Samstag, 06. Juni 2020

Zum Haareraufen!

Ausgabe 2020.04
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Wenn die Haare auf dem Kopf immer weniger werden, ist dies sowohl für Männer als auch für Frauen eine mitunter große psychische Belastung. Alles, was Sie über Haarausfall wissen müssen – und dagegen tun können.


Foto: © iStock - filadendron

Wenn in der Bürste immer mehr Haare zurückbleiben, schrillen bei den meisten die Alarmglocken. Besonders für Frauen ist Haarausfall ein großes Problem, ist schütteres Haar bei ihnen doch bei Weitem nicht gesellschaftlich so anerkannt wie bei Männern. Doch auch beim „starken Geschlecht“ nagt eine beginnende Glatze am Selbstwertgefühl. Dazu die Wiener Dermatologin Dr. Nicole Herzog: „Volles und gesundes Haar symbolisiert Schönheit und Vitalität. Werden die Haare dünner und weniger, ist es sowohl für Männer als auch für Frauen ein besorgniserregender, psychisch belastender Zustand.“

Wunder Haar: Der Aufbau

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Ganz schön haarig!
95 Prozent der Männer und circa 50 Prozent der Frauen leiden mindestens einmal im Leben an krankhaftem Haarausfall. Ein gewisses Ausmaß an ausfallenden Haaren ist aber ganz normal, betont Herzog: „Ein Verlust von bis zu 100 Haaren pro Tag ist unbedenklich.“ Dass wir uns täglich von so vielen Haaren auf unserem Kopf verabschieden müssen, fällt uns gar nicht weiter auf, schließlich befinden sich auf unserem Kopf circa eine Million Haarfollikel. Detaillierter ausgedrückt: „Wir Europäer besitzen circa 225 Haare pro Quadratzentimeter Kopfhaut, während es bei Asiaten und Afrikanern weniger sind“, erklärt die Ärztin. Ein einzelnes Haupthaar wächst pro Tag etwa 0,3 Millimeter und kann bis zu sieben Jahre alt werden. Je älter wir werden, desto mehr Haare verlieren wir – das ist zwar nicht erfreulich, aber erneut kein Grund zur Besorgnis: „Zu einem normalen Alterungsprozess gehört dazu, dass die Leistungsfähigkeit, die Versorgung sowie die Regeneration der Haarwurzeln als auch die Dichte und die Menge der Haare abnehmen. Externe Faktoren wie zu viel Sonne, ungesunde Haarkosmetik oder Mangelernährung tragen ihr Übriges dazu bei, dass im Alter unsere Haare weniger werden.“ Natürlich gibt es auch junge (männliche) Glatzköpfe: Diese haben ihre fehlende Haarpracht in der Regel ihrer Genetik zu verdanken.

Erblich bedingter Haarausfall
Dieser erblich bedingte Haarausfall (in der Fachsprache „Alopecia androgenetica“ genannt) ist mit über 90 Prozent der häufigste Haarausfall-Typ. Ausgelöst wird er durch das Sexualhormon Dihydrotestosteron (DHT), ein Abbauprodukt des Testosterons, erklärt Herzog. Das DHT lagert sich an den Hormonrezeptoren der Haarfollikel, die je nach Genetik unterschiedlich ausgeprägt sind, ab. Mit dem Alter nimmt die Überempfindlichkeit der Haarwurzelzellen auf das DHT zu, „wodurch diese vermehrt und zu schnell in die Haarwachstumspause eintreten und zu schrumpfen beginnen“. Der erblich bedingte Haarausfall zeigt sich klassisch durch Geheimratsecken, einen zurückgehenden Haaransatz an der Stirn oder eine zunehmend kahle Stelle am Hinterkopf. Expertenschätzungen zufolge zeigen die Hälfte aller Männer um die 50 Jahre diese Art von Haarausfall. Aber auch Frauen können vom erblich bedingten Haarausfall betroffen sein: „Gründe hierfür können hormonelle Umstellungen in der Pubertät, nach der Schwangerschaft oder nach der Menopause sein“, erläutert Herzog. „Auch eine Erkrankung der Eierstöcke kann bei Frauen zu einer Alopecia androgenetica führen.“ Anders als bei Männern beginnt bei Frauen diese Art von Haarausfall meist im Scheitelbereich und setzt sich im weiteren Verlauf bis zu den Schläfen fort.

Diffuser Haarausfall
Beim sogenannten diffusen Haarausfall ist das Haar gleichmäßig ausgedünnt. „Oft erweist sich diese Art von Haarausfall als vorübergehende Erscheinung.“ Auch hier können Hormonumstellungen durch die Antibabypille, nach der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren (bei Frauen) die Ursache sein, erläutert Herzog. Sehr oft ist der diffuse Haarausfall aber krankheitsbedingt und durch Infektionskrankheiten, Fehlfunktionen der Schilddrüse oder Nebenwirkungen von Medikamenten begründet. Frauen sind etwas häufiger von dieser Art des Haarausfalls betroffen als Männer.

Kreisrunder Haarausfall
Selten, aber doch tritt der kreisrunde Haarausfall („Alopecia areata“) auf. Dazu die Dermatologin: „Innerhalb nur weniger Tage entstehen runde kahle Stellen, die am gesamten Kopf verteilt sind. Oftmals wächst das Haar von alleine wieder nach, doch manchmal ist ein Totalverlust der Haare unvermeidbar.“ Die Ursachen, so Herzog weiter, liegen „größtenteils noch im Dunkeln, doch es scheint sich um eine immunologische Störung zu handeln. Dabei werden die Haarfollikel vom eigenen Immunsystem als Fremdkörper angesehen und abgestoßen.“ Auch ein Vitaminmangel kann Auslöser für kreisrunden Haarausfall sein. In manchen, jedoch sehr seltenen Fällen kommt es zu einem Ausfall der kompletten Körperbehaarung, inklusive Wimpern und Augenbrauen.

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