Mittwoch, 19. September 2018

Wie schädlich sind Röntgenstrahlen?

Ausgabe 2018.04

Das Röntgen zählt zu den am häufigsten durchgeführten bildgebenden Verfahren. Röntgenaufnahmen erleichtern dem behandelnden Arzt eine sichere Diagnosestellung. Doch wie schädlich sind Röntgenstrahlen eigentlich?


Foto: iStock-Portra

Wilhelm Conrad Röntgen hat sich 1901 den ersten Nobelpreis für Physik redlich verdient! Die Entdeckung der Röntgenstrahlen war ein Segen für den Fortschritt der gesamten Medizin. Die diagnostische Anwendung ist mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Praxis. Die Früherkennung von schweren Erkrankungen ist heutzutage ohne radiologische Bildgebungsverfahren kaum noch denkbar. Dennoch gilt: Risiko und Nutzen einer Röntgenuntersuchung müssen im Einzelfall sorgsam abgewogen werden. Der Nutzen sollte das Risiko auf jeden Fall rechtfertigen. Das bestätigt auch Dr. Irene Maresch, Fachärztin für Radiologie in Innsbruck, und gibt zu bedenken: „Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass jede Art von ionisierender Strahlung, zu welcher auch die Röntgenstrahlung gehört, für den lebenden Organismus eine potenzielle Belastung darstellt und ein Schadensrisiko beinhaltet.“ Und weiter: „Jede noch so kleine Strahlendosis kann Krebs auslösen. Es gibt keine untere Schwellendosis. So kann im schlimmsten Fall bereits eine einzige Röntgenuntersuchung die DNS einer Körperzelle verändern. Diese Veränderungen können eine Krebserkrankung zur Folge haben.“

Buchtipp

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Keine Angst vor Strahlen?
Pro Business, € 15,40

In ihrem Buch erklärt die Autorin die Wirkung der Röntgenstrahlung auf den Organismus und klärt über das gesundheitliche Risiko von Röntgenuntersuchungen auf. Themen wie Mammografie-Screening oder Röntgen bei Kindern werden aufgrund der Aktualität ausführlicher behandelt und diskutiert.

Immer mehr – aber notwendig? Die Häufigkeit von Röntgenuntersuchungen hat in den vergangenen Jahren aber stetig zugenommen. Nehmen zuweisende Ärzte das Strahlenrisiko nicht wirklich ernst? Maresch dazu: „Ich glaube, dass die Strahlenbelastung von manchen Ärzten einfach nur falsch eingeschätzt wird. Das geht auch aus einer interessanten Studie der Ruhr-Universität Bochum (Deutschland) hervor. 119 Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen (keine Radiologen) wurden über die Strahlenbelastung bei bildgebenden Verfahren befragt. 72 Prozent unterschätzten zum Beispiel die Strahlendosis einer Computertomografie (CT) des Brustraumes im Vergleich zu einem Lungenröntgen. Die effektive Strahlendosis der Computertomografie ist nämlich um das bis zu 500-fache höher, nur das war vielen nicht bewusst.“

Muss es stets Röntgen sein? „Es liegt mir fern, Röntgenuntersuchungen prinzipiell zu verteufeln und abzulehnen“, so die Medizinerin weiter. „Das Röntgen ist eine großartige und wichtige Errungenschaft der Medizin und ein wertvoller Pfeiler der medizinischen Diagnostik. Dennoch soll mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen werden, dass bei jeder Anwendung von Röntgenstrahlung die medizinische Notwendigkeit kritisch bewertet werden muss. Denn für viele Fragestellungen gibt es auch alternative Schnittbildverfahren ohne ionisierende Strahlung, wie etwa die Magnet-resonanztomografie (MRT) oder die Sonografie (Ultraschall).“ Kinder sind besonders strahlenempfindlich und haben ein höheres Strahlenrisiko. Da bei Kindern die Zellteilungsrate höher ist als bei Erwachsenen und kindliches Gewebe mehr Flüssigkeit enthält, ist bei ihnen auch die Gefahr größer, dass während der Zellteilung durch ionisierende Strahlung Zellen geschädigt werden. Deshalb sollte man bei Kindern und Jugendlichen auf jeden Fall Untersuchungsverfahren ohne ionisierende Strahlung den Vorzug geben. Oft ist eine Sonografie als Basisuntersuchung ausreichend. Kurz: Untersuchungen, die auf Röntgenstrahlen basieren, können eine Veränderung des genetischen Materials einer Zelle mit sich bringen. Und obwohl der Großteil solcher Schädigungen beim gesunden erwachsenen Menschen durch körpereigene Reparaturmechanismen repariert werden kann, sollte jede Untersuchung vom Patienten kritisch hinterfragt werden. Jede Röntgenaufnahme bedeutet Strahlung. Deshalb: Lassen Sie sich als Patient die Notwendigkeit einer Röntgenuntersuchung immer ausführlich erklären und begründen!

Der mündige Patient ist gefordert. An dieser Stelle sei eines nochmals explizit festgehalten: Ein auf Röntgenstrahlen basierendes Verfahren wie die Computertomografie (CT) kann bei Verdacht auf eine lebensgefährliche Hirnblutung nach einem Unfall oder bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen Leben retten! Das steht außer Frage. Doch viele konventionelle Röntgenaufnahmen werden nach wie vor sorglos und ohne genaue Indikation durchgeführt. In diesem Zusammenhang stellen Wiederholungsuntersuchungen (z. B. bei einem Arztwechsel) das größte Problem dar. Schutz vor wiederholten Aufnahmen würde zum Beispiel ein sogenannter Röntgen-Pass bieten. Das Dokument ist in Österreich freiwillig, hat sich aber leider in der Praxis noch nicht durchgesetzt. Vielen Patienten ist die Möglichkeit der Verfügbarkeit von Informationen über bereits angefertigte Röntgenaufnahmen in Form eines Röntgenpasses auch nicht bekannt.
Unser Tipp: Archivieren Sie Ihre Röntgenaufnahmen, nehmen Sie diese (etwa bei einem Arztwechsel) mit. 

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