Sonntag, 19. Mai 2019

Wunder Akupunktur

Ausgabe 2016.7/8
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Gesund durch Nadeln

Die Akupunktur als älteste Heilmethode der traditionellen chinesischen Medizin hat sich mittlerweile ihren Platz auch in der Schulmedizin erkämpft: Die Wirkung der „Therapie mit Nadeln“ ist wissenschaftlich nachgewiesen. gesünder leben beantwortet die zehn wichtigsten Fragen rund um das Thema.


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Woher kommt Akupunktur eigentlich?
Akupunktur ist die älteste und somit auch bekannteste Heilmethode der traditionellen chinesischen Medizin. Bereits vor rund 3000 Jahren wurden in China mithilfe der „Therapie mit Nadelstichen“ (lat.: acus = Nadel, punctio = das Stechen) verschiedenste Erkrankungen wirkungsvoll behandelt. Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung der Akupunktur stammt aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus: Der chinesische Historiker Sima Qian erwähnte in seinen Aufzeichnungen erstmals Steinnadeln. In den 1930er-Jahren fand die Akupunktur erstmals ihren Weg nach Europa, ab den 1970ern wurde sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. In Österreich ist die Akupunktur seit 1986 als Heilmethode (der Komplementärmedizin) offiziell anerkannt.

Welche Idee steckt hinter der Akupunktur?
Grundsätzlich basiert das Konzept der Akupunktur auf der Annahme, dass der Körper von einem Netz sogenannter Meridiane, durch das die Lebensenergie (chinesisch: „Qi“) fließt, durchzogen ist. Die Funktionen aller Organe, auch das seelische Wohlbefinden beruht auf dieser Lebensenergie. Ist der Energiefluss gestört, kommt es zu Beschwerden oder Erkrankungen. „Man kann sich die Meridiane wie unsichtbare Gefäßsysteme vorstellen“, erklärt die Wiener Ganzheitsmedizinerin und Akupunkteurin Dr. Eva Maria Zito (www.zitomethode.at). „Wie Perlen an einer Kette gibt es entlang der Meridiane insgesamt 361Akupunkturpunkte, mit deren Hilfe man die Energieflüsse regulierend beeinflussen kann.“ Diese Akupunkturpunkte stehen mit einzelnen Organen und Organbereichen in direkter Verbindung. Anhand kleiner Nadeln, die in die Haut an genau diesen Punkten gestochen werden, soll der Fluss des Qi wieder ungehindert möglich gemacht werden. Zito definiert Gesundheit als „störungsfreie Vernetzung aller Organe, Muskeln, Nerven, des Bindegewebes und der Haut.“

Das klingt sehr esoterisch. Wirkt Akupunktur wirklich?
Akupunktur ist mittlerweile auch in der Schulmedizin anerkannt, die Wirkung wissenschaftlich bewiesen und wird von zahlreichen Ärzten als Therapieergänzung empfohlen. „Das überrascht nicht, denn das angeblich große Geheimnis der Akupunktur ist in Wirklichkeit keines und kann medizinisch gut erklärt werden“, stellt Zito klar. So sei Akupunktur, erklärt die Expertin, im Grunde eine „Regulationstherapie“, das heißt, der Nadelstich bewirkt einen positiven Reiz und löst dadurch bestimmte Reaktionen im Körper aus. Einerseits kommt es so zu einer allgemeinen Entspannung des Gefäßsystems und dadurch zur Senkung des Blutdrucks. Der Spannungszustand der kleinen Blutgefäße sinkt ebenfalls, somit gelangt mehr sauerstoffreiches Blut ins Gewebe und beugt der Entstehung von Entzündungen und Krankheiten vor. Zugleich reagiert der Körper auf den Fremdkörper Nadel mit der Aktivierung der eigenen Selbstheilungskräfte. Die Wundheilung setzt ein, Endorphine und Neurotransmitter werden freigesetzt: Diese Substanzen wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und psychisch entspannend. Diese allgemeine Entspannung, das „Runterkommen vom Alltagsstress“, wie Zito es ausdrückt, bewirkt zusätzlich eine Regeneration des Körpers.

Bei welchen Krankheitsbildern findet Akupunktur ihre Anwendung?
Mit der Akupunktur können sowohl chronische als auch akute Beschwerden behandelt werden. „Wichtig ist, den Patienten immer ganzheitlich zu betrachten“, ist Zito überzeugt. „Akupunktur sollte stets ergänzend zur Schulmedizin erfolgen. Natürlich kann man mit Akupunktur nicht Krebs oder einen akuten Bandscheibenvorfall heilen, aber sie trägt erheblich zur Genesung sowie zur Linderung der Beschwerden bei, zum Beispiel im Rahmen einer Chemotherapie.“ Einige Anwendungsgebiete der Akupunktur sind: Erkrankungen des Bewegungsapparates, neurologische Erkrankungen, Allergien, Erkrankungen der Atemwege, Hautkrankheiten, vegetative Störungen (unter anderem Schlafstörungen), leichte Depressionen, Suchterkrankungen, Erkrankungen des Verdauungssystems, gynäkologische Krankheiten (zum Beispiel auch Wechselbeschwerden), Burn-out sowie HNO-Beschwerden. Zito: „Akupunktur ist immer dann berechtigt, wenn man sie richtig einsetzt und erkennt, welche etwaige Krankheit hinter den Beschwerden steckt.“

Wann darf Akupunktur nicht angewandt werden?
Bei akuten Infektionskrankheiten ist von einer Akupunktur-behandlung abzuraten. Während einer Schwangerschaft sollten nur bestimmte Akupunkturpunkte aktiviert werden. Bei Kindern wird statt Nadeln meist Laser verwendet.

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