Samstag, 06. Juni 2020

Zeigt her eure Füße!

Ausgabe 2020.05

Die Pflege der Füße wird allzu gern vernachlässigt, was unangenehme und teils gefährliche Folgen haben kann. GESÜNDER LEBEN verrät, was Sie gegen Warzen, Hühneraugen, Pilzbefall oder vermehrten Schweiß tun können. 


Foto: © iStock-abu

Unser Fuß besteht aus 26 Knochen, 33 Gelenken, 20 Muskeln und 114 Bändern. Zudem ist er Tag für Tag einer hohen Belastung ausgesetzt, mehr als jeder andere Teil unseres Bewegungsapparats. Und trotzdem: „Die meisten Menschen achten nicht sehr auf die Pflege ihrer Füße“, weiß Dr. Andreas Schindl, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Wien und Retz. Noch dazu quälen wir unsere Füße regelmäßig mit einem falsch sitzenden, also zu engen, Schuhwerk, was zu vielfältigen Problemen führen kann. GESÜNDER LEBEN beschreibt die häufigsten Probleme – und deren Lösungen.

Hornhaut
Die Haut an den Fußsohlen ist aufgrund der großen mechanischen Belastung dicker als anderswo am Körper. Bei massiver Druckbelastung, zum Beispiel durch falsche Fußstellungen oder zu enge Schuhe, verdickt sich die betroffene Stelle noch stärker, sie verhärtet und unterscheidet sich auch oftmals in ihrer Farbe von der umliegenden Haut. Meist treten Schwielen an Ferse oder Fußballen auf. „Hornhaut ist nicht gefährlich, aber unangenehm.“ Die betroffenen Stellen sind anfälliger für Trockenheit und Risse – besonders Letztgenannte können schmerzen, sich entzünden und eine Infektion nach sich ziehen. „Diabetiker sollten hier besonders wachsam sein!“, rät Schindl. Am besten entfernen Sie Hornhaut mit einem Bimsstein, einem Hornhauthobel oder – bei besonders starken Hautverdickungen – einer speziellen Feile. Bitte sanft und vorsichtig vorgehen! Durch ein vorheriges Fußbad (zum Beispiel mit Kochsalz oder Kamillentee) weicht die Hornhaut auf und lässt sich leichter entfernen. „Denken Sie daran, die betroffenen Stellen mittels einer fettreichen Creme geschmeidig und feucht zu halten!“, gibt Schindl zu bedenken. Auch salizylsäurehaltige Cremes (oder auch Pflaster), Salben mit Harnstoff, Hirschtalgcremes, Oliven- oder Mandelöl sowie Schöllkrauttinkturen sagen der Hornhaut den Kampf an. Hühneraugen, also punktuelle Verdickungen der Hornschichten, werden sehr ähnlich behandelt, hier gibt es zudem spezielle Pflaster, die mehrere Tage getragen werden. „Generell gilt: Cremen Sie sich mindestens einmal täglich Ihre Füße ausreichend ein!“

Blasen
Blasen treten dann auf, wenn der Schuh scheuert, drückt oder schlicht noch neu ist. Auch eine ungewöhnlich große Belastung wie Wanderungen oder lange Joggingrunden können Blasen nach sich ziehen. Schindl: „Durch die Reibung lösen sich zwei Hautschichten voneinander und in den so entstandenen Hohlraum dringt Gewebsflüssigkeit ein.“ Das ist unangenehm, aber nicht gefährlich – ist die austretende Flüssigkeit allerdings trüb und hat einen unangenehmen Geruch oder ist die Haut rund um die Blase stark gerötet, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um eine Entzündung auszuschließen. Kleine Blasen sollten lediglich mit einem Pflaster behandelt werden. Ist die Blase größer und oberflächlich, darf diese mit einer desinfizierten Nadel vorsichtig aufgestochen werden – „um das unangenehme Druckgefühl zu mindern“. Danach decken Sie die Stelle mit einem Pflaster ab. Die Haut der Blase sollte nicht entfernt werden, da diese vor Keimen schützt. Ein Tipp vom Experten: „Tragen Sie beim Wandern zwei dünne Socken übereinander – das verhindert Hautreibungen und somit Blasen!“

Warzen
Bei Warzen am Fuß handelt es sich meist um sogenannte Dornwarzen, die tief in die Unterhaut reichen und große Schmerzen bereiten können. Verursacht werden sie durch bestimmte Typen des humanen Papillomvirus und sind hoch ansteckend – Vorsicht also in Hallenbädern, öffentlichen Duschen, Thermen oder “ Turnsälen. „Infizierte Menschen, die barfuß unterwegs sind, verlieren winzige Hautschüppchen, die Infektion erfolgt unbemerkt.“ Häufig werden Warzen mit Hühneraugen verwechselt, so Schindl: „Den Unterschied erkennt man an den kleinen winzigen Pünktchen der Warzen, die Hühneraugen nicht haben. Diese entstehen durch kleine Einblutungen in das infizierte Gewebe.“ Warzen sollten nie selbst, sondern immer vom Dermatologen behandelt werden – „und zwar so schnell wie möglich, da sich Warzen sehr leicht vermehren können!“ Als Behandlung kommen mechanische Abtragungstherapien wie Laser, das Vereisen mit flüssigem Stickstoff oder mitunter auch Operationen infrage. Mit Pflastern, Tinkturen oder Cremes werden Warzen aufgeweicht beziehungsweise aufgelöst, die umliegende Haut sollte mit einer Fettcreme geschützt werden, rät der Experte. Geduld ist wichtig, denn: „Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis sich eine Warze vollkommen auflöst. Auch bei Laserbehandlungen und Ähnlichem ist es oftmals nicht mit einer Sitzung getan.“ In seltenen Fällen verschwinden Warzen von alleine wieder.

Nagelpilz
Geduld sollte man auch bei Nagelpilz mitbringen, denn dessen Therapie kann sich ebenfalls bis zu einem Jahr hinziehen. „So lange braucht ein Nagel, um sich komplett zu erneuern“, erklärt Schindl. Die Therapie besteht stets aus sogenannten Antimyotika und kann entweder systemisch, also mittels Tabletten, oder örtlich, mit Sprays, Cremes oder Nagellacken, durchgeführt werden. Viele Experten wenden die orale Behandlung bei einem sehr starken Pilzbefall an, da dieser eine bessere Wirkung nachgesagt wird, Schindl hält dies jedoch für überholt: „Ich halte beide Therapiearten für gleich wirksam. Zu beachten ist aber, dass die Medikamente starke Nebenwirkungen haben können und während der monatelangen Einnahme regelmäßig Nierenund Leberwerte kontrolliert werden müssen.“ Andererseits, so der Experte weiter, erfordert die örtliche Therapie eine starke Mitarbeit des Patienten: „Die Mittel müssen regelmäßig aufgetragen werden, zudem ist es entscheidend, die Nägel stets kurz zu halten und flach abzufeilen, um die Wirksamkeit zu verstärken.“ Befallene Nägel sind leicht zu erkennen: Sie sind weißlich bis gelblich verfärbt, brüchig und verdickt. Pilze vermehren sich stark im feuchtwarmen Klima (verschwitzte Socken und Schuhe, Hallenbäder etc.).

Fußpilz
Manchmal kann einem Nagelpilz ein Fußpilz vorausgehen. Juckende, gerötete, mitunter schuppende Haut oder eine weißliche, aufquellende Haut zwischen den Zehen weist auf Fußpilz hin, eine der häufigsten Infektionskrankheiten der Haut. Die Übertragungswege sind dieselben, im Gegensatz zum Nagelpilz ist der Fußpilz aber gut in den Griff zu bekommen: eine zwei- bis dreiwöchige Behandlung mit speziellen Pilzsalben reicht in der Regel aus.

Schweißfüße
Zum Abschluss ein Thema, über das niemand gern spricht: Schweißfüße! Grundsätz lich ist Schwitzen normal und wichtig, denn dadurch regulieren wir unsere Körpertemperatur. An der Fußsohle befinden sich etwa 500 Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter, die täglich bis zu einem Viertelliter Schweiß abgeben. Dass manche Menschen mehr schwitzen als andere, kann verschiedene Gründen haben, zum Beispiel eine genetische Veranlagung, diverse Stoffwechselerkrankungen oder eine Regulationsstörung des vegetativen Nervensystems. „Vermehrtes Schwitzen, das nicht gesteuert werden kann, zeigt sich besonders an Händen, unter den Achseln und den Füßen“, so Schindl, der betont: „Der unangenehme Geruch von Schweißfüßen geht oftmals mit sozialer Stigmatisierung und so mit psychischen Problemen einher.“ Auch gesundheitlich sind stets feuchte Füße nicht unbedenklich, begünstigen sie doch die Entstehung von Warzen, Fußpilz oder anderen Infektionen. Betroffene sollten täglich ihre Füße waschen, gründlich abtrocknen und ihre Socken wechseln. Dasselbe Paar Schuhe sollte nur alle drei Tage getragen werden, dazwischen sollte man sie mit Desinfektionsspray besprühen und auslüften, rät der Arzt. Socken aus Naturstoffen wie Baumwolle oder Seide nehmen Schweiß gut auf. Schuhe sollten nie barfuß getragen werden, spezielle Einlagen aus Zimtrinde oder Zedernholz helfen zusätzlich. Stoff- oder Lederschuhe sind Turnschuhen vorzuziehen. „Lotions und Deos mit Aluminiumchlorid wirken auf die Schweißdrüsen zusammenziehend, genauso wie Fußbäder aus Eichenrindenextrakt, grünem Tee oder Salbei.“ Der Experte rät zudem zur Leitungswasser-Iontophorese, also einem 15-minütigen Gleichstrom-Bad. Diese Bäder können auch privat durchgeführt werden – ein Gerät kostet ca. 500 Euro. „Regelmäßig angewandt, ist der Erfolg sehr gut!“ In schweren Fällen können Botulinumtoxin-Injektionen helfen.

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