Montag, 20. Mai 2019

Bello allein zu Haus

Ausgabe 2014.04

So gewöhnt man seinen vierbeinigen Mitbewohner ans Alleinbleiben.


Foto: Can Stock Photo Inc. - ESIGHT

Stundenlanges Jaulen, angenagte Tischbeine und zerfetzte Kissen: Wenn der Partner mit der kalten Schnauze einmal ohne menschliche Gesellschaft in der Wohnung bleiben muss, sind Probleme häufig vorprogrammiert. Leider ist es kaum einem Hundehalter möglich, immer bei seinem Kumpel zu bleiben. „Daher sollte das Tier daran gewöhnt sein, zumindest hin und wieder ein paar Stunden alleine zu verbringen“, sagt die Wiener Tierärztin Dr. Claudia Laschalt, Leiterin der Hundepension Sitz!Platz. Sie gibt Tipps, wie Hund und Herrl Trennungsängste überwinden lernen.

Sechs Stunden sind Maximum. Mitarbeiter von Tierschutzorganisationen können ein Lied davon singen, wie viele Hunde im Tierheim landen, weil sie nicht allein bleiben können. Andererseits  nehmen viele Hundehalter erhebliche Einschränkungen ihrer Lebensqualität in Kauf, weil sie ihren tierischen Mitbewohner nicht allein lassen. Dabei können Hunde durchaus lernen, stressfrei allein zu bleiben. Wenn möglich sollte man den Hund bereits als Welpen daran gewöhnen, so lernt er es am leichtesten. „Als Faustregel gilt allerdings, dass man Hunde nicht länger als sechs Stunden allein lassen sollte“, betont Laschalt. „Hunde sind Rudeltiere und leiden – auch wenn sie daran gewöhnt sind – an großer Einsamkeit, wenn sie ganz allein sind.“ Werden sie regelmäßig acht oder mehr Stunden allein gelassen, kann sich das negativ auf die Psyche der Tiere auswirken.

Abhängigkeit aus Angst. Als Jagdhundmix Jack mit acht Monaten aus einer Tötungsstation in Ungarn zu seinem Frauchen nach Wien kam, folgte er ihr sogar bis ins Badezimmer, um keine Sekunde allein sein zu müssen. „Wenn ich ihn mehr als fünf Minuten allein in der Wohnung gelassen habe, hat er vor lauter Stress meine Holztruhe angenagt“, erzählt sie. Die Tierärztin kennt das Problem: „Vor allem für Hunde aus zweiter Hand ist der Mensch oft der einzige entscheidende Sicherheitsfaktor. Sie fühlen sich nur sicher, wenn ein Mensch – manchmal auch eine bestimmte Person – anwesend ist.“ Hängt ein älterer Hund ständig am Rockzipfel des Besitzers, muss diese Abhängigkeit abgebaut werden, bevor man daran denken kann, seinen vierbeinigen Kumpel allein zu lassen. Das geschieht zum Beispiel, indem man dem Hund beibringt, beim Befehl hinaus!“ den Raum – am besten Küche oder Wohnzimmer – zu verlassen. „Das funktioniert am besten mit Ruhe und Belohnung in Form von Trockenfutter“, erklärt die Tierärztin. „Beim Befehl deutet man gleichzeitig mit der rechten Hand zur offenen Tür und geht mit dem Hund durch die Tür. Sobald der Hund die Schwelle überschritten hat, loben Sie ihn und geben ihm das Leckerli.“ Danach kehrt man in den anderen Raum zurück, ohne den Hund zu beachten. Folgt der Hund, beginnt das Training von vorne, diesmal allerdings nur mit Lob und ohne Leckerli. „Wichtig ist, dass man dabei nie ungeduldig und ärgerlich wird.“ Die erste Übungseinheit ist abgeschlossen, sobald der Hund drei Sekunden außerhalb des Raums bleiben kann, sobald man ihn wieder verlassen hat. „Loben Sie ihn sofort dafür und rufen Sie ihn nach den drei Sekunden zu sich und geben ihm das Leckerli.“ Diese Übung wird variiert, bis der Hund das Kommando kennt und sich außerhalb des Raumes entspannt irgendwo zurückzieht oder sich anderweitig beschäftigt, ohne Unsinn zu machen.

Ein sicherer Rückzugsort. „Sobald sich der neue Mitbewohner eingelebt hat und die Übung bravourös schafft – was manchmal nur Stunden, bisweilen aber auch Wochen dauert –, kann man beginnen, das Alleinbleiben bewusst zu trainieren“, sagt Laschalt. Dazu ist es wichtig, dass der Hund einen Sicherheitsplatz hat. Das kann eine Box oder auch ein gemütlicher Schlafplatz sein: „Vor allem bei Welpen und Junghunden empfiehlt sich dafür die Box.“ Für den Sicherheitsplatz gilt, „dass der Hund niemals zur Strafe dorthin geschickt wird“. Es ist ein Ort, an dem sich der Hund gerne aufhält: „Dazu legt man mehrmals täglich Leckerlis an diesen Platz. Liegt der Hund dort, loben Sie ihn und geben ihm auch dafür ein Knabberleckerli wie Rinderohren oder Ochsenziemer.“ Ist der Sicherheitsplatz eine Box, kann man beginnen, diese für kurze Zeit zu schließen, sobald der Hund darin schläft oder mit seinem Kauleckerli beschäftigt ist. Natürlich ist es von Vorteil, wenn sich Bello vorher ordentlich ausgetobt hat. „Bleiben Sie aber im Raum und beschäftigen Sie sich, ohne den Hund auffällig zu beobachten.“ Die Tür wird geöffnet, bevor der Hund fertig ist bzw. spätestens, wenn er wieder aufwacht.

Das erste Mal allein. „Sobald der Hund eine halbe Stunde in der geschlossenen Box bleiben kann, beginnt man, zeitweise den Raum zu verlassen.“ Rund alle drei Tage verlängert man die Zeit allein im Raum, in der Box bzw. am Sicherheitsplatz bis zu einem Zeitraum von einer Stunde. „Der Hund darf allerdings nie damit überfordert sein, sodass er bei der Rückkehr in den Raum schon sehr unruhig ist und gespannt auf Sie wartet“, betont Laschalt. Sobald der Hund eine halbe Stunde ohne Probleme aushält, kann man das Alleinbleiben in der Box natürlich öfters am Tag üben – mit verschieden langen Zeitintervallen. Laschalt: „Zwischendurch beginnt man auch damit, immer wieder zur Wohnungstür zu gehen und diese zu öffnen, ohne die Wohnung zu verlassen. Geht das ohne Unruhe, kann man bereits für einige Minuten hinausgehen.“ Wichtig ist, dass daraus kein Drama gemacht wird. Abschiedsrituale werden von den Rudeltieren meist falsch interpretiert –  nämlich als Aufforderung für eine gemeinsame Unternehmung. Auch beim Zurückkehren geht man nicht sofort zum Hund, schließlich soll eine gewisse Routine daraus entstehen.

Mit Geduld zum Erfolg. Mit viel Geduld wurde übrigens auch aus dem Waisenkind Jack ein gelassener Mitbewohner, der heute mehrere Stunden ohne Probleme Zu Hause ausharren kann. Doch nicht immer gelingt der Versuch. „Wer dieses Training nicht alleine schafft oder alleine machen kann, sollte sich unbedingt Unterstützung dafür suchen“, rät Laschalt, „damit das Zusammenleben nicht zur ständigen Stressfalle für beide Seiten wird.“


Weitere Tipps erhält man z.B. über die Hundeschule www.hundefragen.at und auch auf Facebook bei der Gruppe „hundefragen“.

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