Montag, 27. Mai 2019

Wie schädlich ist Zucker wirklich?

Ausgabe 2017.05
Seite 1 von 2

Um den Zucker ranken sich viele Mythen: Ist er tatsächlich schädlich? Was versteht man unter Zucker eigentlich genau und wo ist er versteckt? Und gibt es gesunde Alternativen? gesünder leben bringt Licht in die süße Sache.


Foto: Image Source - iStock

Er ist seit geraumer Zeit (wieder) in aller Munde – und das nicht nur im übertragenen Sinne: der Zucker. Gesundheitsexperten warnen vor dem „süßen Gift“; immer mehr Ratgeber, die für Zuckerverzicht plädieren, kommen auf den Markt und auch der ORF machte im März den Zucker und seine ungesunden Folgen zu seinem Programmschwerpunkt. Ist Zucker tatsächlich derart schädlich, wie man hört? Und was bezeichnet man eigentlich genau als „Zucker“?

Die Dosis ist das Gift. „Ich verteufle den Zucker keineswegs!“, betont der Wiener Internist und ORF-Gesundheitsexperte Dr. Siegfried Meryn (www.meryn.at). „Aus der Evolution weiß man: Die Geschmacksrichtung ‚süß’ wurde stets mit ‚nicht giftig’, mit ‚alles ist in Ordnung’ gleichgesetzt. Der süße Geschmack war also so etwas wie eine Überlebenshilfe, Zucker wurde gar als weißes Gold bezeichnet“, beleuchtet der Experte die Geschichte des Zuckers. „Daher ist klar: Zucker an sich ist nicht giftig!“ Im Gegenteil: Zucker und Kohlenhydrate sind wichtige Energielieferanten, ohne die es keine Zellvorgänge gäbe. „Viel mehr als den Zucker an sich verteufle ich seinen Überkonsum!“, stellt Meryn klar. „Es kommt auf die Menge an! An den Philosophen Paracelsus angelehnt, könnte man sagen: Die Dosis ist das Gift!“ Denn obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, nicht mehr als 25 Gramm Zucker pro Tag zu sich zu nehmen (das sind weniger als zehn Kilogramm jährlich!), liegt der Zuckerverbrauch in Österreich weit über diesen Richtlinien: 80 bis 90 Gramm Zucker pro Tag konsumieren Herr und Frau Österreicher, im Jahr macht das eine unglaubliche Summe von 35 Kilogramm Zucker. „Viel zu viel“, kritisiert Meryn. „In Europa ist das große Fressen ausgebrochen! Zu süß, zu salzig, zu viele Kalorien.“

Diabesity. Laut WHO gehen weltweit 35 Millionen Todesfälle jährlich auf das Konto von Zucker, Tendenz steigend. In den letzten Jahrzehnten hat sich Diabetes zu einer Volkskrankheit entwickelt: Derzeit sind in Österreich 600.000 Menschen an Diabetes Typ 2 erkrankt, im Jahr 2030 werden es 800.000 sein. „Übergewicht, Fettleibigkeit und Bewegungsmangel fördern die Entstehung des Typ-2-Diabtes, weshalb auch immer mehr Kinder und Jugendliche daran erkranken“, betont Meryn, der gar von einem neuen Krankheitsbild spricht, das zwar weit- verbreitet ist, für das man aber erst seit Kurzem einen neuen Namen gefunden hat: Diabesity, also die Kombination aus Diabetes und Adipositas. „Übergewicht und Zuckerkrankheit gehen sehr oft Hand in Hand, sie bedingen sich oft gegenseitig und und können einander auslösen“, erklärt der Experte. „Die WHO sagt klipp und klar, dass Fettleibigkeit mittlerweile vor dem Rauchen die größte und gefährlichste Epidemie weltweit ist.“ Abgesehen von Diabetes und Übergewicht verursacht ein zu hoher Zuckerkonsum aber noch andere Krankheiten, wie zum Beispiel Karies, Bluthochdruck oder eine Verfettung der Leber, die im schlimmsten Fall zu einer Leberfibrose oder gar zu einer Leberzirrhose führen kann. „Eine Fettleber darf nicht verharmlost werden!“, warnt Meryn. „In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl der Betroffenen, in direkter Relation zur Zunahme des Körperumfangs und zum Konsum an Fetten und Kohlenhydraten und damit Kalorien, dramatisch gestiegen!“ Laut Studien kann ein Zuviel an Zucker zudem unser Herz und gar das Gehirn schädigen.

Mysterium Zucker. Symptome, dass unser Blutzucker zu hoch sein könnte und wir uns vielleicht sogar bereits in einem Anfangsstadium von Diabetes befinden, sind zum Beispiel ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit, trockene und juckende Haut, vermehrter Durst und Harndrang, schlechtere Wundheilung sowie eine höhere Anfälligkeit für Infektionen oder Wundbildung. „Es ist ratsam, auf den eigenen Körper zu hören, denn man verliert schnell den Überblick, wie viel Zucker wir am Tag tatsächlich zu uns nehmen“, rät Meryn. Das liege, erklärt der Experte weiter, zum einen an den vielen versteckten Zuckerfallen in unserem Speiseplan: Denn auch in Fertigprodukten, Ketchup, Fruchtjoghurt, Bier, Currywurst, Weißbrot, Frühstücks-Cerealien oder Fruchtsäften ist jede Menge Zucker enthalten. Aber auch die Tricks der Lebensmittelindustrie haben es in sich: „Diese hat zurzeit noch wenig Interesse, in Nahrungsmitteln auf Zucker zu verzichten, da der süße Geschmack beliebt ist und Lust auf mehr macht. Also ist die Industrie trickreich geworden, um Zucker in Nahrungsmitteln zu verstecken.“ Zucker ist zwar sehr wohl In der Inhaltsstoff-Liste ausgewiesen, jedoch in verschiedene Kategorien unterteilt, sodass er auf den ersten Blick für den Laien nicht sofort als Zucker erkenntlich ist: Saccharose (Kristallzucker), Fructose (Fruchtzucker), Lactose (Milchzucker), Glucose (Traubenzucker), Maltose (Malzzucker) sowie die meisten anderen Bezeichnungen mit der Endung „-ose“ sind Zuckerformen. Dass beispielsweise Fruchtzucker gesünder als der Haushaltszucker oder brauner Zucker dem weißen vorzuziehen sei, ist ein Irrglaube, betont Meryn: „Zucker ist gleich Zucker ist gleich Zucker! Der Körper unterscheidet nicht zwischen Zucker oder beigefügtem Zucker.“ Klar, die Inhaltsstoffe jedes einzelnen Produktes beim Einkauf genau zu studieren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Aber: Neben dem Achten auf die „-ose“-Endung „gilt vor allem die Regel: Je industrieller ein Produkt hergestellt wurde, desto höher ist sein Zuckergehalt!“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wie schädlich ist Zucker wirklich?
Seite 2 Kohlenhydraten

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-05 130x173

Aktuelles Heft 05/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Juni

 

Unsere Ausgabe 04/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie informieren Sie sich über Nebenwirkungen von Medikamenten?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information