Donnerstag, 21. Februar 2019

10 Medizin-Mythen im Expertentest

Ausgabe 03.2015
Seite 1 von 2

Schützt Vitamin C tatsächlich vor Erkältungen? Sind Zahnfüllungen aus Amalgam wirklich schädlich? Und wie stark ist der Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Typ-2-Diabetes? GESÜNDER LEBEN hinterfragt die Mythen der Medizin-Geschichte.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - hydromet

Ginge es nach unserer Oma oder Mama, würden wir Krankheiten ausschließlich mit Hausmittelchen behandeln. Und ginge es nach den Promis in Hollywood, würden wir jeden Monat einem anderen Beauty-Trend hinterherjagen. Die Welt der Medizin ist reich an Mythen, die sich um Wirkstoffe, Behandlungen und v. a. unsere Ernährung ranken. Diese Mythen bzw. Halbwahrheiten der Medizin werden von Generation zu Generation weitergegeben  – und sind so zu nicht hinterfragten Wahrheiten geworden. Der (österreichische) Verein für Konsumenteninformation hat sich nun entschlossen, Licht in das scheinbar undurchdringbare Dunkel zu bringen – und hat ein Buch herausgegeben, das auf Grundlage von mehr als 500 internationalen Studien die 100 größten medizinischen Mythen kritisch hinterfragt, bestätigt – oder vor allem widerlegt.

Einige dieser Mythen (und die wissenschaftlich fundierte Wahrheit) stellen wir auf diesen Seiten vor. Viel Spaß beim Wundern, Staunen und Nachdenken!

GESÜNDER LEBEN beantwortet die 10 wichtigsten Fragen!

1 Schützt Vitamin C vor Erkältungen?
Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse ist für das körperliche (und seelische) Wohl von großer Bedeutung. Auch Vitamin C sollte in unserem Ernährungsplan eine Rolle spielen – Experten empfehlen eine Tageszufuhr (bei Erwachsenen) von 100 mg. Dass aber Vitamin C vor Erkältungen schützt bzw. die Symptome verringert, ist eine der größten Medizin-Mythen. Studien beweisen, dass vorsorglich eingenommene Vitamin-C-Dosen die Dauer der Erkältung zwar tatsächlich verkürzen, allerdings nur sehr geringfügig – bei Erwachsenen um acht Prozent, bei Kindern um 14 Prozent. Bei einer Erkältung von drei bis vier Tagen verkürzt sich die Krankheitsdauer bloß um weniger als einen Tag. Ist man bereits erkältet und nimmt erst dann Vitamin C (z. B. in Form von Brausetabletten) zu sich, hat dieses keinerlei Auswirkungen auf die Krankheit und ist somit vollkommen nutzlos, so das Ergebnis zahlreicher seriöser Studien.
 
2 Dürfen Schwangere keinen Kaffee trinken?
 Um kein anderes Getränk ranken sich so viele Mythen wie um den allseits beliebten Kaffee. Es gilt als allgemein bekannt, dass schwangere Frauen sowie auch Frauen, die stillen, keinen (koffeinhaltigen) Kaffee zu sich nehmen dürfen. Genau genommen aber gibt es aktuell keine genauen Forschungsergebnisse, die tatsächlich zeigen, dass sich Kaffee negativ auf die Gehirnentwicklung des Säuglings bzw. auf dessen Geburtsgewicht auswirkt. Jene Studien, die es zu diesem Thema gibt, sehen hier keinen Zusammenhang, sind jedoch nicht ausreichend detailgenau. Deshalb: Dem Kind zuliebe besser auf Kaffee verzichten, solange nicht eindeutige Studienergebnisse vorliegen!

3 Erhöht der Zuckerkonsum das Diabetes-Typ-2-Risiko?
Diabetes mellitus vom Typ 2 ist in den letzten Jahren zur Volkskrankheit geworden: In Österreich sind in der Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen etwa 5 von 100 Personen betroffen, bei Menschen ab 60 sind es 16 von 100. Insgesamt macht Typ-2-Diabetes circa neun Zehntel aller Diabeteserkrankungen aus. Neben Übergewicht und Bewegungsmangel gilt ein zu starker Zuckerkonsum als größter Risikofaktor. Studien ergaben, dass Menschen, die mehrere Softdrinks am Tag trinken, mit höherer Wahrscheinlichkeit an Diabetes Typ 2 erkranken als Softdrink-Verweigerer. So weit, so bekannt. Allerdings wurde in diesen Studien nicht berücksichtigt, ob die Probanden übergewichtig waren oder nicht. Zuckerhaltige Limonaden wiederum führen zu Übergewicht. Ob es also direkt der Zucker ist, der Diabetes Typ 2 verursacht oder nicht, ist bis dato noch nicht ausreichend erforscht.

4 Wirkt sich der Vollmond auf unseren Schlaf aus?
Der Mond muss seit Jahrzehnten als Sündenbock herhalten, wenn wir von Schlaflosigkeit geplagt werden. Über Generationen hinweg hat sich der Glaube festgemacht, dass insbesondere der Vollmond Auswirkungen auf unser Schlafverhalten hat. Die Wahrheit ist allerdings, dass es bis heute keinen – glaubwürdigen – wissenschaftlichen Nachweis dafür gibt. Einige Studien der letzten Jahre, die herausgefunden haben wollen, dass der Mond z. B. für Einschlafstörungen verantwortlich ist, weisen deutliche Mängel in ihrer Durchführung aus – so zum Beispiel nahmen bei einigen Studien nur knapp über 30 Probanden teil. In einer österreichischen Studie aus 2008, in der die Schlaftagebücher von 195 Gesunden und 196 Kranken ausgewertet wurden, findet sich kein Zusammenhang zwischen der subjektiven Schlafqualität und irgendeiner Mondphase. Woher kommt dieser Glaube dann also? Wissenschafter gehen davon aus, dass ereignislose Vollmondnächte ignoriert werden, während wir der Schlaflosigkeit, die zufällig in einer Vollmondnacht stattfindet, zu große Bedeutung beimessen …

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 10 Medizin-Mythen im Expertentest
Seite 2 Ist bio gesünder?

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