Donnerstag, 19. September 2019

Achtung vor den Blutsaugern!

Ausgabe 03/2013

Die Zeckensaison beginnt: Welche Krankheiten die Krabbeltiere übertragen können und wie Sie Ihren Vierbeiner davor schützen können.

 


Foto: Can Stock Photo Inc. - picturepartners

Labrador-Mischling Max ist eine wahre Sportkanone. Kein Ball ist vor ihm sicher, und mit seinen Hundefreunden um die Wette zu laufen war schon immer seine Lieblingsbeschäftigung. Bis sich Max eines Tages eher lustlos in die Ecke der Hundezone setzte und immer wieder hinkte. Was Max’ Frauchen noch dazu große Sorgen bereitete, war der mangelnde Appetit ihres Lieblings. Eine Untersuchung bei Tierarzt Dr. Christian Zedinger brachte eine erste Vermutung: „Das linke Ellbogengelenk war angeschwollen und etwas schmerzhaft.“ Zusätzlich zu einer Röntgenaufnahme und der Blutabnahme fürs Labor führte der Veterinär auch einen Schnelltest durch. Er bestätigte die Verdachtsdiagnose des Tierarztes: Max war an Borreliose erkrankt, ausgelöst durch einen Zeckenstich.

So gefährlich sind Zecken

Zecken können auf Hunde und Katzen zahlreiche Krankheiten übertragen. Hier der Überblick für Hunde- und Katzenbesitzer:

 

Hund

  • Borreliose.
Bakterielle Infektion durch Borrelien, Impfung möglich.
    Symptome: Fieber, Appetitlosigkeit, Schlappheit, Lahmheit, Herzbeschwerden, Nierenversagen, neurologische Störungen
  • Babesiose. Blutparasiten.
    Symptome: hohes Fieber, Mattigkeit, blasse gelbliche Schleimhäute, dunkler Urin, Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden, Störungen des Nervensystems  
  • Ehrlichiose. Bakterielle Infektion durch Ehrlichien.
    Symptome: hohes Fieber, Durchfall, Appetitlosigkeit, Krämpfe, eitriger Nasen- und Augenausfluss, Lähmungen an den Hinterbeinen, Lethargie, Tod kann durch Blutverlust eintreten
  • FSME. Viruserkrankung.
    Symptome: hohes Fieber, Störungen des Nervensystems, Verhaltensänderungen, starke Schmerzempfindungen, unbehandelt führt sie innerhalb von einer Woche zum Tod

Katze

  • Anaplasmose. Bakterielle Infektion durch Rickettsien.
    Symptome: Fieber, Appetitlosigkeit, starke Blutungsneigung und Blutarmut. Oft tödlicher Verlauf bei zusätzlicher Leukose- oder FIV-Infektion
  • Hämoplasmose. Bakterielle Infektion.
    Symptome: Fieber, Blutarmut, schubweiser Verlauf
  • Katzen-Babesiose. Auch: Katzenmalaria, siehe Babesiose beim Hund; zumeist tödlicher Verlauf.

Zecken übertragen mehrere Krankheitserreger. „Zecken übertragen Viren, Bakterien, Würmer und einzellige Blutparasiten auf Haustiere, aber auch auf Pferde oder Rinder“, erklärt Zedinger. „Bei der Babesiose des Hundes werden zum Beispiel durch Blutparasiten die roten Blutkörperchen zerstört, was zu einer Blutarmut führt. Es tritt eine Unterversorgung lebenswichtiger Organe ein, die im schlimmsten Fall tödlich endet.“ Der Überträger dieser gefährlichen Infektion, die Auwaldzecke, kann den Erreger auch noch an ihre Nachkommen weitergeben. Eine weibliche Zecke legt in 30 Tagen rund 3.000 Eier. Jede einzelne der 3.000 neuen Zecken ist dann ebenfalls mit Babesien infiziert. Auch FSME, eine Viruserkrankung, die vor allem beim Menschen bekannt ist, dürfte durch Zeckenstiche auf Hunde übertragbar sein – mit ähnlichen Symptomen einer Gehirnhautentzündung.

Auch Katzen sind betroffen. Frei laufende Katzen kommen sehr oft mit Zecken nach Hause. Zedinger: „Im Gegensatz zu ihren bellenden Kollegen erkranken sie zwar nicht an Borreliose oder FSME, weil diese Erreger vom Immunsystem ausgeschaltet werden können. Die Samtpfoten können jedoch andere gefährliche Infektionen durch die blutsaugenden Milbentiere bekommen.“ Leiden die Katzen zusätzlich an Virusinfektionen wie FIV oder Leukose, die das Immunsystem schwächen, können diese sogar trotz Antibiotikatherapie tödlich enden. „Es ist daher sehr wichtig, dass Katzen, die ins Freie dürfen, gegen Zeckenbefall geschützt werden“, so der Experte.

Effektive Zeckenabwehr. Zecken sind wahre Überlebenskünstler, die selbst in sehr kalten Regionen existieren können. Sie liegen in Gräsern und Büschen in einer Höhe von bis zu 150 Zentimetern auf der Lauer. Selbst in hoch gelegenen Waldgebieten sind sie anzutreffen, weil sie von umherziehendem Wild mitgenommen werden. „Den wirksamsten Schutz vor Zecken bietet ein Spot-on-Präparat mit einem speziellen Wirkstoff“, so der Tierarzt. „Es wird im Nackenbereich des Hundes auf die Haut geträufelt, dazu müssen die Haare gescheitelt werden.“ Wird das Medikament richtig aufgetragen, wirkt es sogar doppelt: Zum einen tötet es Zecken auf dem Hund ab, zum anderen verhindert es, dass sich die Zecken am Hund wohlfühlen. Trotzdem ist es sinnvoll, Hund und Katze zusätzlich nach dem Freilauf auf Zecken zu untersuchen.

Neue Impfung gegen Borreliose. Über die Vakzine gegen Borreliose beim Hund wird heftig diskutiert. Nun haben Tierärzte allerdings einen neuen Impfstoff zur Verfügung, der auch gegen die europäischen Arten des Erregers wirkt. „Durch die Impfung bilden Hunde Antikörper im Blut, die beim Saugakt in die Zecke gelangen und dort die Bakterien bekämpfen“, erklärt Zedinger, der die erste Spritze ab einem Alter von zwölf Wochen empfiehlt. Die Impfung wird nach drei Wochen und sechs Monaten wiederholt, danach wird jährlich aufgefrischt, um einen dauerhaften Schutz zu gewährleisten. „Auch Hunde, die bereits eine Infektion durchgemacht haben, sollten geimpft werden“, rät der Experte. „Eine Erkrankung schützt nämlich nicht langfristig vor einer neuen Infektion.“

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