Montag, 20. Mai 2019

Wunderwaffe Laser

Ausgabe 2013/10
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Das Auge ist das wohl wichtigste Sinnesorgan des Menschen, und seine Beeinträchtigung lässt Betroffene oft schwer leiden. Doch mit dem Instrument Laser lassen sich zahlreiche Augenerkrankungen effektiv behandeln.


Foto: Can Stock Photo Inc. - dolgachov

Das Auge sagte eines Tages: „Ich sehe hinter diesen Tälern im blauen Dunst einen Berg. Ist er nicht wunderschön?“
Das Ohr lauschte und sagte nach einer Weile: „Wo ist der Berg? Ich höre keinen!“
Darauf sagte die Hand: „Ich versuche vergeblich, ihn zu greifen. Ich finde keinen Berg!“
Die Nase sagte: „Ich rieche nichts. Da ist kein Berg!“
Da wandte sich das Auge in eine andere Richtung. Die anderen diskutierten weiter über diese merkwürdige Täuschung und kamen zu dem Schluss: „Mit dem Auge stimmt etwas nicht!“

Dieser Aphorismus stammt von dem libanesisch-amerikanischen Maler, Philosophen und Dichter Khalil Gibran, und er zeigt auf sensibel-poetische Weise, welch wichtiges und kostbares Sinnesorgan das menschliche Auge ist. Nicht umsonst wird der Sehsinn ja auch als Leitsinn der fünf menschlichen Sinne bezeichnet, und wohl jeder wird bestätigen können, dass gerade auf diesen Sinn niemand verzichten will. Und so hat auch die Augenmedizin, die vor allem Sehbeeinträchtigten helfen will, eine lange Geschichte.

Brillen, Kontaktlinsen, Laser. Wussten Sie zum Beispiel, dass Brillen schon seit dem 13. Jahrhundert zur Korrektur von Sehschwächen eingesetzt wurden? In den 1930er-Jahren begann man, mit der Herstellung der ersten Formen späterer Kontaktlinsen, für die sich wegen mancher unbestreitbarer Vorteile gegenüber der Brille heute immer mehr Menschen entscheiden, zu experimentieren. Etwa zur selben Zeit liefen auch die ersten wissenschaftlichen Versuche in der sogenannten refraktiven Chirurgie, die Augenoperationen meint, welche die Gesamtbrechkraft des Auges verändern und so konventionelle optische Korrekturen wie Brillen und Kontaktlinsen ersetzen – der Laser in der Augenmedizin hat also bereits eine lange Tradition, und heute wird dieses Präzisionsinstrument auch in vielen anderen Bereichen eingesetzt.  

Ein hochpräzises Instrument. Ob Fehlsichtigkeit, Hornhautverkrümmung, Netzhautriss, grüner oder grauer Star, Nachstar oder Durchblutungsstörungen der Netzhaut: Mit den verschiedenen Lasergeräten, die heute in der Augenmedizin zur Verfügung stehen, kann all dem effektiv zu Leibe gerückt werden, und die Behandlungsergebnisse verbessern sich dabei stetig. Doch was zeichnet das Instrument Laser eigentlich aus und warum ist es so gut geeignet, den Augenarzt bei seiner Tätigkeit zu unterstützen? „Da das Auge aus vielen durchsichtigen Strukturen besteht, ist der Laser ein hervorragendes Instrument der Behandlung für uns Augenärzte: Er lässt sich präzise steuern, erreicht das Augeninnere ohne Verletzung oder Infektionsgefahr, und die Lasertherapie ist zudem ambulant durchführbar, sodass der Patient schon kurz nach Abschluss des Eingriffs nach Hause entlassen werden kann“, erklärt der Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie Dr. Peter Gorka.

Größte Erfolge: Nachstar und Fehlsichtigkeit. Tatsächlich wird der Laser schon seit mehr als dreißig Jahren erfolgreich in der Augenmedizin eingesetzt, doch heute steht den Experten eine enorme Vielfalt an verschiedenen Verfahren zur Verfügung, mit denen sich oft sehr schnell einsetzende und dauerhafte Verbesserungen erzielen lassen. Dr. Gorka: „Wir setzen den Laser in vielen Fällen zu therapeutischen Zwecken ein, um den Krankheitsprozess aufzuhalten oder im Verlauf zu verlangsamen. Besonders erfolgreich sind wir in der Behandlung des Nachstars (eine Nebenwirkung der Grauen-Star-Operation, die die Sehschärfe wieder verschlechtern kann) und bei der Behandlung von Fehlsichtigkeiten, wo wir die Sehschärfe häufig extrem, schnell und dauerhaft verbessern können.“ So kann beim Nachstar mithilfe des sogenannten YAG-Lasers sehr präzise im Auge und ohne das Organ selbst öffnen zu müssen geschnitten werden, sodass diese gelegentlich nach Operation des grauen Stars auftretende Trübung schmerzfrei beseitigt werden kann. Was die Behandlung von Fehlsichtigkeiten betrifft, so können heute je nach Dicke der Hornhaut Kurzsichtigkeit bis zu etwa zehn Dioptrien sowie Weitsichtigkeit und Astigmatismus bis zu vier Dioptrien mittels Laser korrigiert werden. Sehr hohe Fehlsichtigkeiten, die darüber hinausgehen, erfordern als Alternative die aufwendigere Behandlung durch Implantation einer Linse, und – Wermutstropfen für die Generation 40 plus: Die Alterssichtigkeit, die einen normalen Alterungsprozess der Augenlinse darstellt und dazu führt, dass man zunehmend Schwierigkeiten bekommt, nahe liegende Gegenstände scharf zu sehen, kann man bis heute leider nicht weglasern. Operative Verfahren kommen bei der Alterssichtigkeit bislang nur in Ausnahmefällen infrage, und wohl wird weltweit intensiv an neuen Methoden zur Behandlung der sogenannten Presbyopie geforscht, doch noch ist die klassische Lesebrille die bewährteste Möglichkeit, Alterssichtigkeit zu korrigieren.

Grüner, grauer Star und Co. Was man freilich lasern kann, sind Netzhautrisse, bei denen die Netzhaut durch Laserkoagulation punktförmig verschweißt wird, womit Risse verschlossen werden können. Dieselbe Art des Lasers wird auch erfolgreich bei Durchblutungsstörungen der Netzhaut – wie diabetischer Retinopathie und Gefäßverschlüssen – eingesetzt. Weitere Einsatzmöglichkeit für den Augenlaser sind der grüne und der graue Star. „Zur Behandlung des grünen Stars bringen wir das Gewebe des Kammerwinkels durch Bestrahlung zum Schrumpfen, um die Flüssigkeitszirkulation im Auge zu verbessern“, erklärt der Facharzt. „Neue Wege gehen wir auch in der Therapie des grauen Stars und der Hornhauttransplantation. Eröffnet werden uns diese Möglichkeiten durch die hochpräzise Schnittführung im Bereich der Hornhaut und der intraokularen Linse mittels Femtosekundenlaser.“

Übersicht zu diesem Artikel:
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