Dienstag, 19. Februar 2019

Wenn Knochen schwinden

Ausgabe 2014.02
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Osteoporose ist eine heimtückische Stoffwechselerkrankung, an der rund 780.000 Menschen in Österreich leiden. Wie sich Knochenschwund bemerkbar macht und was Sie vorbeugend dagegen tun können.


Foto: Can Stock Photo Inc. -photography33

Das Risiko, an Osteoporose, zu erkranken, steigt mit dem Lebensalter an. Der natürliche Alterungsprozess des Menschen zeigt sich auch in den Knochen: Je älter der Mensch wird, desto weniger widerstandsfähig, desto poröser sind seine Knochen. Einfach erklärt ist außerdem, warum Frauen öfter – jede dritte Frau ist betroffen – und deutlich früher, nämlich schon nach den Wechseljahren, erkranken. Männer haben, da das Sexualhormon Testosteron nicht so rapide und erst viel später absinkt, wesentlich seltener an Knochenschwund zu leiden – und wenn, dann erst in einem sehr hohen Alter. Die Knochen einer Frau sind schon an sich weniger stark, und der Östrogen-Mangel in und vor allem nach den Wechseljahren beschleunigt zudem den Knochenverlust. Der Grund dafür: Östrogen bremst den normalen Abbau der Knochenmasse, es ist also für die Regulation zuständig. Fehlt dieses, geht der Abbau rasant vor sich. Dazu muss man wissen: Die Knochen bestehen aus lebendem Gewebe, sie sind von Blutgefäßen und Nerven durchzogen, sie befinden sich in einem ständigen Auf- und Abbau. Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Preisinger, Primaria der Physikalischen Medizin und Rehabilitation am Krankenhaus Hietzing: „Die Abbauzellen (Osteoklasten) lösen permanent Knochen auf, die Aufbauzellen (Osteoblasten) bauen die Grundsubstanz des neuen Knochens wieder auf. Diese besteht zum Großteil aus dem Protein Kollagen und wird nach und nach mineralisiert. Dadurch erhält der Knochen seine Stärke. Er ist elastisch und gleichzeitig widerstandsfähig gegen Formveränderungen. Die während des Aufbaus eingemauerten Osteoblasten bilden das gigantische Netzwerk der Osteozyten. Sie managen die mechanischen Anforderungen an den Knochen und regulieren die Stoffwechselvorgänge.“

Härter als Stahlbeton

Unsere Knochen sind stärker als Stahlbeton. Unsere Knochen sind ein Wunderwerk der Natur, sie können Belastungen optimal entgegenwirken, sie sind stark und kräftig, sie halten viermal mehr aus als Stahlbeton, sie sind aber auch elastisch und machen gerade einmal zwölf Prozent unseres Gesamtgewichts aus. 206 Knochen hat der Mensch – im Babyalter, bevor sie beginnen, sich zu festigen und zusammenzuwachsen, sind’s noch um rund 100 Knochen mehr. Der größte und kräftigste ist der Oberschenkelknochen. Er ist bei einem 1,80 Meter großen Menschen rund 50 Zentimeter lang. Der kleinste, der Steigbügel im Ohr, wiegt nur drei Milligramm und ist mit drei Millimeter Länge winzig klein.


Wunder Knochen. Unsere Knochen sind aus einer perfekt ausgewogenen Mischung aus Wasser und Feststoffen gemacht. Die Knochenmasse baut sich in den Kinder- und Jugendjahren auf, erreicht im dritten Jahrzehnt ihr Maximum und nimmt mit zunehmendem Alter wieder ab. Je mehr Knochenmasse in jungen Jahren aufgebaut wird, desto geringer wird vermutlich das Risiko, später an Osteoporose zu erkranken. Gesunde Kinder und Jugendliche mit ausgewogenen vielseitigen Ernährungsgewohnheiten und regelmäßigem Training, wie beispielsweise durch tägliches Schulturnen, können ihre maximal mögliche Knochenmasse erreichen. Muskeltraining, Springen, Laufen und viele Ballspiele sind dafür geeignet. Untergewichtigkeit, wie wir es von Jugendlichen mit Anorexie oder Bulimie kennen, schadet dem Knochen massiv und kann bereits bei jungen Erwachsenen zu osteoporotischen Knochenbrüchen führen. Ebenso gravierend wirkt sich ein Vitamin-D-Mangel aus. Ohne das Vitamin, das der Körper unter Sonneneinwirkung selbst bildet, kann Kalzium im Körper nicht aufgenommen und in die Knochen eingebaut werden. Einer der Gründe, warum der Mensch an Osteoporose erkrankt, liegt möglicherweise an der aufgrund von Kalziummangel unzureichenden Knochenbildung in jungen Jahren. Preisinger: „In der Wachstums-phase wird der Knochen mehr auf- als abgebaut. Mädchen allerdings bauen, wenn sie gesund leben, in der Pubertät mehr Knochenmasse als Muskeln auf, bei Burschen verläuft das ziemlich linear. Die Frau braucht sie als Reserve für die Geburten, und genau diesen Knochen scheint sie dann in der Menopause wieder zu verlieren. Das ist völlig normal. Wenn allerdings“, so die Expertin weiter „nur wenig Knochenmasse da ist oder eine Krankheit hinzukommt, dann schlittern Frauen in ein größeres Risiko hinein.“

Schleichende Erkrankung. Knochenschwund betrifft nicht nur einzelne Knochen, sondern ist eine schwere Erkrankung des gesamten Skelettsystems: Die Knochenstärke nimmt ab und die Brüchigkeit steigt. Das Fatale daran ist, dass Osteoporose schleichend daherkommt und lange bevor der Mensch etwas bemerkt einsetzt. Da nicht jeder Knochenbruch schmerzhaft ist, ist oft schon eine Vielzahl an Wirbelknochen zu Bruch gegangen, bevor im fortgeschrittenen Stadium erste Symptome auftauchen. Alarmzeichen etwa sind chronische und immer wieder auftauchende Schmerzen des Bewegungsapparates, vor allem Rückenschmerzen, sofern diese nicht mit anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden können. Weiters eine Veränderung der Körperstatur, so etwa ein runder, sich nach vorne beugender Rücken (der sogenannte Witwenbuckel), sowie der Verlust an Körpergröße von mehr als vier Zentimetern eine Fehlstellung der Wirbelsäule, aber auch Schmerzen, sobald Druck auf die Nerven ausgeübt wird. Die logische Konsequenz all dieser Symptome ist eine Veränderung der Muskelspannung, die unter anderem zu massiven Verspannungen führt und mit großen Schmerzen einhergeht. Wie bei vielen anderen Erkrankungen wird auch bei Osteoporose der Ernährung ein wichtiger Stellenwert eingeräumt. Diese sollte ausgewogen und vielseitig sein, in erster Linie ausreichend Kalzium und möglichst viel Vitamin D3 in den Wintermonaten beinhalten. Insbesondere bei älteren Menschen muss auf eine ausreichende Eiweißversorgung geachtet werden. „Ein übermäßiger Konsum von phosphatreichen Lebensmitteln (Wurst, Fertigprodukte, Cola) sollte vermieden werden“, sagt Preisinger. „Überdies schädigen regelmäßiger Alkoholkonsum von mehr als ¼ l Wein pro Tag und Zigaretten die Knochenzellen.“

Belasten, aber nicht überbelasten. Unser Skelett braucht einen Anreiz, um ordentlich arbeiten zu können. Sitzt der Mensch aber wie festgeschraubt vor Computer und Fernseher, haben auch unsere Knochen keine Lust, ihren Job zu erledigen. „Bei älteren Menschen kann Sitzen von neun Stunden und mehr pro Tag“, erklärt Preisinger, „im Vergleich zu weniger als sechs Stunden das Risiko für Oberschenkelbrüche um 42 Prozent erhöhen.“ Nur wenn wir uns (ausreichend!) bewegen und damit die Knochen im positiven Sinn belasten, wird die Knochenproduktion angekurbelt. Sehr gut zu sehen ist das etwa, wenn die Knochen aufgrund einer Verletzung mit einem Gipsverband stillgestellt werden. Schon nach kurzer Zeit schrumpfen die Muskeln sichtbar und verlieren dadurch an Kraft. Aber auch eine längere Krankheit, die einen ans Bett fesselt, hat dieselben Folgen. Muskel- und Knochenabbau gehen Hand in Hand. Durch geeignetes Training lässt sich die Muskulatur rascher als der Knochen wieder kräftigen. Expertin Preisinger: „Deswegen: Bleiben Sie bis ins hohe Alter aktiv, versuchen Sie, Ihre Haus- und Gartenarbeit so weit wie möglich selbst zu erledigen und trainieren Sie Ihre Muskeln und Ihr Gleichgewichtsempfinden, damit Sie Stürze vermeiden.“ Jedes Training muss dem individuellen Trainingszustand angepasst sein. Bei von Osteoporose betroffenen Patienten muss ein Training unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wenn Knochen schwinden
Seite 2 Bewegung ist die beste Prophylaxe

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