Montag, 18. Februar 2019

Wenn die „Tage“ zur Plage werden

Ausgabe 2014.10

Menstruationsschmerzen kennt jede zweite bis dritte Frau. Doch man kann sie behandeln, und es gibt auch bewährte Hausmittel. Ein Überblick.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - lightwavemedia

Allmonatlich ein bis zwei Tage schmerzhafte Krämpfe im Unterleib, die bis in den Rücken ausstrahlen, dazu vielleicht noch Migräne und Übelkeit – frau möchte am liebsten nur ins Bett, die Decke über den Kopf ziehen und von der Welt nichts mehr wissen. Das ist sicher eine schwere Ausprägung des Problems „Dysmenorrhoe“ (Regelschmerzen), doch es kommt auch in leichterer Form vor, und insgesamt sind 30 bis 50 Prozent der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter davon betroffen.

Schmerzhafte Kontraktionen. „Wenn die Regel eintritt, kommt es in der Gebärmutter zur Ausschüttung verschiedener Transmitterstoffe, darunter vor allem Prostaglandine. Das hat zur Folge, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht und die Schleimhaut abgestoßen wird, wodurch dann Schmerzen verursacht werden“, erklärt die Frauenärztin Univ.-Prof. Dr. Doris Maria Gruber von der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung am AKH Wien. Die Experten unterscheiden zwei Formen der Dysmenorrhoe: Sie tritt entweder von der Menarche (erstes Auftreten der Regelblutung in der Pubertät) an auf und verursacht immer wieder Beschwerden, oder sie entwickelt sich erst im Laufe des Lebens – zum Beispiel vor oder nach einer Schwangerschaft.

Stress kann das Problem verstärken. Hauptursache sind laut Expertin Gruber in erster Linie die komplexen körperlichen Vorgänge, die sich vor und während der Menstruation im Körper einer Frau abspielen, doch gibt es auch sogenannte exogene Faktoren, die die unangenehme Angelegenheit noch leidiger machen können. Dazu gehören vor allem Stress und Angstzustände, die ja bekanntermaßen viele Frauen plagen und die bei der Behandlung der Dysmenorrhoe mitberücksichtigt werden sollten. Nicht zuletzt deshalb empfiehlt Prof. Gruber vor allem jungen Mädchen, die noch zur Schule gehen und oft im Dauerprüfungsstress stehen, einen Zykluskalender zu führen, um zumindest jene Stresstermine, die man selbst wählen kann, nicht mit jenen der Regelblutung kollidieren zu lassen. „Sich die ,Tage der Tage‘ zu notieren hat zudem immer einen Vorteil für die Frau – sei es um eine unerwünschte Schwangerschaft zu vermeiden oder um aktiv in die Familienplanung einzugreifen.“  

Sich mit der Mutter besprechen. Doch noch einmal zurück zu jungen Betroffenen: „Jungen Mädchen, die ab der Menarche starke Menstruationsbeschwerden haben, rate ich, zunächst zumindest ein halbes Jahr lang abzuwarten, um zu sehen, wie sich das Ganze entwickelt. Ein guter Tipp ist auch, mit der eigenen Mutter darüber zu reden, wie es bei ihr war, denn die Sache bleibt oft nicht so, wie sie anfangs auftritt“, sagt die Gynäkologin und: „Viele Frauen berichten auch, dass der Verlauf ihrer Menstruation von Mal zu Mal unterschiedlich ist. Nicht jede Regelblutung muss also schmerzhaft abgehen. Ist es aber so, dann ist der Gang zum Facharzt unbedingt angeraten.“ Bei massiven Beschwerden wird eine umfassende gynäkologische Untersuchung durchgeführt, bei der jedenfalls die Gebärmutter, die Eileiter und die Eierstöcke auf Auffälligkeiten hin untersucht werden. „Wichtig ist vor allem auch abzuklären, ob die Ursache für die Dysmenorrhoe eine Endometriose ist. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst und zu zyklussynchronen Schmerzen und Unfruchtbarkeit führen kann. Um diesbezüglich eine sichere Diagnose zu erhalten, ist eine Bauchspiegelung mit histologischer Untersuchung notwendig“, sagt Dr. Doris Maria Gruber.

Schmerzmittel und Hormone. Zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden stehen Schmerzmittel – in erster Linie sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) ¬– zur Verfügung. Sie hemmen die Bildung der Prostaglandine in der Gebärmutterschleimhaut und bewirken dadurch eine Verminderung der Gebärmutterkontraktion. Diese Medikamente sollen nur zum Zeitpunkt der Regelblutung eingenommen werden. Eine weitere Möglichkeit, die laut Dr. Gruber aber bei noch jungen Mädchen gut überlegt sein will, ist die Anwendung von hormonellen Verhütungsmitteln. Einige dieser Präparate führen zu einer Besserung der Beschwerden, indem sie das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut verringern und eine muskelentspannende Wirkung auf die Gebärmutter ausüben. Versuchen kann man es aber etwa auch mit Akupunktur und – wenn es denn möglich ist – leichtem Sport. Was man hingegen meiden sollte, sind Nikotin und Alkohol, denn diese Substanzen können die Dysmenorrhoe verstärken.

Hausmittel und Vernunft. Als natürliche und altbewährte Waffen gegen den Regelschmerz gelten nach wie vor auch die gute alte Wärmeflasche auf dem Bauch oder im Kreuz, Entspannungsbäder, Massagen und Tees mit krampflösender Wirkung. Prof. Gruber empfiehlt des Weiteren, zu Zeiten der „Tage“ ein chronobiologisches Leben zu führen: „Es gilt, die Lebensweise der ,inneren Uhr‘ anzupassen, also regelmäßig zu essen, zu schlafen und aufzustehen.“ Tun Sie es!

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