Mittwoch, 20. Februar 2019

Wenn es brennt und juckt

Ausgabe 2017.12/2018.01

Harnwegsinfektionen können vor allem in der kalten Jahreszeit zu einem lästigen Begleiter werden. Frauen neigen deutlich häufiger zu einer Blasenentzündung als Männer. Warum das so ist, erklärt GESÜNDER LEBEN.


Foto: iStock-gbh007

Einmal zu lange auf der kalten Parkbank gesessen oder im Regen nasse Schuhe bekommen, und schon ist es passiert – ein Harnwegsinfekt ist im Anmarsch. Die Entzündung wird in den meisten Fällen durch Bakterien ausgelöst und macht sich vor allem durch ein Brennen beim Wasserlassen bzw. häufiges Wasserlassen, Unterbauchschmerzen und vermehrten Harndrang bemerkbar.

Frauen häufiger betroffen. „Von einer Blasenentzündung, in der medizinischen Fachsprache auch als Zystitis bezeichnet, sind vermehrt Frauen betroffen“, so Dr. Markus Riedl, Facharzt für Urologie. „Das Problem ist vorwiegend auf die anatomischen Unterschiede zwischen Mann und Frau zurückzuführen. Frauen haben eine kurze Harnröhre, die nahe dem After liegt. Wischt man sich nach einem Toilettengang von hinten nach vorne und nicht von vorne nach hinten ab, können Darmbakterien in die Harnwege geraten. In 80 Prozent der Fälle handelt es sich um Escherichia-coli-Bakterien. Der Darmkeim ist Bestandteil der natürlichen Darmflora und eigentlich sehr nützlich. Wandert das Enterobakterium jedoch in die Blase, löst sich der Nutzen in Luft auf. Denn die Bakterien befallen die Blasenwand und vermehren sich explosionsartig. Der Körper reagiert darauf mit einer Blasenentzündung.“ Ein unterer Harnwegsinfekt kann bei Frauen aber auch durch gesteigerte sexuelle Aktivitäten (z. B. Analverkehr), die Benützung von Diaphragmen sowie ein verzögertes Wasserlassen nach dem Sex und eine verminderte Östrogenkonzentration in den Wechseljahren begünstigt werden. Selten, aber doch können sich auch Männer eine Blasenentzündung einfangen. „Gerade bei älteren Männern begünstigt eine gestörte Blasenentleerung die Entstehung eines Harnwegsinfektes. Grund dafür ist in den meisten Fällen eine vergrößerte Prostata, die zu einem Restharn in der Blase und somit zu einer Infektion führen kann. Eine verminderte Zinksekretion stellt im Alter ebenfalls einen Risikofaktor dar. Ein Harnwegsinfekt kann aber auch durch Analverkehr oder eine Vorhauterkrankung ausgelöst werden“, weiß Dr. Riedl. Und er warnt: „Bei Diabetes mellitus ist das Risiko, an einer Harnwegsinfektion zu erkranken, um das 20- bis 25-fache erhöht.“

Schmerz, lass nach! Eine Blasenentzündung ist häufig mit Schmerzen beim Wasserlassen, einem häufigen Wasserlassen sowie einem ständigen Harndrang verbunden. Zudem können Schmerzen im Unterbauch auftreten. Der Urin zeigt sich oft trüb und ist übel riechend. „Spätestens dann, wenn sich auch Symptome wie Blut im Harn, Erbrechen, Schüttelfrost, Fieber und Schmerzen im Flankenbereich zeigen, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden“, rät Urologe Dr. Riedl. „Dann hat sich die Infektion mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf die oberen Harnwege ausgebreitet und die Nieren befallen. Eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), die zusätzlich mit Symptomen wie Müdigkeit, Leistungsschwäche und Appetitlosigkeit verbunden ist, kann unbehandelt im schlimmsten Fall zu einem Nierenversagen führen“, so der Mediziner weiter. „Bei einer Harnwegsinfektion, die aufgrund von Bakterien entstanden ist, stellen Antibiotika die Therapie der ersten Wahl dar. Antibiotika werden auch als Langzeitprophylaxe bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen verabreicht“, informiert Dr. Riedl. „Zudem besteht bei chronischen Blasenentzündungen die Möglichkeit einer intramuskulären und oralen Impfung. Ein natürliches Mittel gegen Blasenentzündungen stellt die D-Mannose dar. Diese mit Glukose verwandte Zuckerart bindet auf ihrem Weg durch die Blase die krank machenden Bakterien an sich. Beide, nämlich D-Mannose und Bakterien, werden mit dem Urin nebenwirkungsfrei ausgeschieden. Folgende Heilpflanzen bieten sich zur Behandlung von Harnwegsinfekten an: Goldrutenkraut, Sonnenhut, Bärentraubenblätter, Schachtelhalmkraut, Kapuzinerkresse, Liebstöckl und Brennnessel. Die Arzneipflanzen lassen sich als Tee zubereiten oder sind in Form von Tabletten oder Kapseln in der Apotheke erhältlich.“

Viel und richtig trinken. Riedl kennt auch die gängigsten Präventivmaßnahmen: „Die Trinkmenge sollte so erhöht werden, dass es zu einer täglichen Harnausscheidung von etwa 1,5 bis 2 Liter kommt. Dadurch wird die Blase gut gespült. Der regelmäßige Genuss von Moosbeerensaft (Cranberry) oder -konzentrat beugt Harnwegsinfekten vor. Studien zufolge können bestimmte Inhaltsstoffe der Beere die Anheftung von Bakterien an die Harntraktschleimhaut verhindern. Frauen wird geraten, eine übertriebene Genitalpflege zu vermeiden. Diverse Intimsprays, parfümierte Seifen  und häufige Bidetspülungen schwächen den natürlichen Schutz. Bei Frauen in der Menopause empfiehlt sich die Gabe von Östrogenzäpfchen, um die natürliche Flora von Laktobazillen aufrechtzuerhalten. Und: Während der Menstruation sollten Frauen eher Binden statt Tampons verwenden. Außerdem sollte die Blase nach dem Geschlechtsverkehr bald entleert werden. Dadurch werden eventuell eingedrungene Bakterien schnell wieder herausgespült. Frauen, die häufig zu Harnwegsinfekten neigen, empfehle ich, Verhütungsmittel wie ein Diaphragma oder Spermizide zu meiden.“

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