Donnerstag, 19. September 2019

Wie gefährlich ist dieses Virus?

Ausgabe 2014.10

Seit März dieses Jahres hält die in Guinea, Liberia und Sierra Leone ausgebrochene Ebola-Epidemie die Welt in Atem – auch Österreich.


Foto: Can Stock Photo Inc. - pockygallery

Bis Mitte September sind laut WHO mehr als 1.840 Menschen an Ebola verstorben und es wurden bis zu 3.685 Krankheitsfälle gemeldet – die Dunkelziffer dürfte freilich um ein Vielfaches höher sein. Allen Bemühungen zum Trotz und obwohl die Epidemie, die seit März in den westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone wütet, bereits zum „internationalen Gesundheitsnotfall“ erklärt wurde, breitet sich das Virus weiter aus – und zwar in bedrohlichem Ausmaß. Es scheint, als würde nicht nur Westafrika, sondern die ganze Welt im Kampf gegen Ebola scheitern. So schrieb die Weltgesundheitsorganisation in einer Aussendung Anfang September: „Die WHO wird die Welt zur Rechenschaft ziehen, auf diesen äußersten Notfall zu reagieren, der mit beispiellosen Dimensionen menschlichen Leidens einhergeht.“ Damit nicht genug, verschlimmern sich seit September auch die Konflikte rund um die Epidemie: Es wird von Aufständen und gewaltsamen Protesten berichtet, von streikenden Ärzten und Pflegern.

Ebola in Österreich? Auch hierzulande sorgten Meldungen über mögliche Ebola-Fälle in den vergangenen Wochen für Aufregung. Zwar konnte Entwarnung gegeben werden und laut einer Risikoeinschätzung des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) sei die Gefahr einer Infektion für EU-Bürger durch Reisende unwahrscheinlich – unmöglich sei sie allerdings nicht. Genauso wenig kann ein Übergreifen der Epidemie auf Österreich ausgeschlossen werden. Seitens des Bundesministeriums für Gesundheit wird jedoch beruhigt: Es gebe einen „klaren Notfallplan“ und man sei „gut gerüstet“. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) betont außerdem, dass sie seit Ausbruch der Ebola-Epidemie mit allen relevanten nationalen und internationalen Organisationen in stetem Kontakt stehe.

Reiseziel Afrika

Afrika ist als Winterreiseziel bekannt und beliebt. Viele stehen nun vor der Frage: Müssen Reisepläne aufgrund der aktuellen Ebola-Epidemie überdacht oder gar geändert werden?

Das komme darauf an, wie sich die Lage in den nächsten Monaten entwickle, so Tropenmediziner Dr. Michael Kühnel: „Guinea, Liberia und Sierra Leone sind keine klassischen Urlaubsziele. Breitet sich das Virus aber in Richtung Osten oder Süden aus, könnte es gefährlich werden, immerhin wären dann mitunter beliebte Destinationen wie Kenia oder Südafrika betroffen.“ Zum jetzigen Zeitpunkt rät das Außenministerium unter anderem aufgrund der Ebola-Epidemie von nicht notwendigen Reisen in die westafrikanischen Länder 1. Guinea, Liberia und Sierra Leone dringend ab und spricht von einem hohen Sicherheitsrisiko (Sicherheitsstufe 4 von 6). Auch in der zentralafrikanischen Republik 2. Kongo wurde ein Ebola-Ausbruch gemeldet, allerdings hänge dieser laut dem kongolesischen Gesundheitsministerium nicht mit dem Ausbruchgeschehen in Westafrika zusammen: Wie vom ECDC bestätigt, handle es sich um einen lokalen Ausbruch mit einem anderen Erregerstamm. Zumindest für die Provinzen im Osten des Landes gab das Außenministerium eine partielle Reisewarnung aus (Sicherheitsstufe 5).

Sicherheitsinformationen für Auslandsreisen
www.bmeia.gv.at/reise-aufenthalt/reiseinformation/ und unter 050 11 50 3775. Oder unter der AGES-Infoline zu Ebola: 050 555 555 (werktags zw. 8 und 17 Uhr)

Bis zu 80 Prozent sterben. Die Inkubationszeit – also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit – liegt zwischen zwei Tagen und drei Wochen. Das Problem sei, so Dr. Michael Kühnel, Arzt für Allgemein- und Tropenmedizin in Wien, der im Juni drei Wochen im Osten von Sierra Leone verbrachte, „dass die Symptome anfangs sehr unspezifisch sind: Fieber, Schwächegefühl, Kopf- und Muskelschmerzen können genauso auf andere Erkrankungen hindeuten.“ Im weiteren Verlauf leiden Betroffene unter Durchfall, Erbrechen, Ausschlag sowie Funktionsstörungen der Leber und Nieren. „Die Patienten verlieren sehr viel Flüssigkeit, es kommt zur Dehydrierung, in manchen Fällen sogar zu inneren und äußeren Blutungen und zum Multiorganversagen“, so der Trinkwasser- und Hygienespezialist weiter. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, da es nach wie vor keine Medikamente gibt, die das Virus selbst bekämpfen – genau so wenig, wie es bislang gelungen ist, einen Impfstoff zu entwickeln. Neben fiebersenkenden Mitteln, der intravenösen Verabreichung von Flüssigkeit und hochkalorischer Nahrung bekommen die Patienten laut Kühnel auch Antibiotika, um anderen Krankheiten vorzubeugen. Allein: Bei bis zu 80 Prozent verläuft die Erkrankung dennoch tödlich.

Aggressives, jedoch labiles Virus. So unvorstellbar es klingen mag, doch das Risiko einer Ebola-Infektion ist an sich gering. Der Grund: Selbst bei flüchtigem Kontakt mit erkrankten Menschen wird das Virus laut AGES nicht übertragen, abgesehen davon, dass infizierte Personen während der Inkubationszeit nicht ansteckend sind. Ebola wird ausschließlich über den direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Urin übertragen – allerdings sowohl von lebenden als auch toten Menschen und Tieren. Affen, Waldantilopen bzw. sogenanntes Bushmeat und nicht zuletzt die als Flughunde bekannten Fledermäuse gelten als Reservoir des Erregers, erklärt Kühnel: „Wird das Fleisch gut gekocht, besteht keine Gefahr. Bei der Zubereitung kann es aber zur Infektion kommen. Übrigens ein weiterer Grund, warum mehr Frauen als Männer an Ebola erkranken, schließlich sind sie nicht nur für die Krankenpflege, sondern auch die Zubereitung der Speisen zuständig.“ Ebenso trage der Umgang mit den Toten zur Ausbreitung des Virus bei: „Ähnlich wie bei uns werden die Verstorbenen in Westafrika gewaschen und angezogen. Das Problem: Die Toten weisen eine sehr hohe Viruslast auf und sind somit hoch ansteckend.“ Um sich zu schützen, sollte man daher Körperkontakt grundsätzlich vermeiden und sich so oft wie möglich die Hände waschen und desinfizieren. Während es sich nämlich einerseits bzw. im Fall einer Infektion um einen äußerst aggressiven Krankheitserreger handelt, ist es anderseits ein recht labiles Virus, das sich laut AGES leicht durch Seife, Bleichmittel, Sonnenlicht oder Trocknen abtöten lässt.

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