Sonntag, 19. Mai 2019

Der Delfinflüsterer

Ausgabe 06/2012
Seite 1 von 3
Der Tauchlehrer Dean Bernal hat die heilende Kraft von Delfinen selbst erlebt: Der wilde Delfin JoJo hat sein Leben verändert, erzählt er im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN. Plus: Warum Tiere uns tatsächlich gesund und glücklich machen können.

Foto: Michael Friedel Egal, ob Hund, Katze oder Meerschweinchen – Besitzer von Haustieren wissen, dass Schnuffi, Bello und Co zu engsten Vertrauten werden können, zu besten Freunden, zu Seelentröstern. „Unsere Heimtiere gelten als Partner und Familienmitglieder, die uns bedingungslos und wertungsfrei Zuneigung und Treue schenken“, so Tierpsychologin Denise Seidl (www.tierpsychologie.at). Und: „Für jeden Tierhalter ist seine Mensch-Tier-Beziehung einzigartig und etwas ganz Besonderes.“

Dean und JoJo. Dass nicht nur zwischen Mensch und Haustier, sondern auch zwischen Mensch und einem wild lebenden Tier solch eine besondere Freundschaft entstehen kann, zeigt die Geschichte von Dean Bernal und JoJo, einem frei lebenden Delfin. Diese mittlerweile über drei Jahrzehnte andauernde Beziehung ist so besonders, so ergreifend, so innig, dass sie weltberühmt wurde und bis heute Millionen von Menschen in ihren Bann zieht. Bereits 1984 besuchte der damalige Tauchlehrer Dean Bernal das erste Mal die Turks- und Caicosinseln (Karibik), 1986 beschloss er, gänzlich dort zu leben. Schon während seines ersten Schwimmausfluges im Atlantik trifft Bernal, der Wasser als sein „Element“ bezeichnet und Tierschutz als seine „Lebensaufgabe“, auf einen frei lebenden jungen Delfin, der ihm ab nun immer wieder begegnen sollte – fast so, als würde das Tier seine Nähe suchen. Kurzerhand gibt Bernal dem neugierigen Tier den Namen JoJo.

Austausch von Lebensenergie. Bernal ist überzeugt davon, dass seine Geduld der Grund war, wieso JoJo zu ihm Vertrauen fasste. „Am Anfang habe ich ihn vor allem aus der Ferne beobachtet“, erzählt Bernal im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN. Der Wendepunkt kam, als der Tauchlehrer den Delfin über Wasser hielt, als dieser wegen Verletzungen nicht mehr die Kraft dazu hatte. Mithilfe von positiven Gedanken, wie es Bernal in seinem Buch „JoJo und ich“ beschreibt, hat er dem Tier das Leben gerettet. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden. Bernal bezeichnet JoJo als seinen „besten Freund“ und „Gefährten“. „Zwischen uns bestand seit jeher ein intensiver Austausch von Lebensenergie, und ich spürte immer, wie es JoJo ging – an guten und schlechten Tagen, wenn er Angst und Schmerzen hatte oder Begeisterung und große Gefühle empfand“, erklärt Bernal.

Zwei Außerirdische. Der Delfin und der Tauchlehrer gingen gemeinsam auf abenteuerliche Schwimmtouren, sammelten Muscheln, spielten Ball oder veranstalteten, wie es Bernal nennt, ein „Wasserballett“. Sie retteten sich mehrmals gegenseitig das Leben, beschützten einander vor Haiangriffen, Touristenbooten oder Fischernetzen. Bernal ließ immer mehr Grenzen hinter sich: Er nahm die Bewegungen des Delfins an und verständigte sich mit JoJo via Zeichensprache und Pfiffen. „Wir waren wie zwei kleine Außerirdische von verschiedenen Planeten, die lernten, sich miteinander zu verständigen“, erklärt Bernal. Auch die n-tv-Moderatorin Carola Ferstl, die Bernal und JoJo persönlich kennenlernte und treibende Kraft hinter dem Buch „JoJo und ich“ war, erinnert sich gerne an ihre Zeit auf den Turks- und Caicosinseln: „Wenn Dean und JoJo aufs Meer hinausschwammen, dann war das ein unglaubliches Bild. Weit hinaus, weit weg von der Menschenwelt. Man konnte fast glauben, Dean wollte nicht mehr zurückkommen.“

Menschliche Intelligenz. Geschichten um Delfine und Menschen sind so alt wie die Menschheit selbst. Aber wie ist solch eine außergewöhnliche Freundschaft, wie sie zwischen Dean Bernal und JoJo existiert, erklärbar, wollten wir von Karsten Brensing, Delfinexperte und Meeresbiologe des WDCS („Whale & Dolphin Conservation Society“), wissen. Als Erstes sei es wichtig zu betonen, so Brensing, dass JoJo, der zu der Delfinart „Großer Tümmler“ gehört, 400 Kilo wiegt und 3 Meter lang ist, ein solitärer Delfin ist – also ein frei lebender Delfin, der sich von seinen Artgenossen löste. Diese seltenen Tiere suchen sich neue Sozialpartner – in den meisten Fällen den Menschen. „Delfine sind hoch entwickelte soziale Tiere“, erklärt Brensing. Zudem sei die Intelligenz der Tiere sehr groß, weitaus größer als jene der Menschenaffen und ähnlich der menschlichen Intelligenz, wie eine Studie aus dem Jahr 2010 beweist. So sind Delfine die einzige Tierart, die einander per Namen (Pfifflaute) rufen, das erworbene Wissen an die nächste Generation weitergeben und – wie die Menschenaffen – sich selbst im Spiegel erkennen. „Das emotionale Empfinden von Delfinen ist wahrscheinlich sogar größer als das von uns Menschen“, erklärt Brensing. Forscher fordern aus diesem Grund, dass Delfine dem Menschen ethisch gleichgestellt werden und Delfinjagd und -haltung verboten werden. „Delfine haben eine eigene Persönlichkeit“, betont Brensing.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Der Delfinflüsterer
Seite 2 Natur schützen
Seite 3 Buchtipp: „Jojo und ich“

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-05 130x173

Aktuelles Heft 05/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Juni

 

Unsere Ausgabe 04/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie informieren Sie sich über Nebenwirkungen von Medikamenten?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information