Montag, 16. September 2019

Der Kollege mit der kalten Schnauze

Ausgabe 03/2012
Vierbeiner im Büro sorgen für eine entspannte Atmosphäre, bringen Harmonie in den Arbeitsalltag und mindern die Stressbelastung. Was Sie beim Thema „Hund im Büro“ beachten sollten.

Foto: Monkeybusiness - www.fotolia.com Weniger Aggressionen, reduzierte Krankenstände und sogar effektiveres Arbeiten: Aktuelle Studien belegen, dass Hunde am Arbeitsplatz das Betriebsklima fördern. Nicht nur wortkarge Kollegen tauen im Kontakt mit den Fellnasen auf, auch leicht aufbrausende Mitstreiter beruhigen sich schneller durch regelmäßige Streicheleinheiten der Vierbeiner. Argumente, die vielen Arbeitgebern aber nicht genügen. Denn während Hunde in einigen Kleinbetrieben und an kreativen Arbeitsstätten bereits gern gesehene Begleiter sind, sind die Berührungsängste in größeren Firmen oft noch sehr groß. Eine spezielle Ausbildung zum Berufsbegleithund mit Zertifikat könnte in Zukunft dazu beitragen, diese Hemmschwellen leichter zu überwinden.

Tipps zur Tierhaltung finden Sie im Internet unter www.gesünderleben.at/haus-und-tier.

Zertifizierter Bürohund. Der Deutsche Tierschutzbund ruft alljährlich zum Schnuppertag „Kollege Hund“ auf – mit großem Erfolg: 2011 öffneten mehr als 1.000 deutsche Firmen ihre Pforten für die Vierbeiner von Mitarbeitern. In Österreich ist Ähnliches zwar noch nicht angedacht, dafür bieten bereits einige Hundeschulen und -trainer Kurse an, in denen sich Bello zum vorbildlichen Kollegen weiterbilden kann. Der Hintergedanke: „Nicht jeder Hund entspricht von vornherein den notwendigen Anforderungen, um Herrchen oder Frauchen in die Arbeit begleiten zu können“, erklärt Gabi Glaser, Leiterin der Hundeschule „Special Animals“ in Wien. „Aber mit dem entsprechenden Engagement ihrer Besitzer schaffen es schließlich die meisten zum offiziellen Berufsbegleithund.“

Entspannt unterm Schreibtisch. Bei der Ausbildung werden die Hunde gezielt auf Situationen des Arbeitsalltags vorbereitet. Grundkommandos wie „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ sollten auch bei Ablenkung funktionieren, unbekannte Personen und akustische wie optische Umweltreize im Büro dürfen den Vierbeiner nicht aus der Fassung bringen: „Ein Hund darf sich bei einem lauten Geräusch sehr wohl erschrecken, er sollte sich aber relativ schnell wieder beruhigen“, so die Hundeexpertin. Auch die Halter lernen bei den Kursen einiges dazu, meint Glaser: „Für sie ist essenziell, die Körpersprache des vierbeinigen Begleiters richtig zu deuten, um rechtzeitig und richtig eingreifen zu können.“ Geübt werden Situationen, in denen der Hund gelassen bleiben muss: „Zum Beispiel, wenn sich jemand zur Begrüßung nähert oder den Hund berührt.“

Beste Tipps für Bello im Büro
- Voraussetzungen. Passt der Hund ins Büro? Prinzipieller Gehorsam und ein entspanntes Wesen sind Grundvoraussetzung. Nur gesunde Tiere (regelmäßige Tierarztchecks, Entwurmungen etc.) dürfen mit, Welpen brauchen (noch) zuviel Zuwendung und häufige Gassirunden. Der Chef und alle Kollegen müssen einverstanden sein. Und: Bleibt es bei einem Hund oder wollen mehrere Mitarbeiter ihre Vierbeiner mitbringen?
- Eingewöhnungsphase. Den Hund wenn möglich in den ersten Tagen nur für ein paar Stunden mitnehmen. Sowohl Tier als auch Arbeitskollegen müssen sich erst mit der neuen Situation vertraut machen.
- Verhaltensregeln. Klare Abmachungen erleichtern das Miteinander. Die Themen Tabuzonen, Hygiene, Spielpausen, Leckerlis von Kollegen etc. absprechen. Konzentration und Arbeitleistung dürfen nicht unter dem tierischen Kollegen leiden.
- Fixplatz. Der Hund braucht einen festen Rückzugsort, an dem er auf Kommando auch eine Weile bleibt. Ideal sind Hundedecke, Körbchen oder Hundeboxen.
- Wohlbefinden. Fühlt sich der Hund grundsätzlich wohl? Oder steht er unter Dauerstress und kann nicht abschalten?
- Kurse. Die Ausbildung zum „Berufsbegleithund“ bereitet den Schützling auf seine neue Aufgabe vor. Weitere Infos unter: www.special-animals.at und www.hundetrainerin.at.


Tiergerechter Arbeitsplatz. Während sich routinierte Hunde hervorragend als Bürotiere eignen, weil sie flexibel sind und auf neue Situationen eher mit Neugierde als mit Angst reagieren, bleiben Katze, Meerschweinchen, Kaninchen & Co lieber zu Hause in vertrauter Umgebung. Sie würden sich schon durch die Fahrt ins Büro gestresst fühlen. Abgesehen davon suchen sich vor allem Katzen ihren Aufenthaltsort mit Vorliebe selbst aus – und das kann dann natürlich auch die Computertastatur sein. „Ein Hund hingegen ist gerne im Rudel dabei anstatt allein zu Hause zu bleiben und orientiert sich an seinem Menschen“, meint Glaser. Damit sich der kaltschnäuzige Kompagnon bei Bedarf zurückziehen kann, braucht er ein hundefreundliches Ruheplätzchen. Frisches Trinkwasser und Schutz vor Sonne und Kälte sind Wohlfühlbedingungen, ebenso wie ein Lift für langrückige Rassen (etwa der Dackel) und ältere Hunde. Ihnen ist tägliches Treppensteigen nämlich nicht zumutbar.

Anwesenheitserlaubnis einholen. Wie auch immer: Einen Anspruch auf einen Hund im Büro gibt es nicht. Rein rechtlich gesehen hat der Arbeitgeber das Sagen. Der Chef bestimmt, ob Tiere am Arbeitsplatz erlaubt sind. Auch die Kollegen haben ein Mitspracherecht, wenn es um den neuen „Mitarbeiter“ geht. Gibt es auch nur ein einziges Veto, z. B. wegen einer Allergie, muss Wuffi wohl weiterhin das Haus hüten. Irene Holzbauer, Arbeitsrechtsexpertin der Arbeiterkammer Wien: „Am besten klärt man vorher mit allen Beteiligten, ob es Probleme geben könnte.“ Spezielle gesetzliche Vorschriften für Tiere im Büro gibt es nicht. Allerdings darf die Gesundheit der Belegschaft nicht gefährdet sein. Und der Aufenthalt für den Hund natürlich nicht zur Tierquälerei ausarten: „Einen Hund stundenlang im engen Abstellraum zu verwahren, ist daher sicher keine gute Idee“, sagt Holzbauer. Wenn der Hund wider Erwarten auf die Designer-Aktentasche des Schreibtischnachbarn pinkelt oder die Bodenvase umrennt, muss Frauchen bzw. Herrchen für den Schaden aufkommen. Auf eine Hundehaftpflichtversicherung sollte man auch aus diesem Grund keinesfalls verzichten.
Bleibt der Boss auch trotz Berufsbegleithunde-Zertifikat skeptisch, kann man ja vielleicht zumindest eine „Probewoche“ vereinbaren. Und hoffen, dass der Vierbeiner dann mit gutem Benehmen und unwiderstehlichem Hundeblick letztlich alle bestehenden Zweifel ausräumt.

Hundeschule, Gabi, GlaserGabi Glaser, Leiterin der Hundeschule „Special Animals“ in Wien, www.special-animals.at.

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