Sonntag, 19. Mai 2019

Zöliakie

Ausgabe 2015.11
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Nur strenge Diät hilft - Kein Brot, keine Pizza, keine Nudeln, kein Weizenbrot. Zöliakie-Patienten vertragen kein getreidehältiges Eiweiß. An einem ersten Medikament wird fieberhaft gearbeitet, aber noch gilt: Um nicht krank zu werden, ist eine strenge Diät nötig.

 


Foto: Can Stock Photo Inc. - Nejron

Getreide verträgt nicht jeder. Ein Prozent der Bevölkerung ist von der sogenannten Zöliakie betroffen. Dabei handelt es sich um eine chronisch entzündliche Dünndarmerkrankung, verursacht durch das Eiweiß Gluten, das in Weizen, Roggen und Gerste vorkommt. „Bei Menschen, die eine Veranlagung dazu besitzen, führt der Verzehr von glutenhältigen Lebensmitteln zu einer chronischen Entzündung der Darmschleimhaut. Die Darmzotten bilden sich dabei drastisch zurück. Dadurch wird die Funktion des Dünndarms beeinträchtigt und die Aufnahme von Nährstoffen wird gestört“, erklärt die Linzer Ärztin Dr. Sabine Wied.

Symptome. Kleine Kinder sind blass, oft untergewichtig und sie entwickeln sich nur langsam. Zudem haben sie einen deutlich sichtbaren Blähbauch. Bei Erwachsenen erkennt man Zöliakie nicht so einfach. Ihre Beschwerden können auf alle möglichen Erkrankungen hindeuten. Oft leiden sie an Mangelzuständen, Energielosigkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Gewichtsabnahme, starke Müdigkeit nach dem Essen bis hin zur Erschöpfung. Aber: Bei Erwachsenen fehlen häufig eindeutige Darmsymptome, daher denkt man oft nicht an Zöliakie. Wird die Ernährung nicht umgestellt, drohen vielfältige Beschwerden und Folgeerkrankungen, wie z. B. Anämie, Osteoporose, Gelenksschmerzen, Dermatitis. Ob auch Darmkrebs ausgelöst werden kann, ist strittig. „Wenn man jahrelang überhaupt keine Diät einhält, kann das zu Darmkrebs führen, solche Fälle sind bekannt. Wer allerdings bloß kleine Diätfehler macht, braucht sich deswegen keine Sorgen zu machen“, sagt Prof. Dr. Peter Köhler von der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie.

Hohe Dunkelziffer. Mindestens jeder hundertste Österreicher ist von Zöliakie betroffen. Die meisten wissen allerdings nichts von ihrer Erkrankung, obwohl die Beschwerden vorhanden sind. Die Gründe für dieses Nichtwissen sind vielfältig. Einerseits gehen viele Menschen wegen Bauchschmerzen oder Durchfall nicht zum Arzt, und wenn sie es doch tun, denken viele Ärzte bei diesen Symptomen nicht an eine mögliche Zöliakie. Der Weg zu einer eindeutigen Diagnose ist oft lang. In vielen Fällen gehen jahrelange Beschwerden voraus, bis man an Zöliakie überhaupt denkt. Es gibt mittlerweile zwar rezeptfreie Tests aus der Apotheke, diese Schnelltests können aber falsche Ergebnisse liefern. Die Diagnose sollte ausschließlich von einem Facharzt gestellt werden. Bestimmte Bluttests (Antikörper-Befunde) können auf Zöliakie hinweisen, diese sind laut Köhler aber nur zu 90 Prozent sicher. „Eine hundertprozentige Diagnose ergibt sich einzig aus einer Gewebsentnahme aus dem Dünndarm. Dabei werden kleine Gewebsproben schmerzlos aus dem obersten Dünndarmabschnitt entnommen“, erklärt Köhler. Diese wird im Zuge einer Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt.

Zöliakie – was ist tabu?

Zöliakie wird durch den Genuss glutenhältiger Speisen ausgelöst. Der Begriff Gluten ist ein Sammelbegriff für ein Gemisch aus Proteinen, die in den Körnern verschiedener Getreidearten vorkommen. Gluten ist in zahlreichen Getreidearten enthalten, und zwar in Weizen, Roggen, Gerste sowie in Dinkel, Kamut, Einkorn und Emmer. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auch Hafer besser nicht zu sich nehmen, auch wenn die Rolle des Hafers wissenschaftlich noch nicht geklärt ist. „Studien dazu widersprechen sich, allerdings wurde gezeigt, dass der Großteil der Zöliakiebetroffenen Hafer verträgt, wenn er nicht mit anderen glutenhältigen Getreidearten verunreinigt ist“, sagt Prof. Köhler.

Tipp: Die Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie hat umfangreiche Nahrungsmittel-Listen erstellt, die den Einkauf erleichtern. Infos unter www.zoeliakie.or.at.

Diät halten. Für Zöliakie-Patienten heißt es: Finger weg von allen glutenhältigen Lebensmitteln. Es gibt bislang keine Medikamente und keine Therapien, die hier helfen würden. Einzig eine lebenslange strikt glutenfreie Ernährung ist der Ausweg, um beschwerdefrei zu leben und vor allem auch Folgeerkrankungen zu vermeiden. Achtung! Erst nach einer gesicherten Diagnose soll mit der glutenfreien Ernährung begonnen werden. Ein Diätbeginn vor den Diagnose-Untersuchungen verfälscht die Ergebnisse oder macht die Diagnose unmöglich. Der Einkauf von glutenfreien Produkten ist nach wie vor empfindlich teuer. Wer ein glutenfreies Semmerl essen will, muss immer noch tief in die Tasche greifen.  Für einen Menschen mit Zöliakie muss man extra kochen, glutenfreies Essen darf niemals mit herkömmlichen Essen vermischt werden. Man muss meist zu Hause essen, denn kaum ein Restaurant bietet glutenfreie Speisen an. „Eine solche Ernährung erfordert eine komplette Umstellung des Speiseplans und des Einkaufsverhaltens. Das ist zunächst ein erheblicher Aufwand, man gewöhnt sich aber daran und kann gut damit leben“, erklärt die Linzer Ärztin Dr. Sabine Wied.

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