigstens ein Meerschweinchen!“ Diesen Satz so oder in ähnlicher Form haben die meisten Eltern sicher schon einmal gehört. „Viele Kinder wünschen sich ein Haustier und sind erst einmal Feuer und Flamme für die neuen Hausgenossen. Sie meinen es ernst, wenn sie hoch und heilig versprechen, das neue Familienmitglied gut zu versorgen“, weiß Renate Simon, Generalsekretärin des Instituts für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung (IEMT). „Aber die Anschaffung eines Haustiers bringt auch viele Pflichten mit sich, die letztlich meist an den Erwachsenen hängen bleiben. Ein Kind ist erst ab einem Alter von ca. zehn bis zwölf Jahren so weit, selbstständig für ein Tier zu sorgen. Und auch dann muss die Verantwortung für das Wohl eines Lebewesens immer bei den Eltern liegen.“

Heimtiere sind sensibel. Welches Heimtier für ein Kind geeignet ist, sollte vorher genau abgeklärt werden. Schließlich muss sich auch der tierische Zuwachs in seinem neuen Zuhause wohlfühlen: „Eltern wählen oft ein kleines Tier wie Meerschweinchen oder Kaninchen aus. Doch gerade diese Heimtiere sind als Spielgefährten für Kinder nur bedingt geeignet. Da sie von Natur aus sehr zart und sensibel sind, ist für sie die Verletzungsgefahr durch Kinderhände entsprechend groß.“ Frühestens im Volksschulalter bekommen Kinder das Verständnis und das notwendige Feingefühl für die Bedürfnisse dieser Tiere und können verstehen, dass der Sinn einer Kleintierhaltung eher im Beobachten der Tiere liegt und weniger im Angreifen, Spielen oder intensiven Kuscheln.

Den Zeitaufwand richtig einschätzen. „Kinder können den Umfang an Verantwortung für die Haltung von Heimtieren und die damit verbundenen Aufgaben oft nicht überblicken“, weiß die Expertin. Viele Kinder wünschen sich zwar tierische Spielkameraden, verlieren aber schnell das Interesse, wenn es um Käfigsäubern oder Füttern geht. Simon empfiehlt daher, die Haltung von Heimtieren wie Kaninchen und Meerschweinchen von vornherein als Familienprojekt zu betrachten und gemeinsam mit den Kindern in einem Wochenplan festzulegen, wer wann welche Pflichten übernehmen soll und kann. Die Aufgaben sollten am besten mit kleinen Belohnungen verknüpft sein. Ein Beispiel: „Jenes Kind, das den Käfig oder Stall putzt, darf ihn anschließend auch mit dem Kleintierinventar einrichten – etwa das Meerschweinchenhaus wieder an die richtige Stelle setzen und danach zwei Karotten oder ein paar Stücke Gurke bereitlegen.“ Nachwuchs im Kindergartenalter sollte bei der täglichen Pflege der Kleintiere nie alleine gelassen werden: „Dennoch können sie bereits für kleinere Aufgaben die Verantwortung übernehmen, wie für das Sammeln von leckeren Löwenzahnblättern oder das Wechseln des Wassers. Je älter Kinder werden, desto größer können die täglichen Aufgaben sein.“

Die Neugierde am Tier wecken. Laut Simon ist Voraussetzung für ein harmonisches Miteinander, „dass sich die Eltern selbst über die Tiere informieren und Freude daran haben, sie zu beobachten. So sind sie in der Lage, ihren Kindern immer wieder Neues zum Entdecken zu zeigen.“ Zum Beispiel eine Tonbandaufnahme der Laute der Meerschweinchen zu machen und sie den Kindern vorzuspielen. Oder gemeinsam ein Labyrinth bauen und staunen, wie schnell sich die Tiere darin zurechtfinden. Oder einfach beobachten, wie die Nager miteinander umgehen: „Als Gruppentiere zeigen sie ein faszinierendes Sozialverhalten.“ Und natürlich macht es auch Spaß, zu erforschen, wie sich die Tiere ihren Menschen gegenüber verhalten: „Wie reagieren sie auf die unterschiedlichen Stimmen? Welches Meerschweinchen kommt als erstes, um sich einen kleinen Leckerbissen abzuholen?“  Auf diese behutsame Weise wächst das Kind in seine Verantwortung hinein – auch bei den etwas mühevolleren Aufgaben. Eine gute Vorbereitung ist die Betreuung der Meerschweinchen in der Schule oder der Kaninchen eines Freundes in den Ferien, meint Simon: „Eltern können so vor dem Kauf tierischer Mitbewohner herausfinden, ob der Wunsch ihres Kindes bereits wirkliches Interesse an der Haltung und Pflege tierischer Gefährten ist oder eher eine kurzfristige Angelegenheit.“

Tiere – gut für unsere Kinder

Weniger Infektionen. Babys, die in Gesellschaft von Haustieren leben, werden seltener krank: Eine im Fachmagazin „Pedriatics“ veröffentlichte Studie zeigt, dass der Kontakt zu Hunden das Immunsystem der Kleinen im ersten Lebensjahr stärkt. Auch Katzen haben eine ähnliche Wirkung auf Babys. Für die Studie an der finnischen Universität Kuopio wurden 397 Babys in einem Alter von neun Wochen bis zu ihrem ersten Geburtstag beobachtet. Demnach zeigten die in Gesellschaft eines Hundes oder einer Katze aufwachsenden Kleinkinder ein um 30 Prozent verringertes Risiko, an Atemwegsinfektionen zu erkranken. Mittelohrentzündungen und andere Ohrinfektionen reduzierten sich um die Hälfte. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Gesundheit der Kinder in Tiergesellschaft deutlich gefördert wird.

Tierkontakt in der Schwangerschaft. Regelmäßiger Kontakt von Schwangeren zu Nutztieren oder Katzen reduziert laut einer Studie der Universität Zürich das Risiko für das Kind, in den ersten beiden Lebensjahren an Neurodermitis zu erkranken. Je intensiver der Tierkontakt stattfand, desto besser war die schützende Wirkung. Waren es mehr als drei Tiere, reduzierte dies das Risiko um die Hälfte, verglichen mit den Kindern der Mütter ohne Tierkontakt.

Übersicht zu diesem Artikel:
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