Dienstag, 17. September 2019

Wie ein Deckel am Kochtopf

Ausgabe 2016.05
Seite 1 von 2

Bluthochdruck ist bei uns Todesursache Nummer eins. Reicht ein gesunder Lebensstil nicht aus, den Blutdruck auf ein Normalmaß zu senken, können Blutdrucksenker nötig werden.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - robynmac

Fast jeder dritte Todesfall in Europa geht auf Bluthochdruck zurück. Er verursacht sogar mehr Todesfälle als Krebs. Laut Weltgesundheitsorganisation ist Bluthochdruck (Fachausdruck: Hypertonie) weltweit das Gesundheitsproblem Nummer eins. „Die Folgeerkrankungen reichen von Herzinfarkt bis zu Schlaganfall. Von Bluthochdruck spricht man, wenn die Blutdruckwerte wiederholt bei 140/90 mm Hg oder darüber liegen. Der optimale Blutdruck eines Erwachsenen liegt bei 120/80 mm Hg“, sagt Primar Doz. Dr. Clemens Steinwender vom Kepler Universitätsklinikum Linz.

Lebensstil und Psyche. Ein gesunder Lebensstil ist zugleich die beste Prävention als auch erste Therapiemaßnahme. Um den Blutdruck auf einem gewünschten Level zu halten bzw. ihn auf ein solches zu senken, sind folgende Punkte entscheidend: Normalgewicht, viel Bewegung, kein Dauerstress, nicht rauchen, wenig Alkohol und eine gesunde, salzarme Ernährung. Auch Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsübungen, Meditation, Yoga etc. können sich positiv auf den Blutdruck auswirken. Oft stellt sich jedoch die Frage nach der Ursache. Ist der Körper „schuld“ oder die Psyche? Eine belastete Psyche kann durchaus Ursache für Bluthochdruck sein. Emotionen wie Ärger, Wut und starke Ängste führen zu Spannungszuständen im Körper, wir fühlen uns dann gestresst. In Stresssituationen steigt der Blutdruck aufgrund des erhöhten Adrenalinausstoßes enorm an. Oft fällt es Menschen mit hohem Blutdruck schwer, ihrem Ärger Luft zu machen und ihre Gefühle mitzuteilen. „Sie halten gleichsam den Deckel auf dem Kochtopf. Kann dieser psychische Stress nicht abgebaut werden (z. B. durch Gespräche, Sport, Entspannungsübungen) und treten diese Zustände immer wieder oder sogar dauerhaft auf, kann dies zu bleibendem hohen Blutdruck führen“, sagt der Linzer Psychotherapeut Dr. Hans Morschitzky.

Niedriger Blutdruck – was tun?

Sinkt der Blutdruck unter einen Wert von ungefähr 105/60 mm Hg, sprechen Mediziner von Blutniederdruck. Symptome wie Schwindel, Müdigkeit oder Sternchen-Sehen können darauf hinweisen. Der Blutniederdruck selbst ist keine Krankheit. Medikamente sind meist nicht nötig. Oft genügen einfache Hausmittel, um den Blutdruck auf Trab zu bringen. Zum Beispiel Wechselduschen oder Bewegung an der frischen Luft.
Niedriger Blutdruck ist meistens nicht besorgniserregend. Nur in seltenen Fällen liegt eine Erkrankung zugrunde, wie etwa eine Infektion, eine Schilddrüsenerkrankung, ein Herzfehler oder eine Unterfunktion der Nebennierenrinde.

Labiler Bluthochdruck – Zeit zu handeln. Sind die Blutdruckwerte nur bei körperlicher oder seelischer Belastung erhöht, ansonsten aber normal, bezeichnet man das als labilen Bluthochdruck. „Das ist der Zeitpunkt, in dem man handeln sollte. Man sollte sich seinen Lebensstil ansehen und diesen verbessern. In der Regel bedeutet das: weniger Stress, mehr Bewegung, gesünder essen, nicht rauchen, weniger Alkohol“, so Dr. Morschitzky. Vor allem Menschen ab 40 Jahren weisen häufig einen labilen Bluthochdruck auf. „Sind psychische Probleme Ursache dafür, sollte man am besten eine Psychotherapie machen. Tut man nichts, besteht die Gefahr, dass sich der Hochdruck körperlich festsetzt und aus dem labilen Bluthochdruck ein stabiler wird. Das geschieht häufig dann, wenn man seinen Ärger nicht wahrnimmt oder ihn verdrängt, weil man sich scheut, einen Konflikt auszutragen“, sagt der Therapeut. Ist der Blutdruck bereits stabil hoch, braucht man in vielen Fällen Medikamente, um ihn wieder zu senken (zusätzlich zu einem gesunden Lebensstil).

Körperliche Ursachen. Keineswegs ist Bluthochdruck immer auf Stress und andere psychische Belastungen zurückzuführen. Oft bestehen zuerst körperliche Probleme, die ihrerseits hohen Blutdruck und psychische Erkrankungen nach sich ziehen können. Morschitzky: „Man sollte sich beide Aspekte ansehen. Sowohl den Körper als auch die Psyche. Die Psyche alleine ist nur selten Ursache für seine Probleme. Manche Patienten reden sich ihren erhöhten Blutdruck als psychisch verursacht ein, weil sie keine Medikamente nehmen wollen und es lieber als psychisches Problem sehen möchten. In vielen Fällen besteht zuerst ein Bluthochdruck (aufgrund einer körperlichen Erkrankung wie Diabetes oder einer Nierenerkrankung) und erst dieser Zustand schlägt sich dann im Laufe der Zeit auch psychisch nieder und führt zu einer Folgedepression (welche wiederum schlecht für den Blutdruck ist).

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wie ein Deckel am Kochtopf
Seite 2 Behandlungsmöglichkeiten

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information