Donnerstag, 19. September 2019

Zahngesundheit: Knackpunkt Mundhygiene

02. Mai 2006
Plombiert. Karies ist wahrscheinlich die am weitesten verbreitete Zivilisationserkrankung. In Österreich leidet praktisch jeder Erwachsene und jedes dritte Kind unter Karies, und Kinder im Volksschulalter weisen im Schnitt bereits mehr als zwei kariöse, ausgefallene oder gefüllte Zähne auf. Eine gründliche Zahnpflege ist der wichtigste Einflussfaktor auf die Zahngesundheit gefolgt von adäquaten Ernährungsgewohnheiten, wobei hier bereits der fetalen Phase und dem Säuglingsalter große Bedeutung zukommt. Im Zusammenhang mit der Kariesenstehung sind übrigens nicht nur niedermolekulare Kohlenhydrate von Belang, auch Fruchtsäuren können wesentlich zur Kariesentwicklung beitragen.

Zahnentwicklung beginnt im Mutterleib
Die Zahnentstehung beginnt lange Zeit bevor die ersten Zähne überhaupt sichtbar werden. Bereits nach sechs Wochen differenzieren sich im Fetus die ersten Anlagen zur Zahnbildung und mit der Geburt wird die Matrix für die bleibenden Zähne angelegt. In den ersten Lebensjahren geht – für das Auge unsichtbar – bereits die Mineralisierung der Zahnsubstanz vonstatten.

Besonders der Fluoridversorgung kommt bereits vor und kurz nach der Geburt große Bedeutung zu. Hier werden die ersten Weichen für ein späteres Kariesrisiko gelegt. Denn vor dem Zahndurchbruch sind Zahnschmelz und das von ihm überzogene Dentin (eine knochenähnliche Substanz) , wie andere wachsende Gewebe auch, besonders durch mangelhafte Ernährung gefährdet.

Fluorid fördert sowohl vor als auch nach dem Zahndurchbruch die Zahngesundheit, indem es die Widerstandsfähigkeit gegen den Säureangriff kariogener Mundbakterien verbessert und die Remineralisation von kleineren Läsionen verbessert. Doch darf die Fluoridzufuhr weder zu niedrig noch zu hoch sein. Denn eine chronisch überhöhte Fluoridzufuhr kann die typischen Schmelzflecken (Zahnfluorose) bedingen. Die aktuellen Fluoridzufuhrempfehlungen in Abhängigkeit vom Fluorgehalt des Trinkwassers, der Gabe von Fluoridtabletten bzw. der Verwendung von fluoridiertem Speisesalz sind den DACH – Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr zu entnehmen.

So entsteht Karies
Der erste Schritt zu Karies ist eine Entmineralisierung des Zahnschmelzes. An Stellen, wo Speisereste leicht hängen bleiben und die Selbstreinigung – durch Kauen und Speichelfluss – erschwert ist, siedeln sich leicht Mikroorganismen (wie Streptococcus mutans) an, die aus Glukose und Fruktose unlösliche Polymere bilden. Diese wiederum verhindern ihrerseits, dass die Zahnoberläche dort durch Speichel gesäubert und mit Mineralstoffen versorgt wird. Das ist deshalb von großer Bedeutung, weil für die Härtung des Zahnschmelzes die Mineralstoffaufnahme aus dem Speichel wichtiger ist, als die Versorgung über Blutgefäße. Auch genetische Faktoren, wie etwa Zähne mit sehr rauer Oberfläche, erhöhen das Kariesrisiko, weil sich Bakterien dort leichter ansiedeln können.

Keime, die die Mundhöhle besiedeln bauen niedermolekulare Kohlenhydrate auch zu organischen Säuren (v.a. Milchsäure) ab. Diese senken den pH-Wert von normalerweise 6,8 auf 4,5. Besteht dieses saure Milieu über längere Zeit, so wird Kalzium-Phosphat aus Zahnschmelz und Dentin gelöst (Demineralisierung). Wenn diese "Säureangriffe" häufig und über längere Zeit erfolgen, entsteht schließlich ein Kariesloch. Ständiges Nuckeln an süßen Getränken oder häufiges Naschen im Laufe des Tages fördert daher die Kariesentstehung.

Auch Fruchtsäuren fördern Karies
Säuren können den Zahnschmelz auch direkt angreifen. Man nennt das Säure-Erosion. Unter den Fruchtsäuren wirken Apfel- und Zitronensäure am stärksten demineralisierend. Unter diesem Blickwinkel ist der althergebrachte Ratschlag "Ein Apfel am Abend ersetzt das Zähneputzen" sogar kontraproduktiv. Nachdem Fruchtsäuren die Zahnoberfläche "aufweichen", sollten die Zähne daher nicht unmittelbar nach dem Genuss säurereicher Speisen oder Getränke geputzt werden, die Gefahr von mechanischen Verletzungen wäre zu groß. Von derartigen nichtkariösen, säurebedingten Erosionen sind – aufgrund des hohen Obst- und Gemüsekonsums – übrigens besonders oft Vegetarier betroffen.

Praxistipps zum Zeitpunkt des Zähneputzens:

  • Nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten sollten die Zähne unmittelbar im Anschluss geputzt werden, um die Plaquebildung hintan zu halten.
  • Nach säurehaltigen Speisen oder Getränken sollte jedoch etwa eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen gewartet werden, um dem Zahnschmelz mechanisch nicht zu sehr zu schaden. In der Zwischenzeit kann mit einer Fluoridlösung bzw. Wasser oder Milch nachgespült werden, um die Säuren zu neutralisieren.


Antikariogene Wirkung von Käse und anderen Milchprodukten
Eine Literaturübersicht bestätigt die antikariogene Wirkung von Milchprodukten, insbesondere von Käse. Er hemmt die Demineralisation des Zahnschmelzes und fördert die Remineralisation. So konnte bei Testpersonen, die über drei Wochen 6 x täglich den Mund mit einer 10%igen Saccharoselösung spülten, die Zahnschmelz-Demineralisation allein durch das Kauen von 5 g Cheddarkäse eine Minute nach jeder Spülung um 71 % reduziert werden.

Statt des Apfels am Abend könnte daher ein Stück Käse die Zähne deutlich besser auf die "Nachtruhe" einstimmen. Zähneputzen im Anschluss sollte aber in jedem Fall selbstverständlich sein.

Konsequente Mundhygiene ist der effektivste Schutz
Während der vergangenen Jahrzehnte konnten in vielen Ländern flächendeckende Fluoridierungsmaßnahmen und verbesserte Mundhygiene die Zahngesundheit maßgeblich verbessern. So ist in den meisten europäischen Ländern ist die Kariesprävalenz bei Kindern in den letzten 30 Jahren trotz nahezu gleichbleibendem Zuckerkonsum stark rückläufig. Erst bei unzureichender Fluoridzufuhr und/oder Mundhygiene gewinnen Ernährungsgewohnheiten wieder an Bedeutung. Ist jedoch Mundhygiene und Fluoridversorgung ausreichend, haben Ernährungsgewohnheiten nur mehr wenig Einfluss auf die Kariesentstehung.



Quelle
forum.ernährung heute
www.forum-ernaehrung.at

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