Montag, 20. Mai 2019

Allergien bei Hund und Katze

Ausgabe 2014.05

Immer mehr Haustiere werden von Allergien geplagt. Häufige Auslöser sind Flöhe, Hausstaubmilben, Pollen oder Futter.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - edu1971

Golden-Retriever-Rüde Balou kratzt sich Tag und Nacht und beißt sich die juckenden Hautstellen schmatzend auf. Kein Wunder, dass seine Haut schon stark gerötet und entzündet ist. Ähnlich geht es der Pudeldame Allegra. Auch bei ihr leuchten blutig aufgekratzte Hautareale durchs Fell. Zudem muss sie immer wieder wegen Ohrenentzündungen und Verdauungsproblemen zum Tierarzt. Die Haut von Kater Carlo ist von vielen kleinen Krusten übersät. Sein Frauchen erzählt, dass er sich ständig die Haare am Bauch schleckt und schon kahle Stellen sichtbar sind. Siamkatze Mimi wird hingegen seit einiger Zeit regelmäßig von heftigen Hustenattacken heimgesucht. Allesamt verschiedene Symptome, und doch haben diese Vierbeiner eines gemeinsam: Sie leiden an einer Allergie.

Therapie gegen quälenden Juckreiz. Den Grund für Balous unstillbaren Juckreiz konnte Tierärztin Sonja Franz schnell ausfindig machen: eine Flohallergie. „Hier kann ein einziger Biss genügen, um die allergische Reaktion auszulösen“, erklärt die Veterinärin. „Dabei gelangt der Speichel des Parasiten in die Haut und verursacht den Juckreiz.“ Typische Angriffspunkte für die lästige Erkrankung sind Oberschenkel, Kreuzbeingegend und die Region um den Nabel. Auch Kater Carlo hat sich mit einigen Flöhen von Nachbars Mieze eine Allergie eingefangen. Beide Vierbeiner werden mit einem Spot-on-Präparat fachgerecht entfloht: „Es wird zwischen den Schulterblättern aufgetragen und wirkt auch vorbeugend gegen Flohbisse.“ Die Voraussetzung dafür, dass die entzündeten Hautstellen abheilen können, ist die Beendigung des Juckreizes. „Das erreichte man bis vor Kurzem – ähnlich wie auch beim Menschen – am wirkungsvollsten mit Kortison. Da die Verabreichung in Form von Tabletten oder einer Injektion aber Auswirkungen im ganzen Körper hat, beschränkt man sich in diesem Fall auf eine gezielte Anwendung mit einem Hautspray oder auf besser verträgliche Wirkstoffe gegen Juckreiz wie Ciclosporin und Oclacitinib.“

Tiere mit allergischen reaktionen

Die Atopie ist eine Überempfindlich­keitsreaktion des Körpers aufgrund einer erblichen Veranlagung.

­Umweltsubstanzen wie z. B. Pollen, Schimmel oder Hausstaubmilben führen dann zu einer überschießenden und unangemessenen Reaktion des Immunsystems, die eine massive Entzündungsreaktion der Haut nach sich zieht.
Im Vergleich zum Menschen und zu Katzen reagieren sensible Hunde auf diese Allergene immer mit Hauterkrankungen in Form von juckenden Ekzemen. Durch eine geschwächte Hautbarriere können diese Stoffe leichter durch die Haut in den Körper eindringen. Konnte das Allergen durch einen Hauttest nachgewiesen werden, kann eine Hyposensibilisierung ähnlich wie beim Menschen durchgeführt werden. Hierbei wird durch eine langsam ansteigende Verabreichung des Allergens versucht, die allergische Reaktion zum Stillstand zu bringen. Die Erfolgsquote liegt zwischen 50 und 80 Prozent. Zu den begleitenden Behandlungsmöglichkeiten zählen sogenannte Immunmodulatoren, hautberuhigende Shampoos, Hydrokortison-Sprays und ein Spot-on, das die Hautbarriere stärkt.

Wenn das Futter Probleme macht. Bei Pudelhündin Allegra besteht der dringende Verdacht, dass sie bestimmte Bestandteile ihres Futters nicht verträgt. „Die Futtermittelallergie kann sich als reines Hautproblem mit Juckreiz und Entzündungen äußern, als Magen-Darm-Problem mit zum Beispiel Erbrechen, Durchfall oder Blähungen und auch als Kombination von beidem“, so die Expertin. „Auch Ohrenentzündungen können damit zusammenhängen.“ Bestimmte Hunderassen wie Labrador und Golden Retriever,  Schäferhunde, Cockerspaniel oder Boxer sind besonders anfällig. Auslöser sind zumeist Proteine im Futter aus Rind-, Schweine-, Lamm-, Hühnerfleisch, Eiern, Milchprodukten, Weizen, Soja und Mais, während Fisch und Reis eher selten Allergien verursachen. „Eine Futtermittelallergie kann nur mit einer mehrwöchigen Ausschlussdiät diagnostiziert werden. Dabei ist wichtig, dass das Tier nichts anderes zu fressen bekommt – natürlich auch keine Leckerlis.“ Gibt es mehrere Vierbeiner im Haushalt, sollten diese optimalerweise auch auf Diät gesetzt werden. Dieses Verfahren ist natürlich sehr aufwendig. Daher bieten einige Hersteller Fertigfutter an, das speziell für solche Fälle einsetzbar ist. „Allerdings kommt es auch vor, dass Hunde oder Katzen auch dieses Futter nicht vertragen. Dann muss man auf selbst zubereitetes Futter umsteigen.“

Asthma bei Katzen. Regelmäßiges Husten und Keuchen bei Katzen kann auf eine allergische Erkrankung der Atemwege hindeuten – das feline Asthma. Dabei reagieren die Bronchien der Samtpfoten allergisch auf äußere Reize oder Schadstoffe, die in die Atemwege der Katze eindringen, wie z. B. Zigarettenrauch, Haarspray, Teppichreiniger, Abgase oder Staub. Auch Bestandteile des Futters können die Atemnot auslösen. „Im Unterschied zu einer vorübergehenden Entzündung der Atemwege wie Bronchitis ist felines Asthma eine chronische Erkrankung, die nicht geheilt werden kann“, erklärt Franz. Zur Therapie des felinen Asthmas  kommen Asthmasprays zum Einsatz, wie sie auch beim Menschen verwendet werden. „Dafür sind für Katzen spezielle Inhalierhilfen erhältlich“. Nur bei sehr schwerem Asthma müssen anfangs auch Kortison-Tabletten verabreicht werden, um lebensbedrohliche Erstickungsanfälle zu verhindern.

Auch Pferde haben Allergien.  Durch Juckreiz weggescheuerte Mähne und Schweif, Krusten, Schuppen, Quaddeln – auch Pferde leiden immer häufiger an allergisch bedingten Hauterkrankungen und auch Atemnot. „Die Ursachen sind teilweise ähnlich wie bei Hund und Katze – nämlich Pollen, Futter- und Staubmilben oder Schimmelpilze. Andererseits reagieren viele Pferde auch allergisch auf Insektenstiche.“ Auch hier wird die Therapie individuell mit dem Tierarzt abgesprochen. In manchen Fällen müssen Pferde den ganzen Sommer über sogenannte Ekzemerdecken tragen, die sie vor Insektenstichen schützen. In Fällen von chronischem Husten kann laut der Tierärztin ähnlich wie beim felinen Asthma eine Inhalationstherapie versucht werden: „Sehr oft hilft auch ein Umzug des Pferdes in einen höher gelegenen Stall, wo die Pollenbelastung geringer ist.“

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