Freitag, 24. Mai 2019

Wenn "er" nicht kann

Ausgabe 2018.11

Potenzstörungen stellen eine große seelische Belastung für Betroffene dar. Doch es gibt nahezu in jedem Fall Hilfe – egal ob die erektile Dysfunktion physische oder psychische Ursachen hat.


Foto: 296_vantuz

Potenzstörungen sind nach wie vor ein Tabuthema. Muss nicht sein, beruhigt Priv.-Doz. Dr. Florian Wimpissinger, Urologe an der Rudolfstifung in Wien. „Erektile Dysfunktionen kommen häufiger vor, als man glauben mag. Es ist ein großes Thema in meinem beruflichen Alltag.“ Schätzungsweise 5 bis 30 Prozent der österreichischen Männer leiden unter unterschiedlich schweren Erektionsstörungen, betroffen sind vor allem Männer ab dem 50. Lebensjahr. Experten gehen davon aus, dass circa jeder dritte Mann im Laufe seines Lebens zumindest vorübergehend mit Potenzstörungen zu kämpfen hat. Dass Mann im Bett nicht immer so kann wie gewünscht, ist „normal und nicht per se ein Grund zur Sorge“, betont Wimpissinger. Von einer erektilen Dysfunktion spricht man daher erst, wenn über einen längeren Zeitraum (circa drei Monate) die Erektionsfähigkeit durchgehend gestört ist, das heißt, wenn der Penis gar nicht steif wird oder die Erektion für einen zufriedenstellenden Geschlechtsverkehr nicht ausreicht. Die Ursachen dafür können unterschiedlich sein, erklärt der Experte: „Die Fähigkeit, eine Erektion aufzubauen, basiert auf einem komplexen Ablauf im Gehirn. Nerven sind hier genauso beteiligt wie Hormone, Blutgefäße und Muskeln.“ Während bei jungen Männern in der Regel psychische Probleme wie Stress, Erfolgsdruck, Angst, Depressionen oder eine Körperwahrnehmungsstörung zugrunde liegen, haben Potenzstörungen bei älteren Männern meist organische Ursachen.

Penis als Wünschelrute
Der häufigste Grund für erektile Dysfunktionen ist Diabetes mellitus, so Wimpissinger: „Diabetes greift die Gefäße an, allen voran das Endothel, mit dem der Penisschwellkörper, der ein Blutschwamm ist, ausgekleidet ist. Das Endothel ist die Zellschicht an der Innenfläche der Blutgefäße. Außerdem werden beim Diabetes die vegetativen Nerven, für die die Funktion der Schwellkörper wichtig sind, geschädigt.“ Ähnlich verhält es sich mit Arteriosklerose-Erkrankungen: „Hier ist weniger die Gefäßverkalkung das Problem als vielmehr die gestörte Funktion des Endothels im Schwellkörper.“ Auch Adipositas, metabolisches Syndrom, Hypertonie, Nikotin, bestimmte Medikamente (z. B. Antidepressiva) sowie Operationen nach Prostata- oder Blasenkrebs können die Potenz erheblich beeinträchtigen. „Hormonumstellungen wiederum spielen hier meist keine Rolle“, räumt der Urologe mit einem weitverbreiteten Vorurteil auf. Umgekehrt kann eine erektile Dysfunktion aber auch ein Warnsignal auf ernst zu nehmende Erkrankungen wie eben Arteriosklerose oder Diabetes sein, warnt Wimpissinger: „Arteriosklerose beispielsweise ist bereits im Anfangsstadium am Schwellkörper zu erkennen. Der Penis ist so etwas wie eine Wünschelrute für Internisten und Urologen.“ Schon allein deshalb gilt: „Je früher die Behandlung erfolgt, desto besser!“ Erster Ansprechpartner sollte der Hausarzt sein, der den Patienten in der Regel an einen Urologen überweist. Nach einem ausführlichen Anamnesegespräch (Wimpissinger: „Treten beispielsweise nachts oder morgens Erektionen auf, kann man eher von einer psychischen Ursache ausgehen!“) kann unter Umständen eine Blut- oder internistische Untersuchung folgen. „Ein wichtiger Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion ist die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache“, betont der Experte.

Es gibt Hilfe!
Parallel dazu sind unterschiedliche Behandlungsansätze möglich. Besonders häufig werden potenzfördernde Medikamente angewandt: „Diese bewirken nicht automatisch eine Erektion, sondern helfen dabei, eine solche zu bekommen“, klärt Wimpissinger auf. „Es wird also der Normalzustand wiederhergestellt.“ Der Experte ergänzt: „Aufgrund von möglichen Nebenwirkungen und verschiedenster Wirkungsdauer sollte eine medikamentöse Behandlung niemals ohne Arzt erfolgen!“ Möglich sind auch Injektionen direkt in den Schwellkörper, die anfangs vom Arzt, dann vom Betroffenen selbst verabreicht werden. „Sie sind beinahe schmerzlos, anfangs ist ein brennendes Gefühl möglich“, beruhigt Wimpissinger. Die Injektionen ermöglichen eine Erektion innerhalb von zehn bis zwanzig Minuten, unabhängig vom eigentlichen Erregungszustand. In schweren Fällen ist auch eine Implantation eines Schwellkörperersatzes, also einer Penisprothese, notwendig, um das Sexualleben wieder zu ermöglichen. Was die Prävention betrifft: „Gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und ein Rauchstopp tun der Erektionsfähigkeit gut!“, fasst Wimpissinger zusammen. 

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