Donnerstag, 23. Mai 2019

Zu Risiken und Nebenwirkungen ...

Ausgabe 02/2012
... lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Diesen Satz kennt wohl jeder von uns. Doch: Wer liest tatsächlich Packungsbeilagen akribisch durch? Auch weil diese für Laien oftmals nahezu unverständlich sind. GESÜNDER LEBEN erklärt, was wirklich wichtig ist.

Foto: www.istock.com
Wenn behauptet wird, dass eine Substanz keine Nebenwirkung zeigt, so besteht der dringende Verdacht, dass sie auch keine Hauptwirkung hat“, sagte schon der deutsche Pharmakologe Gustav Kuschinsky (1904 – 1992), der sich unter anderem mit der Lehre der Wirkung von Arzneistoffen beschäftigte. Im Umkehrschluss bedeutet das: Ein Medikament, das helfen soll, Krankheiten abklingen zu lassen und Beschwerden zu lindern, hat auch Nebenwirkungen. Diese können sich in unterschiedlichster Weise zeigen und hängen von der Konstitution des Patienten ab: von Befindlichkeitsstörungen über Magenschmerzen, Übelkeit und Verdauungsproblemen bis hin zu Hautausschlägen und Herzrhythmusstörungen. Freilich muss man nicht bei jeder Einnahme eines Arzneimittels auch unerwünschte Wirkungen spüren. Das Problem: Oft nimmt man diese gar nicht wahr. Einerseits weil wir nicht damit rechnen. Andererseits weil wir nur dann zu Medikamenten greifen (sollten), wenn es uns sowieso schon schlecht geht. Dann fällt das eine oder andere zusätzliche Wehwehchen oft gar nicht mehr auf …

Unerwünschte Wirkungen ernst nehmen. Deshalb ist um so wichtiger: Vor Einnahme eines Arzneimittels sollte man in jedem Fall die Packungsbeilage genau durchlesen. Das steht auch in ebendieser geschrieben – üblicherweise gleich an erster Stelle. Doch Hand aufs Herz: Wer tut das wirklich? „Dem Spruch ‚Lesen Sie die Packungsbeilage’ haftet ein negativer Beigeschmack an. Befragt man den Konsumenten, werden die Texte der Beipackzettel meist als kompliziert und unverständlich empfunden“, weiß Michael Jeleff, Arzt für Allgemeinmedizin in Innerbraz/Vorarlberg. Es mag auch daran liegen, dass die Liste möglicher Nebenwirkungen viele Patienten verängstigt: Eine Studie der Universität Witten/Herdecke aus dem Jahre 2009 kam sogar zu dem Schluss, „dass die Lektüre des Beipackzettels Angst, Zweifel, Unsicherheit und Unzufriedenheit auslöst.“ Ein Dilemma: Die Studie zeigte auf, dass nach Lektüre des Beipackzettels rund ein Drittel der Patienten das betreffende Medikament absetzte oder gar nicht erst nahm.

Gesetzliche Regelung. Pharmazeutische Firmen sind per Gesetz EU-weit dazu verpflichtet, ihren Arzneimitteln einen Beipackzettel beizulegen, der über Wirkung, mögliche Nebenwirkungen und Risiken informiert. Alle durch Studienergebnisse, Behandlungsbeobachtungen und laufende Rückmeldungen bekannt gewordenen unerwünschten Wirkungen werden darin in der Häufigkeit des Auftretens aufgelistet: von „sehr selten“ (bei weniger als einem von 10.000 Behandelten) bis „sehr häufig“ (bei mehr als einem von zehn Behandelten). Und natürlich versuchen sich alle Pharmafirmen abzusichern, deshalb sind die aufgezählten Nebenwirkungen – selbst bei „harmlosen“ Medikamenten – oft angsteinflößend lang. Daher unser Tipp: Lassen Sie sich nicht verunsichern! Dennoch: „Hat man das Gefühl, unter einer Nebenwirkung zu leiden, sollte man Arzt oder Apotheker kontaktieren. Auch wenn es sich um eine Nebenwirkung handelt, die in der Packungsbeilage nicht beschrieben ist“, so Jeleff. So trägt quasi jeder Patient zur Verbesserung des Medikaments und zur Sicherheit anderer Patienten bei.

Wenn sich Medikamente nicht vertragen. Ein weiterer Abschnitt der Packungsbeilage, der nicht selten Verwirrung stiftet: die Gegenanzeigen. Allein der Begriff ist wohl vielen ein Rätsel. Dabei geht es schlicht um die Frage: Wann sollte ein Medikament nicht eingenommen werden? Vor allem bei Überempfindlichkeiten oder Unverträglichkeiten gegen einen Wirkstoff, aber auch bei bestimmten körperlichen Beschwerden oder Erkrankungen ist dies der Fall. Zudem findet man hier Hinweise, ob ein Arzneimittel etwa für Schwangere, ältere Menschen und Kinder geeignet ist oder in welchem Ausmaß die Dosierung angepasst werden muss. Eine Gegenanzeige kann, laut Allgemeinmediziner Jeleff, auch durch eine gravierende Wechselwirkung bedingt sein: „Angenommen bereits bestehende Erkrankungen bedürfen der Behandlung mittels Blutverdünnung: Bestimmte Medikamente können die gewünschte Blutverdünnung derart verstärken, dass es zu Blutungen kommen kann.“ Die Einnahme von mehreren, unterschiedlich wirksamen und gegen verschiedene Krankheiten verordneten Medikamenten kann Wechselwirkungen auslösen, das bedeutet, dass sich bestimmte Substanzen miteinander nicht „vertragen“. Übrigens: Auch manche Nahrungsmittel und Getränke können die Wirkung eines Arzneimittels beeinflussen –
etwa Milchprodukte oder Alkohol.

Informieren Sie sich – und Ihren Arzt. Es macht aber wenig Sinn, nur über Risiken und unerwünschte Wirkungen zu lesen. Sie zu vermeiden, ist angesagt. Wie das möglich ist? Indem man sich über das Medikament, die Dauer der Einnahme und die Einnahmeart informiert. Auch sehr wichtig: Weiß Ihr Arzt oder Apotheker überhaupt, welche anderen Medikamente Sie noch zu sich nehmen? Sind ihm Ihre Allergien bekannt? Besteht eine Schwangerschaft? Sind bei den Gegenanzeigen Krankheitsbilder erwähnt, die auf Sie zutreffen könnten?

Um das Risiko von Wechselwirkungen zu reduzieren, gibt es sogenannte Interaktionsprogramme, die über den Schweregrad von Wechselwirkungen informieren. Jeleff erklärt: „Sind alle eingenommenen Arzneimittel bekannt, kann das Programm ein Wechselwirkungsprofil erstellen und so Verträglichkeit bzw. mögliche Unverträglichkeiten der einzelnen Medikamente untereinander, berechnen.“

Eines noch zum Schluss: Man sollte sich durch die Lektüre des Beipackzettels nicht verunsichern lassen. Und im Zweifelsfall fragt man Arzt oder Apotheker lieber einmal zu viel! Denn Ihre Gesundheit ist das allemal wert.

Kleines Packungsbeilagen-Glossar
Nebenwirkungen: Auflistung unerwünschter Wirkungen.
Gegenanzeigen: Ein Medikament darf NICHT eingenommen werden, wenn ... Hier wird auch angegeben, für welche Personengruppen – z.B. Schwangere, ältere Menschen, Kinder – das Medikament nicht geeignet ist.
Wechselwirkungen: Bei der gleichzeitigen Einnahme mehrerer Medikamente können sich deren Wirkungen gegenseitig beeinflussen. Auch Lebensmittel und Getränke können auf die Wirkung eines Arzneimittels einen Effekt haben.
Darreichungsform: Zubereitung, in der ein Arzneistoff appliziert wird (z. B. Tablette, Dragee, Gel, Salbe, Spray etc.)
Indikation: besagt, bei welchem Krankheitsbild das Medikament zum Einsatz kommen soll.
Dosierung: Menge des Medikaments, die dem Körper zugeführt werden soll.
ausreichend Flüssigkeit: ein Glas mit rund 200 bis 250 ml, vorzugsweise Wasser.

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