Montag, 23. September 2019

Der reinste Flohzirkus

Ausgabe 03/2011
Schwarze Krümel im Hundekörbchen? Bewegliche „Schuppen“ im Fell des Stubentigers? Wer solche Phänomene beobachtet, kann davon ausgehen, dass Parasiten eingeschleppt wurden.

Foto: istockphoto.com - Michael Pettigrew
 Zu den unerwünschten Gästen in Fell und Haut zählen vor allem Flöhe oder auch Zecken, (Ohr-)Milben, Läuse oder Haarlinge. Manche dieser Schmarotzer sind so winzig, dass sie mit bloßem Auge kaum auszumachen sind. „Jetzt heißt es, kühlen Kopf zu bewahren und den Tierarzt ­seines Vertrauens zu kontaktieren, um Hund oder Katze von den aufdringlichen Mitbewohnern zu befreien“, empfiehlt Dr. Karin Küllinger, Tierärztin im Tier­ambulatorium Wienerberg.

Blutsauger-Nachwuchs
Am häufigsten ist man wohl mit Flöhen konfrontiert – oft auch durch Stiche am eigenen Leib. Während erwachsene Exemplare meist im Hunde- und Katzenfell wohnen, sind deren „Ableger“ eher in der Umgebung zu finden. Veterinärin Küllinger: „Die leichten Floheier rieseln auf den Boden und verteilen sich schnell in der gesamten Wohnung.“ Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich gerne in Ritzen sowie in oder unter Teppichen verstecken. Selbst die Liegeplätze im Freien können „kontaminiert“ sein.

Die Mini-Vampire vermehren sich schlagartig: Ein weiblicher Floh legt bis zu 40 Eier täglich. Vier Wochen später: erwachsene Blutsauger, die auch keinen Winterschlaf kennen. Der Vierbeiner kratzt sich, aber Flöhe sind nicht zu entdecken? Zum Nachweis für einen Flohbefall gibt es laut Küllinger einen Trick: „Stellen Sie das Tier auf einen hellen ­Untergrund, kämmen Sie das Fell, bis Schuppen herausfallen. Danach etwas Wasser darauf tropfen. Färben sich die dunklen Krümelchen typisch blutrot, handelt es sich um Flohkot.“

Achtung Vergiftungsgefahr!
Aber wie wird man die wieder los? „Von Puder und Sprays auf das Fell rate ich ab. Sie werden abgeleckt, wenn das Tier sich putzt, und können so zu Vergiftungen führen“, warnt die Tierärztin. „Biologische“ Sprays verkleben zumeist das Fell, töten aber selten alle Flöhe. Teebaumöl wiederum ist für Katzen giftig und für Hunde eine Geruchsbelästigung.

„Fragen Sie bitte immer erst in Ihrer Tierarztpraxis nach wirksamen Mitteln, bevor Sie Geld und Energie für billigere, aber völlig nutzlose Pseudomedikamente verschwenden. Oft schaden Sie damit Ihrem Tier mehr, als Sie ihm nützen“, meint Küllinger. „Zu den Sofortmaßnahmen zählt auch, in der Wohnung alle Aufenthaltsorte des Vierbeiners gründlich zusäubern.“ Bei besonders starkem Befall der Wohnung können sogenannte „Fogger“ Abhilfe schaffen, die die Floh­larven an der Weiterentwicklung in Teppichen und Bodenritzen hindern. Durch gezielte Parasitenprophylaxe kann man ihnen den Zutritt zum Wohnbereich künftig verwehren.

Wirksame Gegenmaßnahmen
Hunde und Katzen schützt bzw. entfloht man am einfachsten mit Tropfen („Spot-on“-Präparate), die alle vier bis acht Wochen in einen Scheitel der Nacken­haare geträufelt werden. Sie ziehen in die Haut ein und vergiften so die blutsaugenden Missetäter. Karin Küllinger: „In den ersten zwei Stunden nach dem Auftragen sollte man das Tier nicht streicheln und beschmusen, damit das Medikament gut in die Haut gelangen kann. Eine weitere Möglichkeit ist, ein Medikament über das Futter zu verabreichen. Dieses sorgt ­dafür, dass aus den Eiern keine Larven mehr ausschlüpfen können ­– es „steri­lisiert“ die Flöhe. „Da manche Katzen ­dieses Vorbeugemedikament nicht gern ­einnehmen, kann es auch in halbjährlichen Abständen als Spritze verabreicht werden – die sogenannte „Floh-Impfung“. Diese ist für Hunde aber nicht geeignet“, so die Expertin.

Mit den Flöhen schleichen sich auch noch andere Parasiten ein: Flohlarven fressen mit Vorliebe Eier eines Bandwurmes, den sie später als erwachsene Flöhe beim Stechen auf das Haustier übertragen können, so die Tierärztin: „Daher sollte auch gleich ein Mittel gegen Bandwürmer verabreicht werden.“ Lassen Sie sich auch dabei in der Tierarztpraxis beraten.


Flöhen keine Chance geben
Die Alarmzeichen: allergische Reaktionen („Flohallergie“), Hautveränderungen, Abmagerung, Blutarmut; Übertragung von Bandwürmern. Flöhe können auch Menschen befallen ...
Das hilft: Flohhalsbänder, spezielle Tabletten, „Flohimpfung“ und Spot-on-Präparate vom Tierarzt

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