Donnerstag, 27. Februar 2020

Wunder Hypnose

Ausgabe 2020.02
Seite 1 von 2

Die Hypnosepsychotherapie ist eine anerkannte, zertifizierte Behandlungsmethode, welche für viele Menschen die letzte Instanz in Sachen Heilungschance ist, vor allem, wenn es sich um psychische Erkrankungen handelt. GESÜNDER LEBEN hat mit Experten und Patienten über diesen bewusstseinsverändernden Halbschlafs gesprochen.


Foto: © iStock - Gwengoatwz

Die Herkunft des Wortes „Hypnose“ entstammt dem Griechischen, wo es so viel wie „schläfrig sein“ oder schlichtweg „schlafen“ bedeutet. Laut Duden handelt es sich bei einer Hypnose um einen „schlafähnlichen Bewusstseinszustand, der von jemandem durch Suggestion herbeigeführt werden kann und in dem die Willens- und teilweise auch die körperlichen Funktionen leicht zu beeinflussen sind“. Dabei kennt jeder von uns selbst Hypnose- oder Trancezustände – auch wenn man noch nie Klient eines Hypnotiseurs gewesen ist. So etwa Profisportler – sie versetzen sich vollkommen automatisch und unbewusst bei Wettkämpfen in Trancezustände. Sie fokussieren sich ausschließlich auf ihr Ziel. Was um sie herum passiert, wird nur rudimentär wahrgenommen. Frauen würden eine Geburt und ihre Strapazen nicht so gut bewältigen, würden sie sich nicht selbst in einen Hypnosezustand versetzen können. Aber auch jeder Autofahrer kennt die Situation: Man fährt auf der Autobahn von A nach B und fragt sich schlussendlich, was die letzten 100 Kilometer so passiert ist, weil man plötzlich merkt, schon längst angekommen zu sein. „Dennoch hat man keinen Unfall gebaut. Das aber eben genau deshalb, weil unser Unterbewusstes deutlich zuverlässiger ist als unser wacher, nur scheinbar so klarer Verstand. Denn, eigentlich ist genau er es, der uns ablenkt und uns oft davon abhält, so zu agieren oder so zu fühlen, wie wir uns das eigentlich wünschen würden“, erklärt Franz Podek, Hypnosepsychotherapeut im burgenländischen Bad Sauerbrunn.

Selbstversuch

WER HEILT, HAT RECHT!

Als ich mich an die Recherchen zu diesem Thema gesetzt habe, habe ich mich selbst ertappt, Hypnose als etwas zu betrachten, das Magiershows und Zaubertricks gleichkommt. Für einen Journalisten ist es nicht immer leicht, zu wissen, was ist wahr und was ist unwahr. Man führt Interviews, liest nach, hinterfragt kritisch und letztlich versucht man sich eine möglichst objektive Meinung von etwas zu bilden und diese mit seinen Medienkonsumenten zu teilen. Doch nicht jedes Mal gelingt einem das, da man – vor allem im Gesundheitsjournalismus – nicht alles selbst testen kann. Man kann sich nicht die Haare transplantieren lassen, obwohl man darüber schreiben sollte. Man kann nicht jede vermeintliche Abnehmkur an sich ausprobieren und man kann sich erst recht nicht unter das Messer legen, nur weil es jetzt eine neue Operationsmethode gibt. Aber Hypnose, das ist etwas anderes. Das kann man durchaus selbst erfahren und so tat ich das auch.

Als ich das Büro von Franz Podek betreten hatte, erwartete mich eine wohnzimmerähnliche Atmosphäre, inklusive gemütlichem Fernsehsessel und gepolsterter Armlehnstühle. Auf einem davon saß mein Hypnosetherapeut und auf dem anderen ich. Da ich aber bald merkte, dass ich mich gerne ein wenig bequemer positionieren würde, wählte ich doch den verstellbaren TV-Fauteuil.
Bevor es losging, habe ich in ganz knappen Sätzen erklärt, welche Angelegenheit ich gerne behandelt hätte. Eine einzige Situation, die mich aus der Bahn wirft. Da mir nur selten etwas peinlich ist, bin ich gerne offen und will mein Anliegen hier teilen. Ich habe Panik vor Begräbnissen. Vor jedem. Klar, es ist nie schön, wenn jemand stirbt, und immer traurig, aber das allein ist es nicht. Ich bekomme dort Atemnot, Angstzustände, will am liebsten weglaufen. Zumindest denke ich das und gehe allein deshalb gar nicht erst hin – rein aus Sicherheitsmaßnahme. Logisch, rational und objektiv nicht einmal ansatzweise erklärbar. Ich bekomme diese Zustände sogar bereits, wenn ich nur an ein Begräbnis denke. Das erste und tatsächlich einzige Mal ging es mir so bei dem Begräbnis meiner Oma mütterlicherseits, als ich 13 Jahre alt war. Seither betrat ich Kirchen nur mehr zu fröhlichen Anlässen. Menschen mit Höhenangst spüren vielleicht Ähnliches, wenn sie sich vorstellen, auf eine Leiter zu steigen, oder Klaustrophobiker, wenn sie vor einem Fahrstuhl warten und nur überlegen einzusteigen. Franz Podek meinte, mir mit nur einer Trancesitzung dieses furchterregende Gefühl nehmen zu können. Gesagt, getan.

Nachdem er mir vorab nur ein paar wenige Fragen gestellt hatte, die ich mit schnellen, kurzen und prägnanten Aussagen beantworten musste, ging es los. Augen zu und ich sollte mir nur in Gedanken ausmalen, was er mir mit Erzählungen anwies. Auf einer imaginären Zeitachse – eigentlich sogar darüber schwebend und nicht auf ihr – flogen wir in die Zukunft, dann wieder in das Hier und Jetzt und schließlich in die Vergangenheit. Es stellte sich heraus, dass in meiner frühen Kindheit irgendein Erlebnis ausschlaggebend gewesen sein muss, das für diese Panik, Angst und Atemnot verantwortlich sein sollte. Was dieses Ereignis war, das konnte ich nicht herausfinden. Ist aber auch irrelevant, da ich trotzdem Positives statt Negativem mit diesem damals Erlebten verbinden konnte. Wie soll ich das erklären …? Ich schickte in dieses Negativerlebnis etwas Positives hinein, besser gesagt weißes Licht. Dieses sendeten wir letztlich die gesamte Zeitachse hinweg, bis in meine Zukunft hinein. Als ich erwachte und an ein Begräbnis denken sollte, regte sich nichts. Klar, ich will nicht, dass jemand stirbt, der mir nahe steht. Wer will das schon? Aber ich fühle mich bereit, ihm den letzten Willen zu erweisen, ohne Panikattacke.
Hokuspokus? Keine Ahnung. Aber wie hat es Franz Podek so schön formuliert: „Wer heilt, hat recht,“ und dem stimme ich zu.

Übersicht zu diesem Artikel:
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