Montag, 20. Mai 2019

Wie gefährlich sind Kinderkrankheiten wirklich?

Ausgabe 2015.06
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Immer häufiger erkranken auch Erwachsene an Masern, Mumps und Co. Ein Experte erklärt, welche Folgen diese Infektionen haben können und wie wir uns am besten schützen.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - deandrobot

Eine Kinderkrankheit ab Mitte 30? Heute keine Ausnahme mehr, sondern eher schon die Regel. So treten zwei Drittel aller Keuchhusten-Fälle im Erwachsenenalter auf, wie das renommierte Robert-Koch-Institut in München meldet. „Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei Masern, Mumps und Feuchtblattern“, berichtet Kinderarzt Prim. DDr. Peter Voitl aus Wien. Die sinnvollste Vorbeugmaßnahme ist nach wie vor die Schutzimpfung. Aber sehen wir uns die häufigsten Kinderkrankheiten im Detail an:

Röteln
Die Fakten. Da die Erkrankung an sich harmlos ist, wird sie meist unterbewertet. Komplikationen sind bei gesunden Erwachsenen selten, bei der Hälfte der Infizierten treten übrigens gar keine Symptome auf. Steckt sich allerdings eine werdende Mutter mit dem Rubellavirus an, drohen dem Kind Missbildungen im Gehirn, an Augen oder Herz. Ansonsten zeigt sich die Krankheit wie eine Erkältung mit leichtem Fieber sowie Hautausschlag und Gelenksbeschwerden.
Was kann ich tun? Erst zehn Tage nach Beginn des Ausschlags sind Röteln nicht mehr ansteckend, so lange sollte man zumindest zu Hause bleiben. Frauen mit Kinderwunsch wird dringend geraten, per Bluttest feststellen zu lassen, ob sie ausreichend Antikörper im Blut haben. Eine Impfung gegen Röteln ist nur außerhalb der Schwangerschaft möglich.

Masern
Die Fakten. Masern werden durch Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen. Die typischen Anzeichen für diese Kinderkrankheit sind Schnupfen, Husten, Fieber, Bindehautentzündung mit Lichtempfindlichkeit und rote Flecken am ganzen Körper. Sie treten erst zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung auf. Masern sind alles andere als eine harmlose Erkrankung: Bei immerhin rund einem Fünftel der Erkrankten kommt es zu Komplikationen – von Bronchitis bis hin zu Gehirnhautentzündung. Bei Erwachsenen verläuft die Infektion mit dem hoch ansteckenden Virus meist schwerer als bei Kindern. Wer als Kind an Masern erkrankt, ist später dagegen immun. In Österreich müssen Masernfälle der Gesundheitsbehörde gemeldet werden.
Was kann ich tun? Mediziner Voitl empfiehlt, den persönlichen Impfstatus überprüfen zu lassen (siehe Kasten Impfen): Impflücken gibt es insbesondere bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen bis 45, die als Kleinkinder nicht zwei Mal gegen Masern geimpft wurden. Der Impfstoff für die Jahrgänge 1966 bis 1976 wirkt zudem höchstwahrscheinlich nicht mehr. Die Impfung ist kostenlos.

Keuchhusten (Pertussis)
Die Fakten. Untersuchungen belegen, dass ungefähr zehn Prozent der Hustenerkrankungen, die länger als eine Woche dauern, durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst werden – dem Erreger von Keuchhusten. Da bei Erwachsenen das typische Keuchen und oft auch der bellende Husten fehlt, lautet die Selbstdiagnose meist „zähe Bronchitis“. Bis Keuchhusten komplett ausgeheilt ist, dauert es gut zwei Monate, Antibiotika helfen nur bedingt. Gefährlich ist diese Krankheit vor allem für Säuglinge unter sechs Monaten, die während der Hustenattacken einen Atemstillstand bekommen können, sowie für ältere Menschen mit einer Lungenerkrankung wie Asthma und COPD.
Was kann ich tun? Erwachsene ohne ausreichenden Impfschutz stellen eine Infektionsquelle für Neugeborene dar, die noch nicht geimpft werden können. Weil Keuchhusten im Säuglings-alter häufig vorkommt und dann besonders schwer verläuft, sollte möglichst früh geimpft werden. Zwischen 18 und 60 Jahren soll alle 10 Jahre eine Auffrischungsimpfung erfolgen, ab dem 60. Lebensjahr alle 5 Jahre. Schwangere können auch noch geimpft werden, um dann das Neugeborene zu schützen.


Scharlach
Die Fakten. Scharlach kann man mehr als ein Mal bekommen: Die Streptokokken-Bakterien treten in zahlreichen Variationen auf, und man ist nur jegen jene Stämme immun, die einen schon einmal per Tröpfcheninfektion krank gemacht haben. Typisch sind die rote Himbeerzunge, fleckiger Hautausschlag und Fieber.
Was kann ich tun? Meist wird Penicillin verschrieben, das auch die Ansteckungsgefahr für andere minimiert. Achtung: Wird das Antibiotikum nicht ausreichend lange geschluckt, kommt die Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder.

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