Samstag, 16. Februar 2019

Wenn Ihr Auge zur Wüste wird

Ausgabe 02.2015
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Heizungsluft und intensive Bildschirmarbeit machen unseren Augen zu schaffen und trocknen sie aus. Die Folge sind unangenehmes Brennen, Jucken und Kratzen. gesünder leben zeigt, was Sie dagegen tun können.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - nastia

Den ganzen Tag im Büro vor dem PC, danach lange Autofahrten, am Abend gemütlich vorm Fernseher oder bei einem guten Buch den Tag ausklingen lassen. Im Winter heizen wir natürlich ein. Am Wochenende treffen wir uns mit Freunden in Lokalen, wo wir nicht selten mit Zigarettenrauch konfrontiert werden. Unseren Augen tun wir mit diesem Lebenswandel nichts Gutes – die Folge: Der Tränenfilm wird angegriffen, unsere Augen trocknen aus. „Trockene Augen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da sie aufgrund der Beschwerden zu starken Einschränkungen im Alltag führen können“, gibt Dr. Arne Aue, Facharzt für Augenheilkunde und Oberarzt im Landesklinikum Wiener Neustadt, zu bedenken.

Tipps gegen trockene Augen
  • Lüften Sie mehrmals täglich.
  • Luftbefeuchter helfen bei stark beheizten Räumen.
  • Drehen Sie Klimaanlagen nicht zu stark auf. Zudem sollten Sie die Zugluft meiden.
  • Vermeiden Sie Tabakrauch.
  • Gehen Sie so oft als möglich an die frische Luft.
  • Trinken Sie täglich mindestens zwei Liter Wasser.
  • Ausgewogene Ernährung mit reichlich Vitaminen und Omega-3-Fettsäuren wirkt sich positiv auf trockene Augen aus.
  • Blinzeln Sie beim Lesen sowie während der PC-Arbeit bewusst mehrmals. Legen Sie zudem Pausen ein, während deren Sie Ihre Augen geschlossen halten.
  • Kontaktlinsen sollten nicht zu lange getragen werden.

Weit verbreitet. Trockene Augen – auch Sicca-Syndrom genannt – gehören zu den weitverbreitetsten Augenkrankheiten. Experten zufolge leidet jeder fünfte Patient, der eine Augenarztpraxis besucht, darunter – „Tendenz deutlich steigend“, betont Aue und ergänzt: „Dieses Krankheitsbild findet sich quer durch alle Altersschichten.“ Seit einigen Jahren gibt es auch immer mehr jüngere Patienten, meist ab dem 20. Lebensjahr, die von trockenen Augen betroffen sind. Aue führt dies darauf zurück, dass immer mehr Zeit vor dem Computer verbracht wird. „Während einer konzentrierten Bildschirmarbeit – ähnlich wie beim Lesen oder bei langen Autofahrten – blinzeln wir nur ein bis zwei Mal pro Minute. Normalerweise macht das Augenlid zehn bis fünfzehn Mal in der Minute auf und zu. Das führt dazu, dass das Auge weniger befeuchtet wird.“

Benetzungsstörung. Der Tränenfilm, der nur 18 Mikrometer dünn ist und durch das Zwinkern im ganzen Auge verteilt wird, besteht aus drei Schichten. Bei den meisten Fällen von trockenen Augen handelt es sich um eine Störung der äußersten Schicht, der sogenannten Lipidschicht: Diese legt sich ähnlich wie eine Fettschicht über die Tränenflüssigkeit, stabilisiert den Tränenfilm und schützt ihn vor Verdunstung. Diese Schicht wird von den Liddrüsen gebildet. Aue: „Ein häufiges Problem beim Sicca-Syndrom ist die Entzündung der Lidkanten. Die Talgdrüsen können nicht mehr oder in geringerem Ausmaß Lipide bilden, die Tränen werden instabil. Bei trockenen Augen handelt es sich also meist nicht um eine zu geringe Produktion, sondern um eine veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit.“ Die Folgen: Der Tränenfilm reißt auf, Horn- und Bindehaut sind nicht mehr ausreichend geschützt und trocknen aus. Die Beschwerden: Rötung, Kratzen, Brennen und Jucken, zudem klagen Patienten über Lichtempfindlichkeit sowie ein Fremdkörpergefühl. „Auch bei einem stark tränenden Auge handelt es sich meist um das Sicca-Syndrom“, erklärt der Experte diese scheinbare Widersprüchlichkeit. „Der Körper versucht, den Reiz im Auge mit mehr Tränen auszugleichen, was jedoch zu einer Überlastung durch die Überproduktion von Tränenflüssigkeit führt.“

Wenn sich der Körper gegen sich selbst richtet. Auch Medikamente wie Antidepressiva oder die Anti-Baby-Pille können zu einer Benetzungsstörung am Auge führen. „Trockene Augen sind zudem nicht selten Symptome von anderen Krankheiten“, erklärt Aue. „Zum Beispiel kann es im Rahmen von rheumatischen sowie Autoimmunerkrankungen im Allgemeinen zu einer Schädigung von Tränen- und Speicheldrüsen kommen.“ Kann das Auge nicht vollständig schließen, zum Beispiel wegen einer Fehlbildung, trocknet die Hornhaut leichter aus. Auch bei Hauterkrankungen wie der Schuppenflechte oder Neurodermitis kann sich durch die Beteiligung des Lidrandes und der Augenoberfläche das Sicca-Syndrom ausbilden. Nicht zuletzt gehen auch allergische Erkrankungen wie zum Beispiel Heuschnupfen mit trockenen Augen einher, oftmals in Kombination mit Lidrandentzündungen. Frauen sind aufgrund der hormonellen Umstellung in den Wechseljahren häufiger vom Sicca-Syndrom betroffen als Männer. Aue warnt: „Unbehandelt kann das Sicca-Syndrom zu chronischen Beschwerden führen.“ Zur Erblindung führen trockene Augen nur in den allerwenigsten und sehr schweren Fällen. Zur Diagnosestellung untersucht der Augenarzt mit der Spaltlampe die Augenoberfläche sowie die Bindehaut. Um zu messen, wie lange der Tränenfilm am Auge haften bleibt („Tränenaufrisszeit“), wird die Tränenflüssigkeit mit einer fluoreszierenden Flüssigkeit eingefärbt. „So kann man erkennen, wie stabil oder instabil der Tränenfilm ist“, erläutert Aue. Der sogenannte Schirmertest wird zur Messung der Menge der Tränenflüssigkeit herangezogen: Hier wird ein standardisierter dünner Papierstreifen in den Bindehautsack eingelegt. Nach fünf Minuten kann man erkennen, ob eine normale oder reduzierte Tränenproduktion vorliegt.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wenn Ihr Auge zur Wüste wird
Seite 2 Künstliche Tränen

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