Montag, 23. September 2019

Zum aus der Haut Fahren

Ausgabe 09/2011
Jedes fünfte Kind leidet an Neurodermitis – quälender Juckreiz und gesellschaftliche Ausgrenzung sind die Folgen. Für Familien ist die Krankheit oft eine enorme Belastung. Ein neues Schulungsprogramm unterstützt betroffene Eltern.

Foto: istockphotos.com - Igor Balasanov
Es ist die Hölle: Wer unter Neurodermitis leidet, leidet unter trockener Haut. Trockene Haut führt unweigerlich zu Juckreiz, und Juckreiz zum Kratzen. Kratzattacken verletzen wiederum die Hautoberfläche, es juckt noch mehr … Die Fachwelt hat dafür den Begriff „Juck-Kratz-Kreislauf“ geprägt. „Wird dieser Teufelskreis nicht unterbrochen, kommt es zu einer Entzündung und schon allein dadurch kann ein neuer Ekzemschub ausgelöst werden“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, Vorstand der Dermatologischen Abteilung am Donauspital im SMZ Ost in Wien. Abhilfe bringt konsequente Therapie und verstärkte Zuwendung, die gerade kleine Patienten benötigen.

Neurodermitis ist in Österreich die derzeit häufigste Hautkrankheit – bis zu zwanzig Prozent aller Kinder und Jugendlichen sind betroffen. Die Ursache der Neurodermitis ist noch nicht vollständig geklärt – durch ein Zusammenspiel aus genetischen Faktoren, Umwelteinflüssen und immunologischen Veränderungen verliert die Haut ihre natürliche Schutzfunktion und wird gegenüber äußeren Reizen besonders empfindlich. Die Folge: immer wiederkehrende Ekzeme mit quälendem Juckreiz, Entzündungen und Infektionen. Die chronische Hautkrankheit beginnt meist schon im Babyalter, zieht sich bis in die Pubertät oder sogar ins Erwachsenenalter.

Schulungsprogramm für Eltern
Für betroffene Familien ist Neurodermitis eine enorme Belastung. Im Rahmen eines Arzt- oder Ambulanzbesuches ist es jedoch oft nicht möglich, auf all die Fragen der Eltern zu dieser Krankheit einzugehen. Im Wiener Donauspital wird daher eine Schulung für Eltern von an Neurodermitis erkrankten Kindern bis zum siebenten Lebensjahr angeboten. Bei der Elternschulung ist nicht nur Zeit für Fragen, sondern es wird auch informiert, wie eine optimale Pflege und Therapie aussieht, denn Neurodermitis ist zwar nicht heilbar, aber immer besser behandelbar: „Es gibt die Lokaltherapie mit Lotionen, Cremen und (Fett-)Salben und die systemische Therapie mit Tabletten oder Injektionen, die bei schweren Krankheitsverläufen eingesetzt wird“, erläutert Volc-Platzer.

Der Dreistufenplan
Die Behandlung erfolgt in drei Stufen, konsequent durchgeführt, verspricht sie gute Erfolgsaussichten:
  • Stufe 1 besteht in der konsequenten Pflege der Haut mit rückfettenden Pflegemitteln bei allen Patienten.
  • Stufe 2: Kündigt sich ein Ekzemschub an, wird bei Kindern Kortison der Stärke zwei und drei eingesetzt. Volc-Platzer: „Die hochwirksamen und nebenwirkungsarmen Kortisonsalben der neuesten Generation sind so ausgereift, dass sie einen Entzündungsschub abfangen oder eine schon vorhandene Entzündung effizient bekämpfen können. Setzt man sie rechtzeitig ein, so kann man innerhalb weniger Tage sein Ziel erreichen und dann wieder mit Stufe 1 der Lokaltherapie fortfahren.“ Alternativ dazu, dann also, wenn man zwar nicht unbedingt Kortison, aber doch etwas Entzündungshemmendes braucht, gibt es seit einiger Zeit spezielle Salben aus der Gruppe der Calcineurininhibitoren. Damit kann man auch einem Schub vorbeugen, indem man sie ein bis zweimal die Woche auf die (noch) nicht entzündete Haut aufträgt.
  • Stufe 3: Wenn die Lokaltherapie nicht ausreicht, erfolgt eine systemische Therapie – unter anderem mit Kortison zum Schlucken, jedoch nur über einen sehr begrenzten Zeitraum.

Tipp: Antihistaminika gegen den Juckreiz (die es für Kinder auch in Form von Tropfen oder Saft gibt) können begleitend in allen Stufen eingenommen werden.

Kratzimpulse & Gegenstrategien
Eltern von Kindern mit Neurodermitis sind oft rund um die Uhr im Einsatz. Denn neben der aufwändigen täglichen Pflege treten häufig auch Probleme in der Schule oder im Kindergarten bzw. Sorgen um gesunde Geschwister auf. Und vor allem stellt die bohrende Frage, wie man dem für das Kind zermürbenden Kratzimpuls begegnen kann. Dazu ein wertvoller Rat von Volc-Platzer: „Kleinen Kindern kann man zum Beispiel Noppenbälle in die Hand geben. Durch den Druck wird die Aufmerksamkeit vom Juckreiz abgelenkt. Je älter das Kind ist, desto eher kann man ihm beibringen, sich selbst abzulenken. Und natürlich ist es ganz wichtig, jeden Erfolg zu belohnen.“


Zeit für Fragen in der Elternschulung
Die Schulung ist konzipiert für Eltern von Kindern bis zum siebenten Lebensjahr, die an Neurodermitis leiden. Infos & Kontakt: Dermatologische Abteilung, Donauspital SMZ Ost in Wien, Sekretariat, Tel: 01/288 02-4102

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