Dienstag, 26. September 2017

Wirbel­einbrüche einfach „wegzementieren“

Ausgabe 2017.07-08

Wirbeleinbrüche können infolge einer Osteoporose auftreten und starke Rückenschmerzen verursachen. Dank eines besonders schonenden Operationsverfahrens klingen die Beschwerden oft vollständig ab.


Foto: iStock-solidcolours

 

In Österreich leiden knapp 20 Prozent aller Frauen über 50 Jahren an Osteoporose, also an einer deutlichen Reduktion von Knochenmasse bzw. einer veränderten Knochenstruktur. Sie neigen – selbst bei leichtem Stolpern im Alltag – zu häufigen Knochenbrüchen und sind daher leider auch vor Wirbeleinbrüchen nicht gefeit. Bei einem Einbruch eines Wirbelkörpers entstehen zum Teil sehr starke Schmerzen. Zudem sind Verformungen der Wirbel und später der gesamten Wirbelsäule möglich, die zu dem typischen „Witwenbuckel“ führen können. Besonders betroffen sind vor allem Brust- und Lendenwirbel, da hier ein großes Gewicht auf den Wirbelkörpern lastet. „Früher hat man mit diesem Bruchschmerz monate-lang leben müssen und konnte ihn nur mit starken Medikamenten lindern“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Petra Krepler, Fachärztin für Orthopädie und orthopädische Chirurgie sowie Leiterin des Wirbelsäulenteams an der Universitätsklinik für Orthopädie Wien.

Zement stabilisiert Wirbelkörper. Licht am Ende des Tunnels ist hier etwa um die Jahrtausendwende entstanden. „Mithilfe von modernen und minimalinvasiven operativen Verfahren wie der sogenannten Kyphoplastie können einzelne Wirbelkörper punktiert, mit Knochenzement verfestigt und dadurch stabilisiert werden. Schmerzen werden somit nicht nur gelindert, sondern können gänzlich verschwinden“, so Krepler. „Weltweit gab es damals einen großen Hype rund um dieses neue Verfahren aus den USA, das mit einem kleinen Eingriff und geringem Risiko große Erfolge versprach.“

Was passiert dabei? Bei der Kyphoplastie wird – meist unter Lokalanästhesie – eine Kanüle in den eingebrochenen Wirbelkörper geschoben und durch ihn ein Ballonkatheder in den Wirbel eingeführt. Dieser Ballon wird aufgeblasen, wodurch ein Hohlraum entsteht. „Der eingebrochene Wirbelkörper richtet sich dadurch wieder auf und erreicht bis zu 100 Prozent seiner ursprünglichen Höhe“, weiß Krepler. „In den neu geschaffenen Hohlraum wird nun unter Druck ein zähflüssiger Bio-Knochenzement gefüllt, der chemisch betrachtet der Substanz eines Superklebers ähnelt.“ Bereits bei Körpertemperatur härtet dieser Zement aus und sorgt in den meisten Fällen dank Stabilisierung und Aufrichtung des Wirbelkörpers für eine unmittelbare Schmerzreduktion. „Betroffene können nach dieser Operation zumeist unmittelbar aufstehen und selbstständig nach Hause gehen. Auf die Einnahme von Medikamenten kann danach oftmals verzichtet werden“, so Krepler.

Schmerz ade! Studien zufolge hatten bis über 90 Prozent der Behandelten nach diesem Eingriff deutlich geringere Schmerzen und waren beweglicher. Viele wurden nach Beseitigung des Wirbelbruchs komplett schmerzfrei. Nebenwirkungen treten äußerst selten auf, und wenn doch, dann sind sie meist eine Folge des unerwünschten Austritts von Knochenzement. Diese moderne Operationsmethode wird übrigens nicht nur bei schmerzhaften osteoporotischen Kompressionsfrakturen angewandt. „Auch bei Unfallfolgen oder Tumoren kommt dieses Verfahren zum Einsatz“, betont Krepler.

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