Freitag, 15. Februar 2019

Wenn die Milch Probleme macht …

Ausgabe 2018.03
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Milch und Milchprodukte sind eigentlich gesund. Doch wer an Laktoseintoleranz oder gar an einer Milcheiweißallergie leidet, muss bei seiner Ernährung Vorsicht üben. GESÜNDER LEBEN sagt, was Betroffene beachten sollten.


Foto: iStock-esvetleishaya

Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall: Eva kennt das gut und hatte lange Zeit keine Erklärung dafür. „Ich liebe heißen Kakao mit Milch, Cappuccino und eigentlich alle Milchprodukte. Jedes Mal danach kamen dann die furchtbaren Blähungen und das Rumoren im Bauch, manchmal sogar plötzlich Durchfall. Das ist gerade im Berufsleben eine große Belastung.“ Eva ist nicht alleine, etwa 15 Prozent aller Österreicher leiden unter Laktoseintoleranz. In Asien und Afrika haben sogar 90 Prozent der Erwachsenen diese Milchzuckerunverträglichkeit.

Das Problem mit dem Enzym. Laktoseintoleranz ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit aufgrund eines Enzymmangels. Laktose oder Milchzucker ist ein Zweifachzucker (Disaccharid), der aus Glukose und Galaktose besteht. Um Laktose verdauen zu können und über die Darmschleimhaut aufzunehmen, muss sie im Dünndarm vollständig in ihre Bestandteile aufgespalten werden. Das geschieht durch das Enzym Laktase. Hat man zu wenig von diesem Enzym oder fehlt es gänzlich, kann Milchzucker nicht vollständig verdaut werden. Er gelangt ungespalten bis in den Dickdarm, wo er von den Darmbakterien aufgenommen und vergoren wird. Als Gärungsprodukte entstehen Laktat (Salz der Milchsäure) und die Gase Methan (CH4) und Wasserstoff (H2). Die Gase führen zu Blähungen und die osmotisch aktive Milchsäure verursacht Durchfall.

Baby okay, Erwachsene weh. Bei gesunden Säuglingen arbeitet das Enzym Laktase auf Hochtouren. Aber nicht nur Menschen, alle gesunden neugeborenen Säugetiere bilden während ihrer Stillzeit dieses Enzym. Im Laufe der natürlichen Entwöhnung von der Muttermilch sinkt die Aktivität der Laktase auf etwa 5 bis 10 Prozent. Eine mehr oder weniger ausgeprägte Laktoseintoleranz ist also für die meisten Erwachsenen ein natürlicher Zustand. Nur bei Bevölkerungsgruppen, die seit langer Zeit Milchwirtschaft betreiben, hat sich eine genetische Veränderung (Mutation), die sogenannte Laktasepersistenz, durchgesetzt. Sie führt dazu, dass im Dünndarm auch noch im Erwachsenenalter genügend Laktase produziert wird. Vermutlich hat das den Menschen in ihrer Entwicklungsgeschichte einen Selektionsvorteil durch die in der Milch enthaltenen Mineralstoffe und ihren Nährwert gebracht. So stellte der Anthropologe Joachim Burger 2007 fest, dass Laktoseintoleranz erwachsener Menschen eine stammesgeschichtlich ursprüngliche Eigenschaft ist und die Fähigkeit, noch als Erwachsener Laktose problemlos zu verdauen, eine relativ junge genetische Entwicklung. Bei der Genanalyse von 9 europäischen Skeletten aus der Jung- und Mittelsteinzeit (7.800 bis 7.200 Jahre alt) entdeckte Burger, dass keiner dieser Menschen in der Lage war, Milch zu verdauen. Auch der vor rund 5.000 Jahren verstorbene Ötzi war laktoseintolerant. Ein rund 1.500 Jahre altes Skelett zeigte jedoch eine genetische Veränderung zur Verdauung von Laktose. Offenbar hat sich die Fähigkeit der Erwachsenen, Milch zu verdauen, in Europa parallel zur Ausweitung der Landwirtschaft und nach Einführung der Tierzucht entwickelt. Die Genomanalyse von 18 Skeletten aus dem Mittelalter zeigte bei 72 Prozent eine Laktasepersistenz. Das entspricht dem heutigen Niveau in Deutschland und Österreich.

Milchzuckerintoleranz und Milcheiweißallergie.  Nicht zu verwechseln ist die Laktoseintoleranz mit der Milcheiweißallergie. Die mangelhafte Laktaseaktivität ist ein angeborener oder erworbener Enzymmangel. Bei der Milcheiweißallergie, auch Kuhmilchallergie genannt, handelt es sich aber um eine aktive Immunreaktion aufgrund einer echten Allergie gegen Kuhmilcheiweiß. Das Abwehrsystem erkennt bestimmte Nahrungsbestandteile fälschlicherweise als gefährlich und setzt einen Abwehrprozess in Gang. Dabei bildet der Organismus meist Antikörper vom IgE-Typ, die nach einer Blutabnahme auch im Labor nachweisbar sind. Echte Nahrungsmittelallergien sind sehr selten und werden meist bei Kindern bis zum sechsten Lebensjahr gefunden. Sie treten nur bei etwa zwei Prozent der Bevölkerung auf. Nahrungsmittelintoleranzen sind dagegen mit 50 bis 80 Prozent sehr häufig.

Harter Käse – kein Problem! Wie viel Laktose man verträgt, ist individuell verschieden. Einige wenige Betroffene vertragen gar keinen Milchzucker. Laktose ist ganz natürlich in jedem Milchprodukt enthalten. Allerdings sind einige Milchprodukte bei Laktoseintoleranz trotzdem verträglich, weil die Laktose während des Reifungs- bzw. Produktionsprozesses abgebaut wurde. Es kommt auf die Verarbeitungsweise an, wie viel Laktose im fertigen Produkt übrig bleibt. Als laktosefrei gelten Produkte mit weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm Lebensmittel. Das sind zum Beispiel die meisten Hartkäsesorten. Es gilt: Je länger die Reifezeit, d.h. je härter der Käse, desto weniger Laktose ist enthalten. Auch Butter oder Schlagobers werden zumeist gut vertragen. Aber Achtung: Industriell wird Laktose einigen Fertigprodukten zugesetzt, daher sind viele Lebensmittel belastet, bei denen man es nicht vermuten würde, zum Beispiel Weißbrot, Wurst oder Fertigsuppen. Lesen Sie also die Zutatenliste, Laktose muss angegeben werden!

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